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So funktioniert das Trocknen von Tabak

So funktioniert das Trocknen von Tabak - Von der Ernte zur Trocknung! Was man beachten muss und warum Tabak langsam getrocknet werden muss.

Nach der Ernte zur Trocknung

Tabakblätter trocknenNach dem Ernten der Tabakblätter werden die grünen Blätter vom Feld in sogenannte Trockenhäuser oder auch Trockenschuppen genannt, gebracht. Dazu werden die Blätter in Körben oder in Schubkarren transportiert um Schäden an den Blättern zu verhindern.

Direkt nach der Ente und dem Transport in die Trockenscheunen werden die Blätter entweder paarweise oder in etwas größeren Mengen an Schnüren aufgefädelt und an Stangen aufgehängt.

Hierfür wird ein sogenannter Tabakgarn verwendet. Dies ist ein relativ starkes dreidrahtiges Flachsgarn. Die meisten anderen Zellwollschnüre sind eher nicht dafür geeignet. Durch die Feuchtigkeit, die über einen längeren Zeitraum an der Fädelstelle entsteht, werden diese Schnüren faulen und dann schlussendlich brechen. Auch Kunststoffschnüre sind nicht zu empfehlen, da sie sich mit der Zeit in die Blattrippe einschneiden.

Die Blätter werden pro Schnur in der Zahl zwischen 30 und 50 Blättern aufgehängt. Zwischen den Blättern muss ein gewisser Abstand sein, der es ermöglicht das die Luft zwischen den Blättern zirkulieren kann. Ansonsten könnte an den Blattberührungsstellen Schimmel entstehen.
Je nach Verwendungsart der Blätter, Deck- oder Umblatt, werden sie großzügiger in der Anzahl aufgehängt. Teilweise bei guten Blättern sogar einzeln aufgehängt.

Curado – Der Trocknungsprozess

Das Trocknen der Blätter wird im spanischen auch curado genannt. Wörtlich übersetzt bedeutet dieses Wort im deutschen unter anderem reif, gereift oder auch besoffen. Mitnichten trifft letzteres Wort aber auf die Tabakblätter in dieser Phase zu – ganz im Gegenteil.

Der Trocknungsprozess (curado) ist ein Prozess der Dehydrierung – also der Austrocknung der Blätter in Zusammenhang mit chemischen Prozessen in den Blättern.

Warum sollte der Tabak langsam trocknen?

Diese chemischen Vorgänge innerhalb der Blätter sind weit intensiver als in der späteren Fermentation.

Das Zellleben in den Blättern muss nach der Ernte für eine gewisse Zeit aufrechterhalten werden, damit die restliche Zellatmung vorteilhafte chemische und biologische Transformationsprozesse verursacht.

Die meisten Umwandlungsprozesse geschehen während der Abwelkphase in der ersten Woche nach dem Aufhängen. Pflanzeneigene Wirkstoffe beginnen in dieser Phase mit dem Abbau der gespeicherten Reservestoffe wie Eiweiß, Zucker und Stärke sowie von Blattfarbstoffen. In dieser Zeit muss der Tabak langsam trocknen, damit die Abbauprozesse in den lebendigen Blättern stattfinden können.

Wird jedoch das Zellleben in den Blättern zu lange nach der Ernte aufrechterhalten, würden die vorhandenen Reservestoffe zu schnell abgebaut werden und zu exzessiven chemischen Transformationsprozessen führen. Dies hätte unter anderem zur Folge, das die Blätter an Substanz verlieren und die Qualität an Aromen deutlich verringert wird.

Deswegen ist der Trocknungsprozess nicht innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen möglich, sondern braucht seine Zeit von bis zu sechs Wochen. In dieser Zeit muss die Temperatur und Luftfeuchtigkeit strikt kontrolliert werden.

Die frisch geernteten Tabakblätter bestehen zu 80 bis 90 Prozent aus Wasser. Der Rest sind die eigentlichen Feststoffe der Blätter. Nach einer Woche haben die Blätter ungefähr die Hälfte an Gewicht durch die Wasserverdunstung verloren. Am Ende des Trocknungsprozesses haben die Blätter das genau umgekehrte Verhältnis von Wasser und Feststoffen. Nämlich 15 bis 25 Prozent Wasser und 75 bis 85 Prozent an Feststoffen.

Trocknungsmethoden

Hier unterscheidet man zwischen natürlichen und künstlichen Trocknungsmethoden. Zu den natürlichen Methoden zählen die Lufttrocknung (air-cured) und die Sonnentrocknung (sun-cured). Zu den künstlichen Methoden zählen die Röhrentrocknung (flue-cured) und die Feuertrocknung (fire-cured).

Eine Besonderheit ist die Methode namens Kalfrisa. Diese Trocknungsmethode wurde auf Kuba alternativ zur Lufttrocknung entwickelt.

Im Gegensatz zur klassischen Lufttrocknung werden die Trockenschuppen luftdicht abgedeckt. Im Inneren bestimmen speziell gefertigte Klima-Kanäle die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur. Durch die hermetische Abriegelung der Schuppen kann im Inneren eine höhere Temperatur von bis zu 34 Grad erzeugt werden. Der Vorteil dieser Methode ist die Verkürzung der Trocknungszeit auf 25 Tage anstatt der normalen Dauer von 45 bis 60 Tagen.

Traditionalisten unter den Tabakpflanzern sehen diese Methode aber eher skeptisch. Sie sind der Ansicht, das guter Tabak Zeit braucht.

Tabaktrockenschuppen oder Trockenscheune

Trockenscheune für TabakIn solch einem Gebäude wird mittels Lufttrocknungsverfahren der Tabak getrocknet. Diese Gebäude haben Fenster oder andere Belüftungsmöglichkeiten, damit trockene Luft reguliert in den Schuppen hineingelassen werden kann. Diese Lüftungsöffnungen ermöglichen auch den Einfall von Sonnenlicht, der dazu beiträgt, das sich die Blätter braun verfärben.

Auch in Deutschland gibt es solche Gebäude noch. Zum Beispiel in der Speicherstadt in Hamburg und vor allem in der Südpfalz. Sie werden zwar nicht mehr für ihre eigentliche Nutzung benutzt, stehen aber teilweise unter Denkmalschutz und werden heute anderweitig für die Gemeinden genutzt. Diese Tabakschuppen zeichnen sich durch schnörkellose Funktionalität und einer ungewöhnlichen Innraumstruktur aus.


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