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1. Einleitung: Robert McConnell’s Red Virginia ist – trotz seines Namens – kein strikt sortenreiner Monoblend, sondern eine laut Herstellerangaben auf einem Rezeot von 1848 beruhende, klassisch englische Virginia-Komposition, bestehend aus reifem Red Virginia und hellerem Bright Virginia, dezent unterstützt durch einen zurückhaltenden etwas Périque und eine zurückhaltende Saucierung mit Schokolade. Diese Komposition ist keineswegs als moderne Aromatisierung zu verstehen, sondern folgt einer älteren englischen Praxis, bei der milde Kakaonoten weniger der Geschmackslenkung als der Abrundung dienten. 2. Optik & Schnitt: Der Tabak erscheint in einem gleichmäßigen Ribbon Cut, sauber verarbeitet und frei von Bruch oder Staub. Farblich zeigt sich ein harmonisches Spiel aus helleren goldenen Bändern des Bright Virginia und dunkleren, rötlich-braunen Anteilen des Red Virginia. Sehr spärliche, dunkel- bis schwarzbraune Fasern verweisen auf den Périque. Die Feuchtigkeit ist praxisgerecht gewählt. Der Tabak läßt sich direkt aus der Dose verarbeiten und zeigt bereits beim Stopfen eine angenehme Elastizität. 3. Kaltaroma: Im Kaltaroma dominiert zunächst der Virginia-Charakter: Brotige, leicht säuerliche Noten, begleitet von einer helleren, heuartigen Süße. Im Hintergrund meldet sich die Saucierung – sehr trocken, eher an holländischen Kakao denn an Schokolade erinnernd. Sie wirkt verbindend, nicht führend, und läßt den Tabak insgesamt runder erscheinen, ohne ihn zu verfremden. Der Périque entzieht sich hier der Wahrnehmung. 4. Rauchverlauf: Anfang: Zu Beginn zeigt sich der Bright Virginia deutlicher: Eine grasige, helle Süße, begleitet von frischen, leicht zitrischen Akzenten. Der Red Virginia liefert begleitende Noten von süßem Gebäck und Trockenfrüchten. Die Saucierung ist ist wahrnehmbar, aber eher als weicher Unterton vorhanden. Périque nehme ich hier nicht war. Mitte: Im weiteren Rauchverlauf tritt der Red Virginia stärker hervor. Die Süße wird dunkler, würziger, karamellisierter, während sich Nuancen von Früchtebrot, gerösteten Haselnüssen und Kakao voll entfalten. Hier wirkt die Saucierung am deutlichsten – nicht aufdringlich, sondern als aromatische Abrundung, die dem Rauch mehr Körper und Samtigkeit verleiht. Die Balance zwischen heller und dunkler Virginia-Komponente ist in dieser Phase besonders gelungen und wird durch eine ganz geringe, ganz leicht auf der Zunge bitzelnde, pfeffrige Périquewürze abgerundet. Ende: Im letzten Drittel ziehen sich die hellen Töne des Bright Virginias zurück. Erdig-würzige, leicht trockene Noten treten zunehmend hervor, ohne jedoch bitter zu werden. Die eher trocken-herbe Kakaonote ist bis zum Schluß präsent. 5. Abbrand & Technik: Der Abbrand ist sehr gleichmäßig. Der Tabak verlangt keine besondere Aufmerksamkeit und verzeiht kleinere Ungenauigkeiten beim Zugverhalten. Die Asche ist fein und hellgrau, das Kondensat minimal. Besonders positiv fällt auf, daß der leichte Aromazusatz weder Klebrigkeit noch Überhitzung begünstigt. 6. Raumnote: Die Raumnote ist angenehm klassisch: Leicht süßlich, tabakecht, mit einem dezenten, kakaoartigen Unterton. Sie wirkt kultiviert und unaufdringlich, ohne parfümiert zu erscheinen. Für aufgeschlossene Nichtraucher durchaus gut erträglich. 7. Vergleich & Einordnung: Im Vergleich zu anderen Virginia-Mischungen ähnlicher Machart – etwa aromatisierten Klassikern britischer Provenienz – positioniert sich McConnell’s Red Virginia klar auf der konservativen Seite. Er ist weniger ausgeprägt aromatisiert als viele kontinentale Virginias und deutlich zurückhaltender als Lakeland-Mischungen. Gegenüber rein naturbelassenen Red-Virginia-Blends wirkt er runder und aromatisch vielfältiger, ohne deshalb an Authentizität zu verlieren. 8. Eignung & Empfehlung: Dieser Tabak eignet sich besonders für Raucher, die Virginia-Charakter schätzen, aber eine gewisse Milde und aromatische Abrundung bevorzugen. Er ist ein guter Begleiter für den ruhigen Nachmittag oder den frühen Abend und eignet sich auch für längere Rauchzeiten. Für Einsteiger in die Virginia-Welt ebenso geeignet wie für erfahrene Raucher, die einen kultivierten, unkomplizierten Blend suchen. Besonders eignet er sich als Mischtabak für eigene Experimente. 9. Fazit: Robert McConnell’s Red Virginia ist ein klassisch komponierter Virginia-Blend, der Red und Bright Virginia in ausgewogener Weise vereint und durch eine zurückhaltende Saucierung mit Schokoladenzusatz abrundet. Er ist kein Tabak der großen, parfümierten Gesten, sondern einer des leisen Understatements.
