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Eine Zigarre retronasal rauchen


Für viele ist es selbstverständlich, den Rauch über den Mund nicht nur aufzunehmen, sondern ihn auf demselben Weg auch wieder auszuatmen. Anders verhält es sich jedoch, raucht man seine Zigarre retronasal. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich eine eigentlich einfache Technik: Der Rauch wird, nachdem man ihn in den Mund eingesogen hat, durch die Nase ausgeblasen.

Geruchssinn und retronasales Rauchen

Nirgendwo sonst kann er sein Aroma so sehr entfalten wie hier. Über eine Verbindung im Rachenraum gelangt er aus der Mundhöhle in die Nase und passiert dort über zehn Millionen Riechzellen aus 400 verschiedenen Rezeptortypen. So kommt es, dass wir Menschen in der Lage sind, „durch die Nase zu schmecken“. Das retronasale Rauchen macht die Zigarre zu einer besonderen Geschmackserfahrung, die, nimmt man es wissenschaftlich korrekt, eigentlich eine Geruchserfahrung darstellt. Denn die besondere Sensibilität der Nase ist es, die unsere geschmackliche Wahrnehmung überhaupt erst zulässt – das ist auch beim Essen nicht anders. Was vermeintlich der feine Sinn unserer Zunge ist, spüren wir in all seinen Nuancen tatsächlich viel höher, eben in der Nase.

Geschmackssinn und retronasales Rauchen

Über den Mund können wir nicht mehr als fünf Geschmackstypen unterscheiden, nämlich bitter und sauer, was uns vor unreifer oder verdorbener Nahrung warnen soll, sowie salzig, süß und fetthaltig, was jeweils auf einen besonderen Gehalt an wichtigen Inhaltsstoffen hinweist. Aus evolutionärer Sicht reicht dies völlig aus, denn es bewahrt uns vor schädlichem Speisen und steigert unser Verlangen nach lebensnotwendiger Kost. Besäßen wir aber nur diese fünf Geschmacksempfindungen, wären wir wohl kaum empfänglich für das komplexe Bouquet einer guten Zigarre.

Dass sie dennoch – ebenso wie ein gutes Essen oder ein guter Wein – unsere Leidenschaft weckt, verdanken wir dem Aufsteigen der Aromen in die Nasenhöhle. Wie untrennbar Schmecken und Riechen miteinander verknüpft sind, bemerken wir meist dann, wenn uns, etwa bei einer starken Erkältung, der Geruchs- und damit stets auch der Geschmackssinn vorübergehend abhandenkommen. Welche chemischen Prozesse in der Nase genau stattfinden, bleibt rätselhaft, denn die exakte Funktionsweise unserer Geruchswahrnehmung ist von Wissenschaftlern immer noch nicht vollständig geklärt. Fest steht lediglich, dass wir ein äußerst sensitives Organ besitzen, welches eine beeindruckende Fülle an Aromen vermittelt.

Zugute kommt uns dies besonders, wenn es darum geht, komplexe Geschmacksnuancen zu erfühlen. Und dies wissen selbstverständlich auch Blender, jene Geschmacksexperten, die im Auftrag von Zigarrenproduzenten die Mischung der verwendeten Tabake kreieren. Beim Tasting ermöglicht ihnen retronasales Rauchen – in Kombination mit meist jahrzehntelanger Erfahrung und der außergewöhnlichen Präzision ihrer geschulten Sinne –, Geschmack und Stärke einer Zigarre optimal zu bestimmen.

Vielen mag diese Technik bisher noch unbekannt sein, und womöglich findet auch nicht jeder seine Freude daran. Um in den Genuss des vollen Aromas zu kommen, lohnt es sich aber. Also sei jedem empfohlen, es selbst einmal auszuprobieren und eine Zigarre retronasal zu verköstigen.


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