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Tabak anbauen & verarbeiten


Der Prozess vom Tabak anbauen und verarbeiten hin zu einer Zigarre ist ein aufwendiger und arbeitsintensiver Vorgang. Wir wollen im Folgenden diesen Prozess einmal näher aufzeigen, damit Sie das Naturprodukt Zigarre noch besser zu würdigen und genießen wissen.

Wie schon erwähnt bezieht sich diese Beschreibung auf den Zigarrentabak, wobei sich einzelne Punkte auch durchaus auf die Produktion von Zigaretten- und Pfeifentabak übertragen lassen.

Die Tabakpflanze

TabakpflanzenblüeDie Tabakpflanze hat den wissenschaftlichen Namen „Nicotiana tabacum“ und gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanceae). Zu dieser Gattung gehören auch die Kartoffel, die Tomate, die Paprika, die Aubergine und weitere Nutzpflanzen.

Der wissenschaftliche Name „Nicotiana“ kommt übrigens von dem französischen Gesandten Jean Nicot de Villemain, der um 1560 die Tabakpflanze von Lissabon an den französischen Hof mitgebracht hat und an der Verbreitung des Tabaks maßgeblich beteiligt war. So wurde er zum Namensgeber der Gattung und des alkaloiden Hauptwirkstoffs, dem Nicotin. Nachtschattengewächse lassen sich leicht kreuzen, in dem man den männlichen Teil der Blüte entfernt und mit fremden Pollen bestäubt. Nach ein paar Wochen kann man das Ergebnis bereits sehen. Ihre vollständige Reife erlangt die Tabakpflanze allerdings erst nach einem Jahr.

Das Hauptmerkmal der Gattung Nicotiana ist der Bestandteil der Alkaloiden und bei der Tabakpflanze insbesondere der Inhaltsstoff Nikotin. Die Tabakpflanze synthetisiert das Nikotin in den Wurzeln und transportiert es in die Blätter. Dort dient es der Abwehr von Insekten. Die Pflanze kann eine Höhe von zwei bis drei Metern und ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm erreichen. Die Blütenstände sind mehrfach verzweigte Rispen mit trichterförmigen Blüten, die bei Nicotiana tabacum rot und bei Nicotiana rustica gelb gefärbt sind.

Die Blüte der Tabakpflanze wird frühzeitig abgeschnitten ("geköpft"), bevor sich der erste Blütenstand entwickelt hat. Ansonsten würde sich der Pflanzenstoffwechsel auf die Blüte ausrichten und den Blättern so wertvolle Inhaltsstoffe entziehen.

Die Tabakpflanze braucht eine gewisse Wärme (mind. 15°C) zum Wachsen. Kälte ist tödlich für sie: Bei 0 °C werden die Blätter geschädigt, unterhalb von -3°C sterben die Pflanzen. Neben Wärme braucht die Pflanze aber auch genügend Feuchtigkeit. Allerdings nicht zu viel Bewässerung, denn zu viel Wasser nimmt den Honig aus den Blättern. Diese klimatischen Rahmenbedingungen sind allerdings auch die besten Voraussetzungen für die verbreiteten Krankheiten des Tabaks. Leichter Wind steht dem Pilzbefall entgegen, starker Wind und Hagel zerstören die Blätter und machen sie für die Verarbeitung unbrauchbar.

Die Blätter der Tabakpflanze

Eine Tabakpflanze wird in der Regel in sechs Etagen unterteilt. Von unten nach oben heißen sie:

  • libre de pie (Fuß)
  • uno y medico (eineinhalb)
  • centro ligero (leichte Mitte)
  • centro fino (dünne Mitte)
  • centro gordo (dicke Mitte)
  • corona (ganz oben)

Außerdem lassen sich die Blätter nach Größe, Farbe und Textur in drei Klassen aufteilen:

Volado Blätter

Die Blätter vom unteren Teil der Pflanze nennt man Volado. Da sie den meisten Schattenanteil abbekommen, sind sie die mildesten Tabakblätter und werden hauptsächlich für die Einlage verwendet. Die kräftigsten und besten Blätter dieser Art werden auch als Umblatt ausgewählt.