1. Einleitung: Der Izmir Oriental Cake aus dem Hause HU Tobacco reiht sich ein in das derzeitige Revival der orientbetonten Tabakkompositionen jenseits der klassischen englischen Schule. Der Verweis auf Izmir – das einstige Smyrna – ist dabei Programm. Seit dem 17. Jahrhundert galt die Ägäisregion als eine der feinsten Herkunftslandschaften für kleinblättrige Orienttabake, deren luftige Struktur, ätherische Würze und trockene Noblesse sie zu einem Grundpfeiler klassischer englischer und kontinentaler Mischungen machten. Während viele Kompositionen den Orient lediglich als Nebenstimme einsetzen, rückt Hans Wiedemann ihn hier bewußt ins Zentrum. Die Wahl der Cake-Pressung knüpft an traditionelle Verfahren an, wie sie vor allem im anglo-amerikanischen Raum zur Harmonisierung und Reifung komplexer Mischungen eingesetzt wurden. Gefertigt wird der Tabak bei Kopp, Rellingen auf deren von Planta erworbenen historischen britischen Pressen. 2. Optik & Schnitt: Der Tabak erscheint als kompakter, sauber gepreßter, recht fester Cake mit einer vielschichtigen Farbpalette von gelb- über olivbraun und rötlich bis zu dunkleren, beinahe schokoladigen Partien. 3. Kaltaroma: Im Kaltgeruch dominieren trockene, kräuterig-würzige und blumige Noten, begleitet von einer leichten Säure und einer mineralischen Note. Assoziationen von sonnengewärmtem Heu, getrockneten Wildkräutern und Feuerstein drängen sich auf. Die Virginias liefern eine sanfte, natürliche Süße, eher erinnernd an getrocknete Früchte als an Honig. Der Kentucky bringt eine dunkle, erdige Tiefe ein, während der Périque lediglich als feine, pfeffrige Spannung im Hintergrund spürbar ist. 4. Rauchverlauf: Anfang: Nach dem Anzünden steht der Orient klar im Vordergrund: Trocken aber durchaus floral, kräuter-würzig, mit leicht herber, ätherischer Note und an Feuerstein erinnernde Mineralik. Die Virginias bilden zunächst ein süßlich-fruchtiges Fundament, geben dem Orient Halt und verhindern jede Schärfe. Die rauchig-erdige Facette des Kentucky und die pfeffrig-fruchtige Spritzigkeit des Périque halten sich noch zurück. Mitte: Im weiteren Verlauf öffnet sich die Mischung zunehmend wie eine Blüte: Der Kentucky tritt nun etwas deutlicher hervor und verleiht dem Rauch etwas größeres Volumen sowie eine leicht holzige Erdigkeit. Gleichzeitig setzt der Périque punktuelle Akzente, die sich gelegentlich als feines pfeffriges Kribbeln auf der Zunge bemerkbar machen. Die Aromatik wirkt nun etwas dunkler und vielschichtiger, aber immer noch eher leicht und beschwingt. Ende: Im letzten Drittel verdichtet sich der Charakter. Der Rauch wird nun deutlich dunkler. Der Orient zieht sich zunehmend zurück, während der ledrig-rauchige Kentucky und der pfeffrige Périque den Ausklang bestimmen. Bei ruhigem Zugverhalten bleibt der Abgang trocken und sauber, ohne Bitterkeit. 5. Abbrand & Technik: Technisch präsentiert sich der Izmir Oriental Cake tadellos: Die Verarbeitung erlaubt sowohl grobes Zupfen als auch vollständiges Aufreiben, wobei ersteres m. E. der komplexen Aromaentfaltung stärker zuträglich ist. Der Feuchtigkeitsgrad ist vorbildlich eingestellt. Der Abbrand ist gleichmäßig, die Asche fein und hellgrau. Besonders Pfeifen mit mittlerer bis größerer Brennkammer erlauben eine optimale Aromaentfaltung (Dunhill 4-5). 6. Raumnote: Die Raumnote ist unaufdringlich, würzig und eindeutig tabakecht. Kräuterige Orientnoten, trockene Erdigkeit und ein Hauch dunkler Würze prägen den Eindruck. Sie wirkt kultiviert - jedoch eher für den gewiegten Pfeifenfreund als für unbeteiligte Umstehende. 7. Vergleich & Einordnung: Im Vergleich zu traditionellen orientbetonten Mischungen – etwa klassischen Balkan-Kompositionen (wie Dunhill‘s Durbar) oder puristischeren Orient-Virginia-Blends der deutschen Schule (wie Tabac Benden‘s Shamkat) – zeigt sich der Izmir Oriental Cake aromatisch vielschichtiger. Der Kentucky ersetzt hier gewissermaßen die Rolle, die in englischen Mischungen häufig Latakia übernimmt, allerdings ohne dessen harzig-balsamische Rauchdominanz. Der Périque fungiert hier nicht als Solist, sondern als architektonisches Element, das Spannung und Tiefe erzeugt. 8. Eignung & Empfehlung: Der HU Izmir Oriental Cake richtet sich eindeutig an erfahrene und innovationsoffene Pfeifenraucher, die den Orient nicht als exotische Randnotiz oder Kondiment, sondern als zentrales Leitmotiv schätzen. Er eignet sich besonders für ruhige Stunden, konzentrierte Lektüre oder kontemplative Momente. Als All-Day-Smoke ist er nur bedingt gedacht; vielmehr fordert er Aufmerksamkeit und Ruhe. 9. Fazit: Der HU Izmir Oriental Cake ist eine gelungene, traditionsbewußte und doch innovative Komposition von bemerkenswerter Ausgewogenheit und blumiger Leichtigkeit. Bei Kopp, Rellingen auf historischen Pressen sorgfältig gefertigt, verbindet er historische Manufakturtechniken mit modernen Kompositionsideen und verzichtet bewußt auf synthetische Aromatisierung. Wer eine eher leichtfüßige, orientbetonte Mischung mit deutlich floraler Note, spannender Komplexität und historisch-kultureller Verankerung sucht, findet hier einen Tabak von höchster Qualität.

