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Plasencia Zigarren

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Informationen

Die Ursprünge einer der wichtigsten Familien in der Zigarrenindustrie

Die Geschichte der Firma Plasencia S.A. bzw. der dahinter stehenden Familie ist eine Geschichte vom Kampf gegen schicksalhafte Wendungen und widrige Umstände hin zu grandiosem Erfolg und Größe. Wie viele Andere verlässt auch ein Mann namens Santiago Plasencia seine Heimat auf der Suche nach besseren Lebensumständen. Begleitet wird er von zwei seiner Brüder, während die Familien unter der Obhut eines weiteren Bruders zurück bleiben. Die Brüder landen schließlich auf Kuba und lassen sich in der Region Vuelta Abajo nieder. Von dieser fruchtbaren Gegend hatten sie schon viel gehört und hier wollten sie ihr neues Leben aufbauen. Nach einigen Jahren konnten sie von der Cifuentes-Familie, in deren Hand die Partagas Zigarrenfabrik war, eine Farm mit dem klangvollen Namen El Corojal pachten. Die Plasencias fertigten zu der Zeit noch keine Zigarren sondern zogen Tabak heran, der dann als Deckblatt Verwendung fand. Inzwischen war Santiago Plasencia auch ein Sohn geboren worden, Sixto Plasencia, der im Alter von 14 Jahren seinen spanischen Ursprüngen hinterher spürte. Nach dieser Reise trat er 1890 in das kleine Familienunternehmen ein und arbeitete mit auf der Farm. 1920 wurde sein Sohn Sixto Jr. geboren, die dritte Generation betrat die Bühne. Herangewachsen, gründete Sixto Jr. zusammen mit seinen neun Geschwistern (!) ein eigenes Unternehmen, die Hijos de Sixto Plasencia. Alles lief bestens. 1949 wurde sein Sohn geboren, Nestor, und auch das Geschäft entwickelte sich wunschgemäß. Doch dann, 1959, erschütterte die kubanische Revolution das Land und die Dinge begannen sich zu verändern…

Politische Wirren im Zuge der Kubanischen Revolution

Rings um die Plasencias flohen die Nachbarn, unter ihnen so bekannte Namen wie Carlos Torano und Julio Eiroa. Sixto Jr. rechnete nicht damit, dass seine Familie und ihr Geschäft auch Plasencia Zigarren online kaufenvon den Entwicklungen berührt würden, doch er täuschte sich. Am 03. Oktober 1963 besetzten Truppen den Besitz der Plasencias, einzige Ausnahme bildete ihr Haus. Jetzt jedoch war klar: sie würden nicht hier bleiben können. Aber eine Auswanderung bzw. Flucht aus Kuba war nicht so einfach. Die Vorbereitungen dazu dauerten mehrere Jahre, doch im Mai 1965 war es endlich soweit. Geplant war die Flucht nach Jamaika, da sich ihnen dort die Möglichkeit bot auf einer Tabakfarm zu arbeiten. Der Weg sollte per Kurzzeitvisa über Mexico und von dort weiter nach Jamaica führen, doch in Mexiko angekommen erhielt Sixta jr. die Info, dass die Tabakfarm die ihr Ziel sein sollte bankrott war.

