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So wirkt sich das Deckblatt der Zigarre auf den Geschmack aus


Heute möchten wir uns mit den Auswirkungen des Deckblattes auf den Geschmack einer Zigarre auseinandersetzen. Viele wissen sicherlich, dass eine Zigarre grob aus drei Bestandteilen besteht - der Einlage, dem Umblatt und, als abschließendem Element, dem Deckblatt. Zwar gibt es eine Theorie, die besagt, man schmecke generell eher das Deckblatt an einer Zigarre, weil dieses mehr Kontakt zum Sauerstoff habe als die anderen beiden Komponenten, doch wie stark sich Deckblätter auf das komplexen Aroma eines Stumpens auswirken, hängt von mehreren Faktoren ab.

Einfluss des Ringmaßes auf den Geschmack

ZigarrendeckblattEin Faktor, welcher den Auswirkungsgrad des "Wrappers" auf den ganzen Gechmack einer Zigarre mit beeinflusst, ist das Ringmaß bzw. das Format. Halte ich eine Zigarre mit großem Ringmaß in der Hand, so bedarf es bei diesem Blend der Marke XY auch der nötigen Menge mehr an Einlagetabak. Je kleiner das Format, desto weniger Einlagetabak ist bei der Umsetzung des Blends nötig. Dies wiederum führt zu einer deutlicheren Gewichtung des Deckblatts gegenüber Umblatt und Einlage. Als Beispiel könnte man hier eine Petit Corona und eine Zigarre im NUB-Format (60x4) vergleichen. Prozentual betrachtet ist im NUB-Format deutlich mehr Einlagetabak vorhanden, weshalb das Deckblatt weniger ins Gewicht fällt als bei der Petit Corona. Bei einer Double Figurado hingegen würde man zu Beginn und zum Ende der Verkostung wahrscheinlich eher das Deckblatt schmecken, da am Fuß und am Mundstück der Zigarre der Anteil der Einlage (und des Umblattes) geringer ist als im mittleren Teil der Zigarre.

Demzufolge ist es ebenso wichtig zu evaluieren, wie intensiv Einlagetabake und Deckblätter im direkten Vergleich schmecken. Auch hier ist der Einfluss des Deckblattes hoch, wenn Einlage und Umblatt einen milden Charakter aufweisen. Oder auch umgekehrt - der Einfluss des "Wrappers" auf den Geschmack der Zigarre ist geringer, wenn für die Einlage ein deutlich kräftigerer Tabak genutzt wird.

Conneticut Shade Deckblätter

Connecticut Shade-Deckblätter sind der klassische Standard und weisen eine dünne, sehr feine und geschmeidige Textur auf; sie besitzen kaum sichtbare Adern und eine gute Abbrandfähigkeit. Mild im Geschmack, findet man weiterhin röstige Noten und subtil-süßes Holz als aromatische Charakteristika. Diese Sanftheit hat den Vorteil, dass die Blender mit den Einlage- und Umblattmischungen viel experimentieren können. Man könnte meinen, dass das unter Tüchern aufgewachsene Connecticut Shade der "Teamplayer" unter den Deckblättern und für Harmonie in der Mannschaft (also im Blend) zuständig ist. Eine typisch dominikanische Zigarre, die eher als mild abgestempelt wird, würde dem Connecticut Shade nicht im Wege stehen; wahrscheinlich könnten sich alle drei Komponenten gut ergänzen.

Corojo Deckblätter

Würde man nun den heutigen Corojo (es gibt inzwischen viele Varianten und Hybride des Corojos) oder noch besser den ecuadorianischen Corojo aus Nicaragua (wird oft von Pete Johnson und Don Pepin Garcia verwendet) mit der oben genannten klassischen dominikanischen Zigarre kombinieren, würde man eher das Deckblatt wahrnehmen, da es typischerweise kräftige Aromen von Erde, Pfeffer und Würze hervorbringt. Selbiges könnte man auch mit einem Sun Grown-Deckblatt konstruieren, da diese (durch die direkte Sonneneinstrahlung) viel Zucker beinhalten und dementsprechend gehaltvoll und kerniger schmecken. Bei derlei Experimenten würde sicherlich keine der Zigarren gut schmecken, aber es kann das wichtige Zusammenspiel aller Komponenten bei der Kreation eines Blends und somit die Wichtigkeit des Deckblattes veranschaulichen.