1. Einleitung: Der Name Silk Road evoziert die alte Seidenstraße – jenen Korridor zwischen Europa und Asien, durch den seit dem 1. Jahrtausend n. Chr. Waren, Gewürze und kulturelle Einflüsse strömten. Tabac Benden knüpft mit dieser komplexen Komposition bewußt an diese Historie an. Kompositeur der Mischung ist Kopps Masterblender Thomas Nitsche. Vor etwa 30 Jahren gab es bereits einen Silk Road benamten Broken Flake aus der Hand GL Peases, dieser bestand jedoch, wie Dunhill‘s Nightcap, aus Virginia, Orient, Latakia und Périque, ließ sich in Stärke und Aromatik jedoch eher mit Dunhill‘s Early Morning Pipe vergleichen. 2. Optik & Schnitt: Der Silk Road präsentiert sich als sauber gearbeiteter Crumble Cake, der durch seine Festigkeit schon eher den Charakter eines Plugs aufweist. Die Oberfläche zeigt warme, rötliche Brauntöne, durchzogen von oliv- bis goldfarbenen und dunkleren Einsprengseln – ein visueller Hinweis auf die Komplexität des Blends, der nach Herstellerangaben aus Virginia, Orient, Burley, Kentucky und Périque zusammengesetzt ist. Beim Aufschneiden entstehen relativ lockere Flakes, die sich leicht aufreiben lassen. Im Folgenden bezeichne ich den Tabak als Plug. 3. Kaltaroma: Im Kaltaroma offenbart der Plug eine würzig-erdige Dichte, die weniger auf süßliche Signale setzt als auf trockenere Würznoten: Kräuterig-ätherische Orientaromen, eine nussige Grundierung durch Burley und eine dunkle, leicht herbe Tiefe, die auf den Kentuckyanteil zurückgeht. Der Virginia schafft eine diskrete, brotige bis malzige Süße, die den Ausdruck der Mischung eher unterstützt als dominiert. Der Périque wirkt im Hintergrund als subtiles strukturelles Element, pfeffrig und fruchtig, ohne den Eindruck des Ganzen zu überlagern. 4. Rauchverlauf: Anfang: Nach dem Anzünden legt Silk Road eine ätherisch-trockene Würze frei. Der Orient steht im Vordergrund und wird von einer nicht aufdringlichen, leicht dörrfruchtigen Süße des Virginias im Hintergrund begleitet. Mitte: In der zweiten Phase gewinnen Burley und Kentucky an Präsenz. Dieser mittlere Abschnitt ist das Herzstück des Profils: Herb, nussig, mit einer leichten, erdig bis ledrigen Würze, die dem Rauch Tiefe gibt. Die floral-kräuterige bis mineralische Würze des Orients wechselt sich mit brotiger bis malziger Süße des Virginias ab. Leicht pfeffrig-fruchtige Spitzen des Périque blitzen immer wieder auf. Die Komposition wirkt komplex, doch sorgfältig balanciert und stimmig. Ende: Zum Schluß hin verblaßt die Süße fast vollständig und macht einer konzentrierten, würzigen Dichte Platz. Kein Abgang in Bitterkeit, sondern ein konzentrierter, klarer Nachhall. Der lang anhaltende Abgang bleibt würzig-erdig mit einer feinen pfeffrigen Nuance im Nachgeschmack. 5. Abbrand & Technik: Tabac Benden‘s Silk Road zeichnet sich durch ein ruhiges, gleichmäßiges Brennverhalten aus. Zu hastiges Ziehen führt erwartungsgemäß zu Überhitzen und Verlust der komplexen Aromatik; wohldosierte, gleichmäßige Züge sind der Schlüssel zu harmonischem Rauchverlauf. Kondensat fällt nicht übermäßig an. 6. Raumnote: Die Raumnote ist würzig und zurückgenommen – nicht synthetisch parfümiert, sondern vollkommen tabakehrlich. Sie wirkt für Pfeifenfreunde angenehm, mit einer subtilen Tiefe, die nicht den Raum übersättigt, aber doch ihre Präsenz entfaltet. Erträglich, aber zugleich charaktervoll. 7. Vergleich & Einordnung: Im Vergleich zu klassischen orientbetonten Tabaken oder reinen Virginia-Périque-Mischungen zeigt Silk Road, dank seiner komplexen Zusammensetzung, eine eigenständige Linie. Er ist filigraner als kraftvoll-rauchige Mischungen mit dominanten dunklen Komponenten (Latakia, Kentucky), besitzt aber mehr Gewicht und Komplexität als reine Virginia oder Virginia-Périque-Blends. Gegenüber klassischen europäischen Orientmischungen, beispielsweise Tabac Benden‘s Shamkat, wirkt er weniger floral-üppig. Seine Stärke liegt nicht in einem singulär herausragenden Aroma, sondern in der Balance zwischen Süße, Würze, Tiefe und kompositorischer Klarheit. 8. Eignung & Empfehlung: Silk Road ist m. E. kein All-Day-Smoke im trivialen Sinne, sondern ein Tabak für den reflektierten Genuß. Er eignet sich für Raucher, die mit offenem Blick für subtile Wechsel im Rauchverlauf empfänglich sind und die kontemplative Ruhe eines klassischen Plug-Erlebnisses schätzen. 9. Fazit: Tabac Benden’s Silk Road ist ein sorgfältig komponierter, würzig-strukturierter Plug-Tabak, der - von Thomas Nitsche bei Kopp, Rellingen konzipiert und auf historischen, britischen Flakepressen gefertigt - traditionelle Handwerkskunst mit moderner, innovativer Balance verbindet. Die Mischung zeigt eine präzise Balance zwischen Orient, Burley, Kentucky, Virginia und Périque, mit sauberem Abbrand und differenzierten und „seidigen“ Aromen. Für den Kenner, der gekonnte Komplexität schätzt und das Pfeiferauchen als bewußtes Erlebnis begreift, zählt Silk Road zu den lohnenden, stilvollen und interessanten Herausforderungen im zeitgenössischen Sortiment.
1. Einleitung Die „My Mixture“-Serie von Dunhill verkörpert die alte Kunst des Tabakblendens, wie sie in London seit Beginn des 20. Jahrhunderts gepflegt wurde. Dunhill’s My Mixture 221B Baker Street, benannt nach der Adresse des wohl berühmtesten viktorianischen Detektivs, steht in dieser Tradition: Eine Virginia-Burley-Mischung mit zurückhaltender Saucierung, von Anfang an wohl als elegante, alltagstaugliche Komposition konzipiert. Die vorliegende Probe stammt aus den frühen 1980er-Jahren. Nach rund vier Jahrzehnten Lagerung präsentiert sie sich hier in exzellentem Zustand: Der Tabak ist perfekt konditioniert, weist ideale Feuchte auf und hat im Laufe der Zeit möglicherweise eine Abrundung erfahren. 2. Optik & Schnitt Das Bild zeigt dunhill-typisch einen klassischen, sehr gleichmäßigen Ribbon Cut. Die Farbtöne reichen von hellgoldenem Virginia über rötlich-braune Zwischenstufen bis zu mittel- bis dunkelbraunen Burleys. Weder Latakia noch Orient konnte ich eindeutig erkennen. Auffällig ist die intakte Elastizität des Blattes - ein sicheres Zeichen für optimale Lagerung. Der perfekte Schnitt erlaubt unkompliziertes Stopfen und gleichmäßigen Zug. 3. Kaltaroma Im kalten Zustand entwickelt der Tabak eine nuancenreiche, aber deutlich gedämpfte Aromatik: Getrocknete Früchte, Malz, ein nussiger Grundton und eine ganz leise süßliche, fast likörartige Würze, vermutlich bedingt durch eine dezente Saucierung. Alter und Reife haben den Tabak mutmaßlich harmonisiert, sodaß ein rundes, gedämpftes Bouquet, ähnlich der Firne eines gut gealterten Weines entsteht. 