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Humidor Boni's Bücherbox
3 Einträge
Das Buch der französischen Autoren Bernard Le Roy und Maurice Szafran ist als klassischer Bildband im Großformat aufgemacht und behandelt auf über 200 Seiten in 13 Kapiteln viele technische, philosophische und praktische Aspekte rund um die Zigarre. Bei dem mir vorliegenden Exemplar handelt es sich um die 2005 erschienene deutsche Übersetzung der erweiterten Originalausgabe von 1998, die Erstauflage stammt aus dem Jahr 1989 und wurde seinerzeit bei Flammarion, Paris, verlegt. Zu Beginn sticht dem Leser die üppige Bebilderung ins Auge, das Bildmaterial ist vielfältig, gelungen ausgewählt und bietet wirklich schöne Ein- und Aussichten in das Themengebiet, besonders in Bezug auf Abbildungen alter Zigarren, die schon lange nicht mehr erhältlich sind. Mit den größten Umfang nehmen mehrere Kapitel über berühmte Persönlichkeiten ein, die der Zigarrenleidenschaft verfallen sind, als da wären der unvermeidliche Sir Winston Churchill, verschiedene (französische...) Schauspieler und natürlich Zino Davidoff. Nach längerer Lektüre weicht die anfängliche Begeisterung über die hochwertige Aufmachung jedoch einem leichten Kopfschütteln ob der "kubanozentrischen" Ausrichtung des Buches - Zitat aus der Einleitung des Kapitels "Die Zigarren anderer Länder": "Und wie sieht es mit den anderen nichtkubanischen Zigarren aus? Ehrlich gesagt - man kann sie vergessen.". Solche und ähnliche Kommentare ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch, man fühlt sich unbewußt an Anwer Batis bekanntes (und m. E. überbewertetes) Kuba-Fanzine erinnert. An anderer Stelle wiederum werden die Dominikanerinnen (natürlich nur von Davidoff) in den Himmel gelobt - keine Ahnung, wie sich das zusammenreimt. Allerdings stammt die Urversion des Buches aus dem Jahr 1989, in dieser Zeit war es in der Tat mit der Qualität vieler Zigarren aus der Dominikanischen Republik, Honduras oder Nicaragua noch nicht so weit her. Hier befinden wir uns nunmehr beim Kernproblem des Werkes, es ist in vielen Teilen leider keineswegs mehr aktuell. Zigarren-Einsteiger würden die Kapitel über Kuba und deren schmackhafte Rauchwaren wohl sehr verwirren, verweisen die Autoren doch tatsächlich noch auf untergegangene Legenden wie die Dunhill- oder Davidoff-Havannas, denen im Buch heftig nachgetrauert wird. Dem "kleinen Russen" Davidoff ist demnach auch neben Dunhill und Gerard ein eigenes Kapitel gewidmet, überhaupt ist der Personen-Teil des Buches das eigentliche Highlight, hier werden einige interessante und gut zu lesende Anekdoten aus dem Leben einiger Berühmtheiten präsentiert, inklusive teils ganzseitiger Fotos, Gemälde oder Stiche. Die Kuba-Liebe der Autoren ist jedoch so umfassend, daß sie erst im letzten Drittel des Buches geneigt sind, Zigarren anderer Länder ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Hier wiederum nehmen die Tabakprodukte der Dominikanischen Republik den größten Raum ein, es wird überdies viel Aufhebens um den Bruch Davidoffs mit den Kubanern und seinen Einzug in die Dom.Rep. gemacht, was wiederum mit der allgemeinen Stimmung der Zeit zu begründen ist, in der das Buch geschrieben wurde. Bei den Kommentaren über den Rest der Zigarrenländer merkt man, daß sich Le Roy und Szafran nicht wirklich intensiv mit ihnen auseinander gesetzt haben; bei vielen Ländern mit durchaus achtbarer Zigarrentradition wie Holland, Deutschland oder Brasilien finden sich nur ein paar unverbindliche Kommentare, die zumeist etwas ungenau bzw. eklatant falsch sind, obwohl ich die Ansicht der Autoren, Frankreich sei das Land mit der zweitstärksten Tabakindustrie weltweit, eher in den Bereich des frankophilen Chauvinismus stecken würde... Wo wir gerade beim Thema "Fehler" sind - abgesehen von einigen teils erheiternden Druckfehlern ("Zina" Davidoff - hatte der gute Zino etwa eine Schwester?) ist die Übersetzung aus dem Französischen nicht sehr gelungen, einige Passagen lesen sich recht holprig und wirken ungelenk, was so gar nicht zum edlen Ton paßt. Was bleibt, ist ein hübsch aufgemachter und zum Schmökern bei Zigarre und Cognac einladender Bildband, dessen Informationsgehalt zu Persönlichkeiten und allgemeinen Zigarrenthemen in Ordnung geht, in den Bereichen praktische Tips, Markenkunde und Objektivität allerdings stark abfällt bzw. unbrauchbar ist, hierzu bedürfte es einer wirklich umfassenden Überarbeitung und Bereinigung.