Gescheiterte Auswanderung 

Keine leichte Lage für die kleine Familie, zumal sich ihre Barschaft nur auf 100 $ belief. Julio Eiroa, inzwischen selbst in Honduras ansässig, besorgte Visen für die Reise nach Honduras, wo Sixto jr. binnen weniger Stunden direkt zwei Jobs angeboten wurden! Doch auch Honduras wurde nur eine Zwischenstation, 1967 bot sich die Möglichkeit, in Nicaragua bei der Oliva-Familie auf der Farm zu arbeiten, also auf nach Nicaragua! Dort heiratet Nestor 1969 und erwirbt zusammen mit seinem Vater 1971 eine eigene Farm. Es folgten Jahre wirtschaftlich guter Entwicklung, während sich politisch das Klima verschlechterte. Durch ihre Erfahrungen in Kuba vorsichtig geworden, pachteten Vater und Sohn 1978/79 parallel zu ihrer Farm in Nicaragua eine Farm in Honduras und als ihr Eigentum in Nicaragua konfisziert wurde, verließen sie das Land und gingen nach Honduras. Ihrem Erfolg hat dieser erneute Wechsel nicht geschadet wie die Zahlen eindrucksvoll belegen. 1980 bewirtschafteten sie 48 Hektar, was schon das Dreifache gegenüber dem Vorjahr war, 1982 lag die Anbaufläche bereits bei 200 Hektar Land! Diese Expansion kostete Geld was die Familie nicht besaß und sich deshalb leihen musste. Bei dem Erfolg im Prinzip kein Problem, doch dann kam es zu Blauschimmelbefall der Pflanzen und nur 10% der Blätter konnten noch verkauft werden, der Rest war unbrauchbar geworden. Weitere Missernten und Einbrüche in der Produktion in Verbindung mit hohen Zinssätzen führten bis Ende der 80er Jahre zu einem Schuldenberg in Höhe von rund zehn Millionen US-Dollar! Doch während dieser Jahre hatte Nestor angefangen neben dem Tabakanbau ein zweites Standbein zu etablieren. 1985 hatten die Plasencias mit 10 Rollern die Zigarrenproduktion aufgenommen und endlich spielte ihnen das Schicksal auch einmal in ihre Karten. Die Auslandsverschuldung von Honduras hatte so zugenommen, dass die Kreditgeber fürchteten ihr Geld zu verlieren und deshalb den Kreditnehmern für kurze Zeit gestatteten, ihre Kredite zu 20% des Nennwertes abzulösen. Wenn es Nestor also gelänge zwei Millionen auftreiben, dann wären damit seine Schulden in Höhe von zehn Millionen getilgt und es blieben nur diese zwei Millionen Schulden übrig! Mit Hilfe seiner Banken konnte er diese Chance nutzen. 1990 erhielt Nestor außerdem einen sehr großen Auftrag und seine Zigarrenproduktion stieg auf 10 Millionen Stück an! Dadurch konnte er im selben Jahr bereits eine Million von seinen verbliebenen zwei Millionen Schulden zurückzahlen, die zweite Million folgte dann 1991. Im Grunde stand er jetzt wieder auf „Null“, hatte aber einen exzellenten Ruf und sein Geschäft lief erfolgreich.

Weiterer Aufschwung nach Beruhigung der politischen Verhältnisse

Derweil hatten sich in Nicaragua die Verhältnisse wieder stabilisiert und als Ausgleich für die damals konfiszierte Farm erhielt Nestor 150 Hektar Land in Esteli. Die folgenden Jahre sind gekennzeichnet vom Auf- und Ausbau des Unternehmens, neue Standorte kamen hinzu, unter anderem auch in Panama und Costa Rica. Auch eine eigene Produktion für Zigarrenkisten bauten die Plasencias auf und für ihre Angestellten betreibt die Familie Kinderhorte, Schulen und Gesundheitszentren. Auch privat ging es weiter: Nestor durfte sich inzwischen Nestro Sr. nennen und in bester Tradition arbeiten auch seine Söhne im familieneigenen Unternehmen. Durch Höhen und Tiefen ist diese Familie gegangen, aber sie hat sich nie unterkriegen lassen. Nestor Plasencia Sr. erhielt in Würdigung seines Lebenswerkes und seiner Verdienste um die Tabak- und Zigarrenindustrie die Cigar Journal Trophy 2012.
Nestor Jr. führt aktuell mit seinem Bruder Gustavo das Unternehmen weiter und arbeitet unter anderem an der Weiterentwicklung der Tabakpflanzen und –sorten. So darf man neben dem staunenden Blick auf eine bewegte Vergangenheit auch einen gespannten Blick in die Zukunft werfen, denn die Geschichte der Plasencias geht weiter und lässt noch viel hoffen!

Wir durften uns im Februar 2015 bei unserer Cigarworld Factory Tour persönlich davon überzeugen wie gastfreundlich die Familie ist: bei einem Barbecue auf der familieneigenen Finca in der Nähe von Esteli wurden wir auf eine grandiose Art und Weise von Gustavo und Nestor betreut. Muchas gracias!

Neben den eigenen Zigarren stellt die Familie noch Longfiller für andere namhafte Zigarrenmarken her, wie zum Beispiel für Rocky Patel, Savinelli. Enge Beziehungen pflegt er unter anderm auch zu seinen Kollegen AJ Fernandez und der Familie Garcia.