4. Rauchverlauf Anfang: Der Auftakt ist weich und ausgewogen. Die gereiften Virginias zeigen noch eine gewisse helle, grasige Süße, während der Burley von Beginn an mit nussigen und röstigen Anklängen stützt. Bereits hier treten dezente Holznoten und eine feine Rauchigkeit hervor, die dem Ganzen Substanz verleihen. Mitte: Mit zunehmender Wärme verdichtet sich das Bild. Malzig-nussige Burleys treten deutlicher hervor, begleitet von klar erkennbaren Röstaromen. Eine erdige Komponente gewinnt an Gewicht, die die Mischung fester und etwas rustikaler erscheinen läßt. Zwischendurch blitzt eine Spur fast orientalisch anmutender Würze auf - keine dominierende Präsenz, sondern eher ein hintergründiges Aroma, das für Tiefe sorgt. Möglicherweise ist doch etwas Orient enthalten. Ende: Zum Schluß verstärken sich Holz und Erde. Die Süße tritt fast vollständig zurück, während Rauchigkeit, erdige Trockenheit und eine etwas bittere Note den Ton angeben. Das Finale ist somit sehr trocken und von leiser Bitterkeit begleitet, ohne aber ins Scharfe und Beißende abzugleiten. 5. Abbrand & Technik: Der Tabak brennt sehr zuverlässig, mit gleichmäßigem Zug. In dieser gut gereiften Probe sind keine Feuchtigkeitsprobleme festzustellen; der Tabak brennt bis zum Boden sauber ab. Nachzünden ist eher selten nötig. 6. Raumnote: Die Raumnote bleibt unaufdringlich: nussig, ganz leicht süßlich, mit einer unterschwelligen holzig-rauchigen Note. Sie wirkt für den Pfeifenfreund kultiviert, zurückhaltend und für Mitmenschen eher wenig störend. 7. Vergleich & Einordnung: Die mir gut bekannte Royal Yacht Mixture ist eine der bekanntesten Virginia-Mischungen Dunhills: kraftvoll, nikotinreich und von einer intensiven, dunkel-fruchtigen Saucierung geprägt. My Mixture 221B Baker Street zeigt eine ähnliche stilistische Grundidee in reduzierter, gezügelter Form. Während Royal Yacht Mixture fordernd und dunkel auftritt, wirkt My Mixture 221B Baker Street ausgeglichener, kultivierter und alltagstauglicher. Auch die Saucierung unterscheidet sich: bei Royal Yacht Mixture intensiv und deutlich likörartig, bei My Mixture 221B Baker Street hingegen als feiner, zurückhaltend-süßer Hauch, der von nussigen, röstigen und holzigen Nuancen begleitet wird. Man könnte sagen: My Mixture 221B Baker Street ist die mildere, wenngleich ebenso nikotinstarke Schwester der Royal Yacht Mixture - verwandt im Charakter, doch von etwas anderer gesellschaftlicher Rolle. Zu berücksichtigen ist hier aber sicherlich auch der Einfluß der deutlichen Alterung der Probe. 8. Fazit: Dunhill‘s My Mixture 221B Baker Street in einer Probe aus den frühen 1980er-Jahren erweist sich als hervorragend gealtert: Harmonisch, rund und geschmeidig. Das Geschmacksbild ist überwiegend geprägt von nussigen und röstigen Tönen, durchzogen von Holz und einer angenehmen Rauchigkeit, die im Mittelteil zunehmend erdiger und würziger wirkt. Feine, orientalisch anmutende Nuancen blitzen insbesondere im Mittelteil auf und verleihen zusätzliche Komplexität. In seiner gereiften Form zeigt der Tabak das Profil eines kultivierten Virginia-Burley-Blends, der der Royal Yacht Mixture ähnelt, jedoch - vermutlich auch durch die Alterung - wesentlich milder und subtiler auftritt. Ein solider, kultivierter Begleiter, der m.E. eindrucksvoll die Reifefähigkeit klassischer Dunhill-Mischungen belegt.
1. Einleitung : Die London Mixture wurde von Alfred Dunhill Ltd. in den 1920er Jahren in London entwickelt. Sie sollte eine klassische „English Mixture“ darstellen – mit besonderem Schwerpunkt auf Orient-Tabaken (vor allem Smyrna, Xanthi, Drama), dazu Virginia als Basis und Latakia als Akzent. Der Titel „London Mixture“ knüpfte bewußt an die Hauptstadt und ihre Rolle als Mittelpunkt des Tabakhandels im Empire an. In den 1930er Jahren wurde die Mischung fester Bestandteil des Dunhill-Portfolios, neben Standard Mixture und Early Morning Pipe. Die London Mixture galt in den Hochzeiten des Empire als feiner, ausgewogener Gegenpol zur eher herb-nüchternen Standard Mixture. Sie fand Anklang besonders bei gebildeten und urbanen Pfeifenrauchern - Beamte, Akademiker, Offiziere. In Rezensionen dieser Zeit galt sie als ausgewogen und elegant, weniger massiv als die damals ebenfalls sehr populäre My Mixture 965 im schottischen Stil. Dunhill stellte 2018 seine gesamte Pfeifentabaklinie ein; etliche Mischungen wurden später unter Peterson (STG) wiederaufgelegt – London Mixture jedoch nicht. Als nahe Alternativen werden u. a. Charatan No 10, GLP Westminster, Sutliff Match London Mixture sowie Robert McConnell Piccadilly Circus diskutiert. Die London Mixture wurde zuerst von Dunhill, dann von Murray und zuletzt von Orlik (STG) produziert. Zeitweise, etwa 1930 bis 1970 existierte in Deutschland eine Lizenzproduktion bei von Eicken, Hamburg. Diese Rezension bezieht sich auf die Murray Version aus den 1990ern. 2. Optik & Schnitt: Im Gefäß zeigt sich eine klassische Farbmischung: gold- bis rotbraune Virginiastränge, oliv- bis mittelbraune Orientblätter und tiefschwarz glänzende Latakiafasern. Der dunhill-typische langfaserige und schmale Ribbon Cut erleichtert das Stopfen der Pfeife. 3. Kaltaroma : Kalt duftet die Mischung trocken-würzig und feinrauchig. Ein Hauch von altem Holz, etwas Leder, eine leichte Säure der Orienttabake und die stille Süße der Virginias verbinden sich zu einem ausgesprochen klassischen Aroma. Nichts wirkt forciert oder parfümiert. Eine gedämpfte Eleganz, die unverkennbar britisch anmutet. 4. Rauchverlauf : Anfang: Beim Anzünden öffnet sich ein moderat rauchiger Latakia-Ton, kühl und fein, nicht schwer. Die Orienttabake treten sofort mit einer hellen, leicht säuerlich-würzigen Note hinzu und geben dem Auftakt eine luftige Struktur. Der Virginia liefert im Hintergrund zarte, leicht grasige Süße. Die London Mixture wirkt hier kontrolliert und ausbalanciert. Mitte: Im mittleren Drittel zeigt die Mischung ihre Stärke. Der Orient gewinnt an Tiefe: würzig, manchmal leicht zitronig, gelegentlich mit einer nussigen Spur. Die Virginias bilden einen ruhigen, leicht süßlichen Grund auf dem der Latakia sich als feiner Schleier erhebt. In diesem Abschnitt entsteht der typische Charakter der Mischung – ein “classic English medium”. Ende: Gegen Ende trocknet der Geschmack weiter aus. Der Orient tritt zurück, die Virginias übernehmen mit erdigen und feinherben Tönen. Der Rauch bleibt kühl und bleibt auch im Finale frei von Bitterkeit. Der Abschluß wirkt ruhig, fast schon kontemplativ - ein stimmiges Abklingen ohne Schärfen oder Brüche. 