Dieses prallgefüllte, handliche Zigarrenbrevier des Südafrikaners Theo Rudman ist für mich seit seinem Erscheinen im Jahr 1995 ein unverzichtbares Nachschlagewerk für alle Fragen bezüglich Marken, Formaten und Herstellern geworden. Auf knapp 370 Seiten werden kurze, sachliche und äußerst hilfreiche Informationen zu über 4000 (!) Zigarren vermittelt, darunter befinden sich mehr als 900 Tastings des Autors, die er mit hoher Objektivität, aber auch erfrischender Individualität und Geschmacksicherheit präsentiert. Weiterhin bietet das Werk umfangreiche Infos zu den Themen Tabakanbau, Zigarrenherstellung, Lagerung, Rauchen, Anschneiden, Kauftips und vieles mehr. Glanzstücke des Buches sind der gut recherchierte Sachteil über einige große Tabakgesellschaften sowie deren Firmenstrukturen und wichtigste Marken, ein Länder A-Z und unzählige durchdachte Charts, Auflistungen der Zigarren nach Größen, eine nahezu komplette Liste nebst genauen Formatinfos aller kubanischer Zigarren und deren Hersteller, viele Listungen guter Zigarrenshops aller Kontinente und Vorstellung berühmter Zigarren-Persönlichkeiten in Wort und Bild. Besonders die bei fast allen Marken abgedruckten Infos zu den Herstellern sowie deren Verbindung zu großen Tabakunternehmen ist für den Zigarrenkauf eine unschätzbare Hilfe. Das Buch ist in englischer Sprache verfaßt, dies sollte Interessierte aber nicht abschrecken, denn die Länge der meisten Textpassagen hält sich in Grenzen, zudem kommt Rudmans Englisch ohne viel Fachwörter aus, was einem hiesigen Leser mit eher geringem Englischem Wortschatz zuträglich ist. Einzig das Lektorat des Buches könnte genauer sein, die Anzahl der Druck- bzw. Tippfehler ist relativ hoch, was manchmal etwas störend bzw. unfreiwillig erheiternd wirkt. Fazit: Dieser unerschöpfliche Fundus an Zigarrenwissen mit viel Praxisbezug und sinnigem Aufbau sollte als Standardwerk in keiner Bibliothek eines Zigarrenfreundes fehlen.
Anwer Batis Buch avancierte zum Standardwerk - zu Unrecht, wie ich finde. Aufmachung des Werks ist sehr gut, Hochglanzeinband, Hardcover, nettes Format, viele farbige Abbildungen diverser Zigarren in Originalgrösse, kurze Abrisse über die Geschichte des Tabaks und der Zigarre, bebilderte Einführung in die Zigarrenherstellung, sattsam bekannte Kauf- und Aufbewahrungstips, und natürlich eine Übersicht über ausgewählte Marken nebst ihren Merkmalen. Zwei Dinge springen dem Leser ins Auge - zum einen hat Bati, wie viele selbsternannte Aficionados, den Drang, besonders die kubanischen Zigarren in den Himmel zu loben, zum anderen werden viele Marken vorgestellt, die in Europa nur schlecht oder nicht erhältlich sind. Besonders Letzteres schränkt den Nutzen des Buches für hiesige Geniesser stark ein. Einige der Marken-Kurzbeschreibungen sind darüber hinaus fehlerhaft bzw. recht ungenau. Bestimmte Passagen scheinen 1:1 aus dem wirklichen, dem echten Standardwerk des Zigarrenliebhabers abgeschrieben worden zu sein: Theo Rudman's Complete Guide to Cigars (ISBN 1-57243-245-4, vergl. z. B. die Einträge zu Por Larranaga und Cohiba). Die Auswahl an Marken scheint ausserdem etwas unmotiviert, macht aber Sinn, sobald man sich die Dankesliste auf den ersten Seiten des Buches durchliest, in der viele namhafte Hersteller und Distributoren zu finden sind... Fazit: Als "Bilderbuch" für das gelegentliche Schmökern bei einer guten Zigarre ist Anwer Batis Buch brauchbar, als praktischen Ratgeber für den Einsteiger jedoch würde ich dieses Werk nur bedingt empfehlen wollen. Der Sachteil mit Informationen über Geschichte und Herstellung der Zigarre ist interessant und gut zu lesen, der Marken-Teil fällt informativ gesehen stark ab - für den einen ist es ein Buch über Zigarren, für den anderen die aufwendigste Werbebroschüre der Welt. Neulingen, aber auch versierten Rauchern sei deshalb nochmals Theo Rudmans grossartiges Buch wärmstens empfohlen, das zwar von der Aufmachung her weniger pompös daherkommt, dafür aber inhaltlich sehr präzise ist, von viel Fachwissen und Erfahrung zeugt und vor allem versucht, objektiv zu sein, was Anwer Bati offenbar nicht vermag.