Zigarren mit verschiedenen DeckblätternEs ist also nicht nur wichtig, was für ein Deckblatt in oder an der Zigarre steckt, sondern welche Einlagetabake und Umblätter zum Einsatz kommen. Das Ringmaß bzw. die Formate spielen dabei eine ebenso entscheidende Rolle. Doch das alles zusammengenommen trifft noch immer nicht den Kern.

Um das Potenzial und die Charakteristika der Deckblätter entscheidend zu beurteilen, darf man nicht vergessen, aus welchem Land diese stammen, wie dort die Wetterbedingungen sind - etwa ob es in einem gewissen Zeitraum schlechte Bedingungen gab - und wie der Hersteller die Deckblätter nach dem "Pflücken" lagert und fermentiert.

Vielfalt brasilianischer Deckblätter

Beispielhaft betrachten wir das mindestens drei verschiedene Deckblatttypen erzeugende Brasilien näher: Es bringt Bahia-, Arapiraca- und Mata-Fina-Deckblätter hervor, die jeweils unterschiedliche Regionen des Landes repräsentieren.
Die Bahia-Wrapper offenbaren ein kräftiges, fülliges Aroma, wohingegen die dunkelbraune Madurofarbe der Arapiracablätter einem leichteren Typus entspricht. Seichter, süßer und dezenter lässt dieser Charakter eine höhere Komplexität bei der Mischung zu, ohne insgesamt an Kraft zu verlieren. Die Blends werden zurückhaltender, nicht rau und bissig. Alec Bradley zum Beispiel benutzt diese für seine milden Maduros. Die Mata-Fina-Blätter besitzen neben dem brasilianischen Maduroflair eine gute Idee Erde und eine natürlichere Süße. Dies kann man zufälligerweise gut an den Mata-Fina-Zigarren von Monte Pascoal< erkennen. Aber auch im bekannten "Sopranos-Stick" von C.A.O. und auch in einigen Zigarren von Carlos Turano finden die brasilianischen Mata Finas Gebrauch.

Ohne jetzt allzu sehr in die Materie des Anbaus sowie der vielen Herstellungsschritte einzugehen - denn das würde defintiv den Rahmen sprengen -, darf man im Hinterkopf behalten, inwiefern die unterschiedlichen Zigarrenfamilien- und Firmen mit ihren Tabaken umgehen und ihre Philosophie in den Blend ihrer Zigarre einfließen lassen. Paradiesvogel Jonathan Drew von Drew Estate hat da gewiss einen anderen Ansatz als Nick Perdomo oder die Mannen von Arturo Fuente. Und auch unsere geschätzten Kollegen aus Bünde verfolgen ihre eigene Strategie und Liebe bei der Kreation der Mischungen von Zigarren.

Doch wie kann man letztlich den Einfluss des Deckblattes auf den Taste einer Zigarre festhalten und beurteilen? Neben dem Versuch viele unterschiedliche Zigarren zu verkosten, die alle ein unterschiedliches Deckblatt aufweisen - solch einen Sampler bietet La Aurora mit der La Aurora 1495 Series an - sollte man dabei darauf achten, dass der Einlagetabak für den Vergleich sich nicht allzu sehr von denen der anderen Zigarren unterscheidet. Dies ist mit relativ viel Zeit - und vor allem Vergnügen - verbunden: ein persönliches Großprojekt! Man könnte auch zwei Zigarren mit unterschiedlichen "Wrappern" zeitgleich (immer abwechselnd!) oder hintereinander verkosten. Also zum Beispiel eine Maduro-Zigarre im Vergleich zu einer Claro.

Der dritte, sicher einfachste und spektakulärste "Test" wäre das entnehmen des Deckblattes zum Beispiel am Fuße oder am Mundstück der Zigarre. Dieser chirurgische Akt erfordert zwar ein wenig Fingerspitzengefühl, aber die Ergebnisse werden einem den Einfluss der obersten Zigarrenschicht auf direkte Weise schmecken lassen (oder auch nicht). Zumal beide Varianten einen anderen Einfluss auf den gesamten Rauchverlauf ausüben!

Vielleicht betrachten Sie Zigarren jetzt aus einem leicht veränderten Blickwinkel und haben die unzähligen Möglichkeiten und Potenziale der verschiedenen Deckblätter bei der nächsten Degustation im Auge. Wir wünschen jedenfalls weiterhin viel Spaß bei der Verkostung unterschiedlicher Deckblä... Zigarren natürlich!


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