5. Abbrand & Technik: Der Abbrand verläuft vorbildlich. London Mixture läßt sich leicht entzünden, hält die Glut stabil und erzeugt eine feinkörnige, helle Asche. Die Mischung neigt weder zu Überhitzung noch zu Feuchtigkeit. Bei angemessen ruhigem Zug bildet sich ein ausgesprochen pflegeleichter, technischer Idealverlauf. 6. Raumnote: In der Raumluft zeigt sich ein klassischer englischer Tabakduft: trockenes, leicht harziges Kaminholz, altes Leder, ein Hauch von Weihrauch und Gewürz. Für Ungeübte wirkt sie pferdestallig streng; für Kenner entfaltet sich jene ehrwürdige, soignierte Atmosphäre, die man mit britischen Clubs und ihren dunklen Holzvertäfelungen verbindet. Gefällig ist sie nicht direkt – charaktervoll hingegen sehr. 7. Einordnung & Vergleich: Als ehemaliger Traditionsanker im Dunhill-Kosmos der heiligen Virginia-Orient-Latakia Dreieinigkeit nimmt die London Mixture eine Mittelstellung ein. Sie ist: kräftiger und strukturierter als Dunhill’s Early Morning Pipe, weniger schwer und süßlich als Dunhill’s My Mixture 965 (mit Cavendish), weniger erdig und deshalb eleganter als Dunhill’s Standard Mixture. Im direkten Vergleich zum durchaus ähnlich komponierten Dunhill’s Durbar zeigt sich der stilistische Unterschied: Durbar legt den Schwerpunkt noch stärker auf den Orient. Er wirkt intensiver in der Würze, „trockener im Kern“, gelegentlich etwas schärfer, mit einem deutlich harzigeren, exotischeren Profil. London Mixture hingegen bleibt gemäßigter, ausgewogener, britisch im Ausdruck - weniger orientalisch-expressiv, mehr auf Harmonie angelegt. Ich empfinde Dunhill’s Durbar als spannungsgeladener und exotischer, während Dunhill’s London Mixture das klassische, urbritische Ideal verkörpert: klare Linien, feiner Rauch, keine Übertreibung. Im historischen Vergleich steht London Mixture dadurch symbolisch für die „Balanced English School“, wohingegen Durbar das Spektrum der altorientalischen Dunhill-Mischungen repräsentiert. 8. Fazit : Dunhill’s London Mixture präsentiert sich als traditionsbewußter, fein austarierter und historisch bedeutsamer Vertreter der klassischen englischen Tabakmischungen. Sie verbindet in perfekter Balance die Klarheit der Orienttabake mit der zurückhaltenden Süße der Virginias und einem moderaten, sauber eingebundenen Latakia. Dunhill‘s London Mixture gilt deshalb als die akademisch reine Lehre der englischen Schule. Wer Eleganz vor Opulenz, Linie vor Effekten und Orientduft vor Latakia-Fülle bevorzugt, findet hier den klassischen Maßstab. Freunde kräftigerer, süßerer oder cremigerer Engländer/Schotten sollten eher zu Alternativen greifen: z.B. Dunhill‘s My Mixture 965, Rattray‘s Black Mallory, Balkan Sobranie 759 etc..
1. Einleitung: GL Pease Maltese Falcon, 2008 vorgestellt, sollte nach eigener Aussage eine vollmundige, dabei abgerundete Latakia-Mischung verkörpern - eine Art kultivierte Brücke zwischen klassischer englischer Strenge und amerikanischer Weichzeichnung. Der Name, entnommen aus Dashiell Hammetts düsterem Detektivmythos, verheißt Rätsel und Tiefgang. 2. Optik & Schnitt: Das Tabakbild weist dunkle, fast schwarzbraune Bänder mit rötlichen Virginia-Schattierungen und hellerem Orient auf, sauber gerieben und homogen gemischt. Der Tabak zeigt die typische, leicht glänzende Oberfläche eines gut konditionierten Blends. Die Feuchte ist optimal. 3. Kaltarona: Ein sanfter Rauchduft, süßlich und balsamisch, tritt hervor. Das gewohnte Phenolspektrum des Latakia ist wenig spürbar; daneben Anklänge von Toffee, Vanillin, feuchtem Zedernholz. Eine Note erinnert an Karamell, die wohl von Red Virginias stammt. Hier deutet sich bereits an, daß der Latakia - vermutlich durch ein modifiziertes Cavendishverfahren - seiner typischen Phenole weitgehend beraubt und mit Dampf konditioniert wurde. Dieser von McClellands Frog Morton bekannte Kunstgriff erklärt den ungewöhnlich weichen, fast sahnigen Duft, der eher an amerikanische Blending-Technik als an britische Tabakkunst erinnert. 4. Rauchverlauf: Anfang: Der erste Zug offenbart ein cremig-rauchiges, etwas pappiges Mundgefühl. Der Rauch legt sich weich und gleichförmig an Gaumen und Zunge, ohne Ecken, ohne Kanten. Doch diese Milde kippt rasch in eine eigentümliche, mehlig-pappige Textur - als fehlte dem Rauch die innere Spannung. Geschmacklich dominieren karamellige Süße und milder Rauch, die Würze bleibt eher zurückhaltend. Mitte: Im mittleren Drittel gewinnt der Tabak kaum an Dynamik. Der Orient bringt zwar etwas Dynamik, aber das Zusammenspiel bleibt flach. Die Cremigkeit verstärkt sich, jedoch auf Kosten der Authentizität - ein Eindruck von übermäßiger Poliertheit. Das mehlig-weiche Mundgefühl bleibt bestehen, fast so, als hätte man einen süßen, zu stark oxydierten Wein im Mund: aromatisch dicht, aber müde ohne Frische. Hier drängt sich sich eine Analogie auf: Maltese Falcon gleicht einer einseitig süßen Trockenbeerenauslese - üppig, sirupartig, überreif. Dagegen erscheinen klassische englische Mischungen wie Dunhill My Mixture 965 oder Rattray Black Mallory als balancierte Spätlesen: dezente Süße, aber getragen von Säure, Würze und Struktur. Ende: Im letzten Drittel trocknet der Rauch ab; die Virginias treten etwas stärker hervor, das Aroma wird erdiger, doch die pappige Note bleibt. Der Latakia zeigt sich nochmals cremig, aber ohne die ledrig-salzige Tiefe klassischer britischer Provenienz. Hier spürt man, daß der Blend auf Milde, nicht auf Authentizität hin gestaltet wurde. 5. Abbrand & Technik: Es imponiert ein gleichmäßiger Abbrand, kaum Nachzünden, kühle Glut, hellgraue Asche. Technisch einwandfrei, sensorisch jedoch fast zu monoton - als hätte man das Herz des Tabaks zu Gunsten glatter Rauchbarkeit geopfert (typisch für Cavendish). 6. Raumnote: Angenehm, mild-rauchig, leicht süßlich mit Anklängen an Kakao und Zedernholz. Für Mitmenschen durchaus verträglich - doch der Kenner vermißt jene würzige Aura, die englische Latakia-Blends umweht. 7. Vergleich & Einordnung: Gegenüber traditionellen Mischungen von Dunhill, Rattray, McConnell oder Robert Lewis wirkt er wie ein moderner Nachbau - solide, aber glatter, polierter. Der mutmaßlich Cavendish-behandelte Latakia mildert zwar Schärfen und Säuren, nimmt dem Blend aber zugleich jene charakteristische facettenreiche Tiefe, die das englische Genre so unverwechselbar macht. 8. Eignung & Empfehlung: Empfohlen für Raucher, die eine samtige, süßlich-milde Latakia-Mischung mit hohem Komfort suchen. Weniger geeignet für Liebhaber klassischer, straffer Engländer, die Tiefe, Bitterkeit und ein trockenes Rückgrat schätzen. Maltese Falcon ist kein schlechter Tabak – aber einer, dem die britische Noblesse fehlt. 9. Fazit: GLP Maltese Falcon ist ein gepflegter, technisch ausgereifter, aber auch etwas langweiliger Tabak. Seine Süße und Cremigkeit sind zweifellos angenehm, doch die fehlende Struktur führt zu einem übermäßig weichen, fast breiigen Gesamtbild. Es ist, als koste man eine edle, aber überreife Frucht: aromatisch, ja - doch matschig.