Seco Blätter

Die Blätter aus dem mittleren Pflanzenteil werden als Seco bezeichnet. Diese Blätter werden als aromatisch eingestuft und haben eine mittlere Stärke.

Ligero Blätter

Der oberste Teil der Pflanze bringt die Ligero-Blätter hervor. Da sie am intensivsten der Sonne ausgesetzt werden, erhalten sie eine besondere Süße und sind die stärksten, kräftigsten Blätter der Pflanze.

Tabakpflanze

Tabaksorten

Die Grundlage aller genehmigten Samen auf Kuba ist seit ca. 1940 der Criollo. Kurz darauf wurde eine verbesserte Version namens Corojo entwickelt. Diese Sorte wird auf Kuba hauptsächlich für den Anbau von Deckblättern verwendet. Auf Basis dieser Tabakpflanzen und dem Tabaksamen gibt es die Sorte Piloto Cubana, die hauptsächlich in der Dominkanischen Republik und in Zentralamerika angebaut werden. Der Olor Dominicana ist der originäre Tabak der Dominikanischen Republik und eine weitere Sorte ist der San Vincente – ein Hybrid von dem Samen Piloto Cubano. Siehe auch: Piloto Cubano Tabak.

Dazu gibt es noch die Variante Olor Carbonell sowie weitere Deckblattsorten wie Havanna Vuelta Arriba, El Negrito aus dem Samen von San Vicente, Corojo 2006 und den Nachfolger des Piloto Cubano, den Criollo 98.

In Nicaragua und auf Honduras werden u.a. die Hybrid-Sorten Habana92 und Habana 2000 neben dem Criollo als Einlage- und Umblatt sowie Connecticut-Tabak für Deckblätter angebaut. Die einzig einheimische Sorte auf Honduras ist der Copaneco.

Weitere Tabaksorten sind unter anderem: Sumatra- (hell) und Brasil- (dunkel) Tabake sind als Deckblatttabake am gebräuchlichsten. Daher kommen auch die Begriffe Sumatra- und Brasil-Zigarren (helle und dunkle Zigarren). Diese Tabake werden jedoch hauptsächlich für Shortfiller Zigarren verwendet.

Tabak – von der Aussaat bis zur Ernte

Ein Gramm Tabak-Saatgut enthält etwa 10.000 Körner. Eine Tabakpflanze produziert zwischen 5 und 20 Gramm Saatgut. Das Saatgut wird in der Regel überall in geschützten Ebenen angebaut. Dies verhindert, dass das Saatgut weggeschwemmt wird. Etwa 800 Pflänzlinge oder Setzlinge säen die Tabakpflanzer pro Quadratmeter aus. Sobald der Samen gesät wurde, wird dieser zum Schutz vor der Sonne mit Tüchern oder Stroh bedeckt.

Nach circa sechs bis acht Wochen erfolgt das Umpflanzen auf freie Felder. Nach etwa zwanzig Tagen wird Erde rings um den Fuß der Pflanze angehäuft um die Entwicklung starker Wurzeln zu fördern. Sobald die Pflanze eine gewisse Höhe hat, wird die Blüte "geköpft". Dadurch wird ein beschleunigtes Wachstum der Pflanze angeregt.

Der gesamte Arbeitszyklus vom Umsetzen der Pflänzlinge bis hin zur Ernte beträgt ungefähr 4 Monate. Die Tabakpflanzer (auf Kuba auch vegueros genannt) arbeiten von Juni/Juli bis zum darauffolgenden März und bearbeiten nacheinander verschiedene Felder zu verschiedenen Zeiten.

Zwischen Juni und August wird der Boden vorbereitet. Von September bis Anfang November findet die Aufzucht in den Pflanzenschulen statt. Ab Ende Oktober bis Ende Dezember ist der Zeitraum für das Wachsen der Pflanzen und von Dezember an bis in den März hinein werden die Blätter geerntet.

