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Der Zigarrenkopf - der Anfang jeden Genusses


Wollte man kalauern, könnte man behaupten, dass Aficionados beim Rauchen einer guten Zigarre den Kopf in den Mund und den Fuß in die Hand nehmen. Das mag für Nichtraucher oder dem Tabakgenuss Fernstehende völlig unverständlich erscheinen. Tatsächlich aber handelt es sich einfach nur um die gebräuchlichen Bezeichnungen des Kopf- und des Fußendes einer Zigarre. Der Sinn solcher Bezeichnungen liegt zum einen natürlich darin, der jahrhundertealten Tradition des Zigarrerauchens einen Anstrich von wissenschaftlicher Ordnung zu geben, die alle Gegenstände beschreiben, benennen und vermessen muss. Aber auch nicht zuletzt helfen solche Definitionen den gänzlich unerfahrenen Grünschnäbeln unter allen Zigarren-Anfängern, in dem sie ihnen klarmachen: Da, wo die Glut ist, wird nicht gezogen!

Von Kappen und Köpfen

Aus dem Spanischen, verständlicherweise die Sprache aus den Anbaugebieten des Tabaks, wo die Ursprünge der jahrhundertealten Tradition der Zigarrenmanufaktur liegen, sind uns Begriffe überliefert, mit denen die Einheimischen den Aufbau einer Zigarre und deren einzelne Bestandteile benennen. Unverständlich wurde das Ganze leider erst an dem Punkt, als man die spanischen Bezeichnungen verdeutschte. La capa ist nicht die Kappe, das heißt das kleine Stück am Mundende, das mit einem Schneidewerkzeug entfernt wird, um die Zigarre überhaupt erst rauchbar zu machen, sondern ist der Fachbegriff für das Deckblatt einer Zigarre, das Umblatt und Einlage schützt. Der Zigarrenkopf, auch "Mundende" genannt, heißt la perilla – was so viel (oder so wenig) bedeutet wie "Spitzbart". Das Zigarrenende oder der Fuß jedoch, also da, wo sich die Glut befindet, wird im Fachspanischen la boquilla genannt – was vollkommen verwirrenderweise auf Deutsch "Mundstück" heißt. Alles klar?!

Die verschiedenen Methoden der Herstellung des Kopfes

Eine Zigarre besteht aus drei Komponenten: der Einlage (tripa), dem Umblatt (capote) und dem Deckblatt (capo). Details zu Aufbau und Herstellung einer Zigarre lesen Sie in unserem Beitrag: Hecho a mano - nur zum Teil handgemachte Zigarren.

Die Puppe, auch Wickel genannt, besteht aus der Einlage umwickelt vom Umblatt. Der Kopf wird immer mit Teilen aus dem Deckblatt hergestellt. Der Vorgang beginnt mit dem Einwickeln der Puppe in das Deckblatt. Dabei kommt die Spitze des Deckblattes an den Fuß der Zigarre und man rollt den Wickel (Puppe) spiralförmig in das Deckblatt ein. Die geläufigste Methode ist wohl der angesetzte Kopf, im Spanischen Perilla montada genannt. Zur Verstärkung des Deckblattes wird aus dem übrigen Deckblatt ein eiförmiges Teil herausgeschnitten. Man nennt diesen Teil auch Fahne. Die Fahne wird dann um den noch offenen Teil des Kopfes gewickelt, um diesen zu schließen. Dies bewirkt einen festen Sitz des Deckblattes und sorgt so für eine schöne Rundung. Das Ende wird gezwirbelt und abgeschnitten. Um den Zigarrenkopf zur Vollendung abzuschließen, wird mit einer Hülse (casquillo) ein kleines rundes Stück aus dem Deckblatt geschnitten. Dieses Deckblatt-Stück wird mit einem farb- und geruchlosen Kleber über die Fahne geklebt.

Eine zweite Möglichkeit ist es, den Zigarrenkopf aus dem überstehenden Deckblatt zu formen. Dazu wird diese überstehende Fahne zu einem ohrförmigen Teil zugeschnitten und mit Kleber bestrichen. Dann wird der Kopf mit der Fahne eingerollt. Die Kante der Fahne liegt im rechten Winkel zur Puppe, um einen gut ausgeformten Kopf zu erhalten. Das Ende wird gedreht und abgeschnitten und wiederum wird der Kopf mit einem runden Stück aus dem Deckblatt geschlossen.

Die dritte Möglichkeit ist es, den Kopf komplett aus der Fahne zu formen. Diese Methode ist in weiten Teilen der vorangegangenen Methode ähnlich. Die Fahne wird gezwirbelt, allerdings wird hier vor dem endgültigen Zwirbeln ein Einschneiden vorgenommen. Dann wird die Fahne wieder ausgebreitet und der Kopf nach und nach in die Fahne eingerollt. Bei diesem Vorgang muss die Fahne immer wieder ein wenig zugeschnitten werden, um den Kopf sauber verschließen zu können.