1. Introduction: Among the venerable English mixtures of old, Dunhill’s London Mixture long stood as an unshakable lodestar - an authoritative point of reference by which successive generations of pipe-smokers quietly measured their expectations. When Dunhill withdrew from the world of tobacco in the year 2018, that guiding standard seemed, for a time, to have slipped into history. It was in this void that GLP Westminster emerged, fashioned by the self-taught American artisan Gregory L. Pease and prepared by Cornell & Diehl. Conceived as a kind of re-embodiment of the original, pre-1980 Dunhill London Mixture, it draws upon a characteristic stratagem of its creator: a subtly altered Cavendish process, reminiscent of that once practised—under much secrecy—by the late tobacco house of McClelland. 2. Appearance & Cut: The mixture presents itself as a classic ribbon-cut: the deeper browns of the Virginias interwoven with near-black fragments of Latakia, all enlivened by brighter, faintly green-gold Oriental strands. The cut is moderate, neither too long nor too short, and the leaf feels agreeably dry to the touch. One perceives at once that the mixture has been prepared with deliberate care—tidy, balanced, and unmistakably traditional in character. 3. Cold Aroma: In its unlit state, GLP Westminster offers a clarity typical for mixtures of its kind: a refined smoky note, suggestive of well-seasoned timber; a mild, bread-like Virginia fragrance; and the dry, herbal sharpness of the Orient leaf. Particularly striking is the restrained sweetness - far less than one encounters in many American interpretations of the English style. Instead, one is met with earthy depth, faint impressions of tar and leather, and a subtle zest of citrus derived from the Virginias. 4. The Smoke: Beginning: The first puffs reveal an immediately assertive Latakia heart - smoky, dusky, yet without oppressive weight. The Virginias lend a thin, understated sweetness, not unlike a veil of light honey drawn across pale bread. The Orientals appear in a supporting role: dry, delicately piquant, tinged with a modest acidity. Middle: As the bowl progresses, the structure of the blend gathers itself. The smoke becomes rounder; the Virginias step forward with a clearer, brighter presence. The Latakia remains dominant but sheds much of its initial massiveness, settling into a more integrated harmony. The Oriental leaf contributes a near-ethereal herbal accent, imparting a well-tempered equilibrium. Here the characteristic Cavendish influence asserts itself most clearly: the components knit together with softened edges, yielding a composed and measured whole. End: Towards the close, GLP Westminster turns drier and more seasoned, even faintly austere - but in a manner that speaks of character rather than harshness. Earthy tones emerge; a trace of woodsmoke recalls the venerable English mixtures of a former age. The Virginias recede, leaving a deeper, darker spice in their place. 5. Combustion & Technique: Once kindled, GLP Westminster burns with commendable consistency, showing little inclination towards moisture or condensation. One relight will ordinarily suffice. Neither bite nor sharpness intrudes, provided the smoker maintains an unhurried pace. Excessive or forceful draughts, however, can introduce a certain angularity - an entirely traditional trait in mixtures of this lineage. 6. Room Note: The room note is unmistakably English: smoky, woody, dry, touched with a faint, stable-like rusticity. To those unaccustomed to such mixtures it may seem stern, even antiquated; to traditionalists it will feel altogether proper. There is no sweetness, no perfumed ornamentation - only the dignified scent of a gentleman’s club in its earlier, quieter century. 7. Comparison & Classification: Dunhill’s London Mixture has long served as the benchmark for the finely balanced English style: bright, seasoned, with a distinctly present Oriental contour and a comparatively modest Latakia weight. GLP Westminster, by contrast, stands a shade darker: fuller in its Latakia voice, while simultaneously allowing the Virginias greater prominence. Where London Mixture may at times appear lighter, more graceful, almost filigreed, GLP Westminster leans earthward - richer, rounder, and more deeply pitched. The Orientals, more vivid in the Dunhill, retreat somewhat in the Pease interpretation. Thus, GLP Westminster becomes the more sculpted, weightier embodiment of the style, while Dunhill’s London Mixture remains the airy, spiced, and quintessential aristocratic classic. Those who cherished the old Dunhill profile will readily recognise Westminster as an American yet reverent successor - the differences owing, perhaps, in part to the fact that its creator studied aged tins of the long-discontinued pre-1980 original as his chief exemplar. 8. Suitability & Recommendation: GLP Westminster is well suited to smokers who seek an authentically English mixture - unsweetened, unadorned, and free from modern aromatic embellishment. It performs admirably in medium-sized bowls (comparable to Dunhill group 3–4), where the Latakia may develop its full resonance. Though not the most approachable entry point for novices, it proves a steadfast everyday companion for the seasoned enthusiast, and an excellent comparative blend for those wishing to explore the interplay between Latakia prominence and Virginia-Orient balance. 9. Conclusion: Gregory L. Pease’s Westminster stands as a worthy heir to the classical English tradition rooted in the London of the twentieth century - firm, lucid, well-balanced, and unbending in its refusal to court fashionable sweetness. The modified Cavendish method lends the Latakia a softened contour and binds the components into a coherent whole. For the smoker who values craftsmanship, sobriety, and lineage, GLP Westminster is a reliable and distinguished companion - not the exact resurrection of the legendary Dunhill London Mixture, but close enough in spirit and bearing to ease the sense of its absence.
