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Kanarische Zigarren

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Kanarische Zigarren  – der Geheimtipp für Aficionados

Die Kanarischen Inseln sind der südwestlichste Vorposten Europas – weit über 1.000 Kilometer vom spanischen Festland entfernt – und gehören damit klimatisch schon zu den Subtropen. Auch wenn sie ungefähr auf demselben Breitengrad wie Florida liegen, weisen sie dennoch manche Gemeinsamkeiten mit Kuba auf – nicht zuletzt der gemeinsamen Zigarrentradition wegen. Die Kanaren waren in der Vergangenheit eine bitterarme Region, die eigentlich nur deshalb für die spanische Krone interessant waren, weil sie den jeweils letzten und ersten Hafen zwischen Europa und den spanischen Kolonien in Westindien, der heutigen Karibik, boten. Insbesondere der Hafen von La Palma wurde zu einem der wichtigsten Drehkreuze Europas in der frühen Neuzeit. Nach vielen gescheiterten landwirtschaftlichen Experimenten – Zuckerrohr, Seidenproduktion, Wein – blieb als einer der wenigen Erfolg versprechenden Wirtschaftzweige unter anderem der Tabakanbau übrig. Noch heute gibt es auf der Insel La Palma einige Zigarrenmanufakturen, die auch an das spanische Königshaus liefern – nicht zuletzt deshalb gelten kanarische Zigarren als Geheimtipp unter den Aficionados.

Kubanisch-kanarische Verbindungen

Zwischen den Kanaren und Kuba existieren seit Jahrhunderten alte Familienbande. Es waren Familien von diesen Inseln, die aufgrund der herrschenden Not bereit waren, in die spanischen Kolonien auszuwandern, um dort ihr Glück zu versuchen. Es ist davon die Rede, dass rund 120.000 Canarios nach Westindien auswanderten, wo sie als Arbeitskräfte für das aufkeimende Tabakgeschäft benötigt wurden. Dank der landwirtschaftlichen Kenntnisse, die sie aus ihrer alten Heimat mitbrachten, und ihrer Arbeitsdisziplin waren sie auch auf Kuba sehr gefragt. Manche kehrten nach Jahrzehnten, Nachfahren gar nach Jahrhunderten in die alte Heimat zurück und pflanzten ihrerseits erfolgreich Tabak an. Aufgrund der geographischen Lage und des mediterran-subtropischen Klimas gedeiht diese Pflanze im Dauerfrühling von La Palma besonders gut, weshalb es heute einzig dort noch nennenswerten Tabakanbau für kanarische Zigarren gibt. Aufgrund der engen Verbindung zwischen beiden Inseln entstand das Sprichwort, dass viele Palmeros "ihre Füße in Europa und ihr Herz auf Kuba" hätten.

Insbesondere zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine größere Rückwanderungsbewegung zu den Kanaren und so entstand bald eine florierende Tabakindustrie. Besonders die Gemeinden Breña Alta, Mazo, Santa Cruz und El Paso mauserten sich zu Hochburgen der Tabakwirtschaft. Doch dann kam es um 1965 herum zu einer Blauschimmelplage, die zum Niedergang der bis dato berühmten Tabaksorte Pelo de oro, das heißt Goldhaar, führte. Alle Tabakpflanzen mussten vernichtet und durch eine resistente Sorte ersetzt werden. Es mag als eine Fügung des Schicksals gelten, dass auf der anderen Seite des Atlantiks die kubanische Revolution viele erfahrene Tabakzüchter und -barone von der Insel trieb und einige davon eine neue Heimat auf den Kanaren fanden. Zu den ersten bekannten kanarischen Zigarren gehörte die Montecruz, die von Pepe Garcia und Benjamin Menendez hergestellt wurde, nachdem sie Kuba nach Castros Machtübernahme verlassen mussten.

Von Puros, die nicht immer Puros sind

Es gehört zu einem auch unter Aficionados verbreiteten Irrglauben, dass alle kanarischen Zigarren Puros sind. Das Missverständnis liegt darin, dass es im Spanischen üblich ist, Zigarren Puros zu nennen. Der Großteil kanarischer Zigarren sind Mischungen aus Tabaken verschiedener Anbauländer – darunter brasilianische, dominikanische oder mexikanische Blätter. Als echte Puro gilt die Marke El Mito, die erst seit wenigen Jahren auf dem Markt ist, nachdem Don Antonio González García aus Breña Alta viele Jahre Entwicklungszeit investiert hatte und 2002 Woermann Cigars für den Vertrieb gewinnen konnte. Bisher gibt es nur wenige Marken kanarischer Zigarren in Deutschland zu kaufen. Manche Sorten der kleineren Unternehmen werden nur für den einheimischen Markt produziert. Die bekanntesten Manufakturen heißen La Inmejorable, Puros Richard, Puros Julio, Flor de Las Breñas, El Consuelo, Vargas, La Rica Hoja und El Sitio – der Name der Finca von Don Antonio González García, der zugleich als Markenname steht. Kanarische Zigarren hecho a mano zeichnen sich nicht nur durch eine hohe handwerkliche Fertigkeit aus, sondern auch durch die Qualität der verwendeten Tabake, die zu Longfillern verarbeitet werden. Sehr bekannte Marken kanarischer Zigarren waren Condal, Goya oder Peñamil. Die Produktion wurde jedoch wie bei vielen anderen Manufakturen eingestellt.