Kopfformen - nicht immer eine runde Sache

Klassisch, da optisch wenig gewöhnungsbedürftig, sind der sogenannte "ganze Kugelkopf", der "halbe Kugelkopf" oder auch der "normale Kopf". Von diesen runden Formen abweichende Formate werden Figurados genannt. Dahinter stecken Zigarrenköpfe wie Torpedo, Pyramide oder Belicoso mit ihren nichtzylindrischen Formen. Manche Formate weisen am Kopfende auch ein sogenanntes Fähnchen auf – bei einer Lancero-Zigarre beispielsweise ist das Kopfstück verdreht, so dass das überstehende Deckblatt den Spitznamen pigtail oder curly head erhielt.

Vom Kappen der Kappen

Einige Zigarrenkenner behaupten, man könne anhand einer Kappe feststellen, ob diese totalmente a mano – das heißt in mühsamer Handarbeit – hergestellt oder doch eher hecho a mano mit Unterstützung einer Maschine fabriziert wurde. Angeblich laufen die Kappen hochwertiger maschinell gefertigter Zigarren meist spitz zu und weisen keine glatte Rundung auf, während die billigen Maschinenzigarren oftmals erst gar keine Kappe haben. Zweifellos totalmente a mano sind Zigarren mit einer runden Kappe, da dieser Abschluss ein hohes Maß an Fingerfertigkeit des torcedor, des Zigarrenrollers, verlangt.

Um eine Zigarre schließlich rauchen zu können, muss die Kappe – sprich ein kleines Stück am Kopfende – entfernt werden. In der Regel benutzt man dafür einen Zigarrenschneider. Manche Zeitgenossen glauben aber, man könne den Kopf auch mit den scharfen Nägeln von Zeigefinger und Daumen abknipsen oder gar beherzt mit den Zähnen abbeißen. Lassen Sie es bitte bleiben! Für ein paar Euro Fuffzig gibt es bereits ausgesprochen funktionable Zigarrenschneider, die mit der nötigen Schärfe die Kappe gekonnt kappen und das Deckblatt der Zigarre unbeschädigt lassen.

Denn wer beim Anschneiden der Zigarre einen Fehler begeht, muss mit Einschränkungen beim Geschmack rechnen. Ist der Schnitt nicht scharf und gerade, sondern die Spitze zusammengedrückt, entfaltet sich das Aroma nicht. Allgemein gilt, dass der Schnitt genau auf der Linie erfolgen soll, an dem das Käppchen an das Deckblatt anschließt. Es soll eine Öffnung entstehen, die groß genug ist, um genügend Zugkraft zu gewährleisten. Weiterhin soll ein Teil des Zigarrenkopfes erhalten bleiben, um zu verhindern dass sich das Deckblatt löst. Damit steht einem ungetrübten Smoke nichts mehr im Wege.

Welche Technik des Abschneidens man letztlich anwendet, bleibt jedem Aficionado selbst überlassen, denn auch hier stehen mehrere Optionen zur Auswahl. Auf Kuba nennt man diese Werkzeuge übrigens cortaperillas (Abschneider für das Kopf- oder auch Mundstück).

Zigarrenmesser

Das einfachste, aber sicherlich nicht zu empfehlende Werkzeug ist das Messer. Das Messer muss einerseits sehr scharf sein um einen klaren Schnitt hervorzubringen und ist sicherlich nicht immer leicht zu transportieren.

Guillotinen-Cutter

Die Guillotine, die in der Regel eine Klinge hat, die auf eine feste Gegenseite trifft.

V-Cutter oder Kerbschneider

Den V-Cutter, ein traditionelles Werkzeug, um Zigarren anzuschneiden, der die Zigarre mit dem klassischen Kerbschnitt öffnet. Diese Werkzeuge werden nicht empfohlen, da sie dazu neigen, das Käppchen am Zigarrenkopf zu zerreißen.

Doppelklingencutter

Der Doppelklingen-Cutter, das wohl beliebteste Instrument unter den Zigarrenabschneidern. Leider sind in der heutigen Zeit von immer dicker werdenden Zigarren die Guillotine und der Doppelklingen-Cutter nicht immer verwendbar.

Zigarrenschere

Die Zigarrenschere, die es auch in unterschiedlichen Größen zu erwerben gibt. Wenn der Aficionado immer nur ein kleines Format raucht, reicht sicherlich die Anschaffung einer kleineren Schere. Bei dem Genuss von unterschiedlichen Zigarrenformaten empfiehlt sich hier sicherlich direkt die große Variante. Voraussetzung ist natürlich die hochwertige Verarbeitung einer Schere, die auch speziell für den Zigarrenanschnitt konzipiert wurde.

Zigarrenbohrer oder Punch

Und zu guter Letzt noch der Puncher, auch Bohrer oder Rundabschneider genannt. Dieser schneidet einen Teil des Käppchens aus und belässt die übrige Form des Zigarrenkopfes unversehrt. Der Vorteil dieses Werkzeuges ist sicherlich die Schonung des Deckblattes, da es in keiner Form berührt wird.

Der Nachteil von Zigarrenbohrern ist, dass Zigarrenformate, wie die Piramide, Figurado damit nicht "geöffnet" werden können. Bei diesen Formaten wird übrigens empfohlen, dass man den ersten Schnitt circa 3 mm vom Zigarrenende vornimmt. Wenn die Zigarre sich im zweiten Drittel befindet, ist es dem Aficionado vorbehalten, nochmals nachzuschneiden.

Für mehr Informationen lesen Sie den Artikel: Zigarre anschneiden - die besten Tipps.


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