Anbaumethoden für den Tabak

Anbau von TabakGrundsätzlich gibt es zwei Anbaumethoden. Die Pflanzen, die zur Zucht von Deckblättern ausgesetzt wurden, werden circa 10 bis 20 Tagen nach dem Verpflanzen unter Tüllschleiern, sogenannten Tapados oder Tela Tapados, abgedeckt. Diese Tapados schützen die Pflanzen vor dem Sonnenlicht und speichern gleichzeitig die Wärme. Das bewirkt, dass einerseits die Blätter nicht zu ölig werden und andererseits, dass die Blätter glatt bleiben und größer werden.

Die zweite Methode ist entsprechend ohne Tapados. Die Pflanzen reifen unter direkter Sonneneinstrahlung. Diese Blätter werden hauptsächlich für die Einlage und Umlage verwendet. Mit dieser Art der Reifung können auch verschiedene Geschmacksrichtungen erreicht werden.

Ernte des Tabaks

Die sorgfältige Ernte zum richtigen Zeitpunkt ist eine wichtige Voraussetzung für die spätere Mischung der Tabake. Die Zigarrentabake sollten in einem vorreifen Zustand geerntet werden, wenn sie also noch grün sind und gerade beginnen sich hell zu verfärben. Auf diese Weise wird schon bei der Ernte der Zucker- und Stärkegehalt des Blattes niedrig gehalten, welcher erst beim Reifen und der damit einhergehenden gelblichen Verfärbung besonders stark ansteigt, denn absterbende Blätter können Zucker und Stärke kaum noch aus eigener Kraft abbauen.

Meistens wird die Ernte in den Morgenstunden durchgeführt, um die Blätter besser brechen zu können. Die Ernte auf Kuba wird von Hand ausgeführt (Picking) und entsprechend ihrem Reifegrad werden die Blätter einzeln von unten nach oben an der Pflanze gepflückt. Dies hat den Vorteil, dass man die Blätter genau zählen kann und weiß, wie viele Blätter eine Ernte einbringt.

In anderen Ländern, wie in Nicaragua beispielsweise, wird auch die Methode Priming angewandt. Dies bedeutet das gleichzeitige Pflücken von drei bis vier Blättern einer Etage. In der Mata Fina in Brasilien werden die ganzen Pflanzen mit dem Stengel angeschnitten und getrocknet. Dies garantiert eine Nachversorgung mit Nährstoffen. In den USA hat sich bei entsprechend großen Flächen auch die maschinelle Ernte durchgesetzt.

Verarbeitung des Tabaks

Nach der Ernte werden die Blätter langsam und sorgfältig an der Luft getrocknet. Die Blätter sind komplett den lokalen Verhältnissen ausgesetzt. Die geernteten Blätter liegen in Tabakhäusern und durch das Öffnen und Schließen der Türen an beiden Enden werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit reguliert, um Schwankungen auszugleichen. Dieser Vorgang dauert 25 Tage.

Danach werden die Blätter zum ersten Mal fermentiert. Diese Fermentierung bewirkt, dass die Fremdstoffe wie Säure, Teer und Nikotin reduziert und dabei eine Fülle von Aromen freigesetzt werden. Dieser Vorgang nimmt ungefähr 45 bis 60 Tage in Anspruch. Nach der ersten Fermentation wird eine Auslese und Sortierung vorgenommen. Die Kriterien für die Auslese sind Größe, Farbe und Textur des Blattes.

Danach kommen die Blätter zu den Despolilladores. Das sind die Frauen, die das Entrippen der Blätter vornehmen, nochmals sortieren und damit endgültig bestimmen, welche Blätter für die weitere Verarbeitung verwendet werden sollen.

Diese zweite Fermentation dauert je nach Blattart ganze 45 bis 60 Tage. Ligero 60 Tage, Seco und Volado 45 Tage und Deckblätter 35 – 40 Tage. Die Blätter werden mit Wasser befeuchtet und mit Sackbezug bedeckt. Abschließend werden die Blätter zu rechteckigen Ballen mit Palmenrinde oder Jute umwickelt und in die Fabrik oder den Lagerhäusern verschickt, wo sie noch mehrere Jahre lagern und reifen können.


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