1. Einleitung: Samuel Gawith‘s Black XX Kendal Twist ist ein Tabak, das in der Tradition der Lakeland Tabakverarbeitung steht: Dick gedrehte Seile aus Virginiablättern, wie sie seit zwei Jahrhunderten in Kendal gefertigt werden und einst nicht nur als Pfeifentabak, sondern auch als Kautabak der Bergleute dienten. Die Kunst des Twistens und Stovens, das Zusammenspiel von Hitze, Druck und Zeit, hier zusätzlich noch mit einer 12-stündigen Mazeration in Pflanzenöl (sic!), verleihen diesem Tabak seinen eigentümlichen Charakter. Black XX wirkt wie ein Relikt aus einer Ära, in der Tabak nicht gefällig, sondern kräftig, unverstellt und archaisch war. 2. Optik & Schnitt: In der geöffneten, altgoldfarbenen Rechteckdose von 2019 liegt der Tabak als dunkles, beinahe schwarzglänzendes Seil, schwer und ölig, die Oberfläche dicht und fast lackartig schimmernd. (Woran der Tabak optisch erinnert, sei hier taktvoll verschwiegen). Schon die bloße Erscheinung signalisiert: Hier ist kein Produkt für die schnellen Rauchgenuß, sondern für den Kenner. Das Schneiden von Scheiben, das Schaben oder gar das Auseinanderbröseln verlangt Werkzeug, Zeit und Geschick. Wer sich auf diese Mühe nicht einläßt, wird kaum Freude an dem Tabak haben. 3. Kaltaroma: Der Duft (wenn man es euphemistisch so nennen will) ist schwer, dunkel und unverwechselbar: malzige Süße, sirupartig verdichtet, gepaart mit erdigen, lederartigen und leicht fermentierten Tönen. Teils erkennt man darin reifes Trockenobst, teils einen strengen, beinahe animalischen Geruch. In jedem Fall kündigt sich hier ein ganz besonderer Tobak an. 4. Rauchverlauf: Anfang: Der erste Zug überrascht mit einer weichen, karamellisierten Süße, die an Malz, Honig und reife Früchte denken läßt. Doch kaum hat man sich daran gewöhnt, setzt die wahre Kraft dieses Tobaks ein: eine sehr deutliche Nikotinnote, die Respekt einfordert (die Einnahme eines Betablockers empfiehlt sich). Mitte: Mit fortschreitendem Abbrand entwickelt sich eine dichte, dunkle Rauchigkeit. Holz, schwarzer Tee (Lapsang Souchong) und altes Leder treten hervor, zugleich aber auch kulinarische Eindrücke, die unverkennbar sind: eine Anmutung von BBQ-Sauce, Spare Ribs frisch vom Grill, süßlich-glasiert und mit Kohlenrauch durchzogen. Ergänzt wird dieses Ensemble durch eine salzige, scharfkantige Spur, die stark an Salmiakpastillen erinnert und dem Ganzen eine fast nordische Herbheit verleiht. Es ist ein Geschmack, der keinesfalls um Gefälligkeit bemüht ist, sondern in seiner Kompromißlosigkeit faszinieren kann. Ende: Im Finale bleibt ein trockener, adstringierend-tanninreicher Abgang. Die Süße ist verschwunden, zurück bleibt das Erdige, Schwere, eine fast eisenhaltige Trockenheit — ein Schlußakkord, der Black XX endgültig als Tabak uralten Schlages ausweist. 5. Abbrand & Technik Dieser Twist ist arbeitsintensiv! Das dichte Seil will in dünne Scheiben geschnitten und/oder sorgfältig zerkrümelt werden; andernfalls brennt er nur widerwillig. Etwas Antrocknen ist ratsam. Im Rauch verlangt er stete Aufmerksamkeit: zu kräftiges Ziehen führt schnell zu harscher Schärfe, behutsames Rauchen hingegen belohnt mit Tiefe und Kontinuität. Wer Geduld aufbringt, erlebt unter häufigerem Nachzünden ein langsames, fast meditatives Verglimmen. 6. Raumnote: Die Raumnote ist massiv, ja fast provokant. Dunkler Rauch hängt lange im Raum, kräftig, ölig, durchdringend, ungeschönt - wahrhaft unverträglich in besserer Gesellschaft. Am ehesten läßt sich der Eindruck beschreiben als die olfaktorische Atmosphäre der Umkleidekabine nach einem Fußballspiel: Leder, feuchte Textilien, animalischer Körpergeruch, Schweiß und schwerer Rauch in einer Mischung, die für Außenstehende alles andere als angenehm ist. Doch wer historisch denkt, erkennt darin das ehrliche Gepräge eines Tabaks, der sich nicht verstellt. 7. Vergleich & Einordnung: Im Vergleich zu klassischen englischen Virginia-Orient-Latakia-Blends, modernen Virginia-Flakes oder gar synthetisch aromatisierten Mischungen wirkt Black XX wie ein Fossil - und genau darin liegt sein Reiz. Während andere Blends süffig, süß oder elegant daherkommen, beharrt Black XX auf der Härte und Schwere uralter Tabaktradition. Von seiner sozialen Prägung her erinnert er eher an die französischen Scaferlati-Caporal-Mischungen oder die berühmten Gauloises-Zigaretten: Tabake für den Arbeiter, für den Soldaten, für den Mann der Straße, die nicht durch Eleganz und Delikatesse, sondern durch Stärke, Bitterkeit und Durchsetzungskraft charakterisiert sind. So steht Black XX gleichsam im europäischen Kanon der Arbeitstabake - Produkte, die nie für den Salon oder den Rauchkreis des Gentleman gedacht waren, sondern für jene, die nach ehrlicher Schwere verlangten. 8. Fazit: Samuel Gawith Black XX Kendal Twist ist kein Tabak für jedermann, sondern eine gnadenlose Charakterprüfung: „ Ist er zu stark, bist du zu schwach“. Seine Stärken liegen in der kompromißlosen Ehrlichkeit, in den eigenwilligen Aromenschattierungen zwischen Karamell, Rauchfleisch und Salmiak, und in der fast musealen Aura seiner Herstellung. Seine Nachteile sind ebenso evident: schwierige Handhabung, harscher Abbrand bei Unachtsamkeit und eine Raumnote, die selbst eingefleischte Tabakfreunde vor den Kopf stoßen kann. Vor allem aber ist er kein „Gentleman’s Blend“ und nicht geschaffen für den Salon, die Bibliothek oder das Herrenzimmer. Er ist ein Arbeitertabak im ursprünglichen Sinne: kräftig, herb, ohne Rücksicht auf Konventionen. Wer sich auf ihn einläßt, entdeckt ein Stück rauher Tabakgeschichte, so bodenständig und ehrlich wie ein Porter zu Shepherd‘s Pie oder Ploughman’s Lunch. Wer hingegen feine Salondüfte, galante Gesellschaft oder elegante Balance sucht, möge lieber Abstand nehmen.
1. Einleitung: Mac Baren’s Royal Twist führt uns auf eine nostalgische Reise in die Zeit, als Handwerkskunst und Tabakkultur noch eng verflochten waren. Die Rezeptur stammt aus den 1950er Jahren und war einst ein typisches Produkt der handgesponnenen „Twist“-Tabake: Tabaksorten wurden zu Seilen verflochten, mit einem ganzen Virginiablatt umhüllt und später in Scheiben, sog. „coins“, geschnitten. Damit folgt Royal Twist einer Tradition, die über 400 Jahre zurückreicht, als Seefahrer und Händler Tabak auf diese Weise transportabel und lagerfähig machten. Der Tabak war bis in die 1960er Jahre ausschließlich in den USA verfügbar und wurde dann modifiziert als Mac Baren Roll Cake weitergeführt - jedoch ohne die ursprüngliche Beimischung von Périque. Die Wiederbelebung des alten Rezepts mit Virginia, Dark-Fired Kentucky und Périque in der limitieren Royal-Twist-Auflage von 2024 ist ein kultivierter Blick zurück auf die Wurzeln der Pfeifenraucherkultur: Man nimmt nostalgisch Abstand von Massenware und kehrt zurück zur handwerklichen Tabaktradition - und verscherbelt dann den Laden ☹️. 2. Optik & Schnitt: In der liebevoll nostalgisch gestalteten Dose präsentiert sich der Tabak als Coins, teils in kräftigem Braun bis Dunkelbraun, teils mit goldigen Einsprenkelungen - ein harmonischer Mix aus ganzen Virginiablättern und dunkleren Komponenten. Beim Zerreiben zerfallen die Coins problemlos: Die Feuchtigkeit scheint ausgewogen - weder trockener als nötig, noch ungebührlich feucht. 3. Kaltaroma: Beim Öffnen der Dose offenbart sich ein komplexes, einladendes Bouquet: Ein gleichzeitiges Spiel von süßlich-fruchtigen Virginia-Noten mit Zitrus- und grasigen Anklängen, darunter eine subtile holzig-erdige Schicht, die man dem Dark-Fired Kentucky zuschreiben darf. Darunter schimmert bereits die würzige, leicht scharfe Präsenz des Périque, nicht aufdringlich, aber als feine Würznote. Man nimmt eine milde, naturhafte Süße wahr - ein zarter Nachhall von Honig oder gemälztem Getreide - der dem Tabak eine gewisse Sanftheit verleiht und wohl auf die für Mac Baren typische Daucierung mit Ahornsirup zurückzuführen ist. 4. Rauchverlauf: Anfang: Der Tabak eröffnet mit einer deutliche Würze: Der Périque meldet sich unverkennbar mit einem würzigen, leicht fruchtig-feurigen Charakter - würzig, pfeffrig, mit Anklängen von getrockneten Pflaumen, Feigen und einer milden Fruchtigkeit, die an dunkle Trockenfrüchte erinnert. Der Dark-Fired Kentucky ergänzt dies mit einer dezenten, kernigen Holzigkeit und leichter Rauchnote - nicht allzu prominent, keine Latakia-typische, harzige Rauchigkeit, sondern eher eine sanfte, trockene Erdigkeit. Damit eröffnet der Rauch mit Tiefe und Substanz. Über allem liegt im Hintergrund die Virginia-Basis, die mit angedeuteter Säure, Grasigem und heller Süße das Fundament legt. Mitte: Im mittleren Drittel der Füllung tritt die Balance noch deutlicher zutage: Die Würze des Périque bleibt spürbar, wird aber harmonischer - eine angenehme Spannung zwischen Gewürz, Erde und milder Süße entsteht. Der Kentucky und die Virginia verschmelzen zu einer harmonischen Grundlage: Das Holzige und Erdige des Kentucky verbindet sich mit der gras- und brotartigen Komponente der Virginias; die Süße wandelt sich in milde Honig- oder Malzaromen, begleitet von einer sanften, vegetabilen Leichtigkeit. Das Rauchbild wird rund und ausgewogen - mit komplexer Aromentiefe und ohne harte Kanten. Ende: Im letzten Drittel bleibt die Würze vorhanden, jedoch gedämpft und sanft, nicht stechend. Der Périque zieht sich subtil zurück und hinterläßt warme, dunkle Frucht- und Holznoten. Der Kentucky sorgt für eine anhaltende Rauchigkeit, während die Virginias das Finish mit zarten süß-grasigen Anklängen und einem milden Hauch von Honig oder Malz abrundet. Der Nachgeschmack ist weich, allerdings nicht flüchtig - ein angenehmer, gediegener Schluß, der lange nachklingt. 5. Abbrand & Technik: Der Abbrand zeigt sich, meiner Erfahrung nach, zuverlässig und gleichmäßig - mit gelegentlichem Nachzündern, aber insgesamt stabil. Der Tabak brennt eher langsam, besonders bei moderatem Zugverhalten. Hohe Kadenzen und forcierten Zug straft der Tabak - virginiatypisch - mit Zungenbiß, reichlich Kondensat und Bitterkeit. Der Coin-Cut eignet sich gut für größere Pfeifenköpfe (Dunhill 5-6) - wenn man sie sorgfältig stopft und nicht übermäßig verdichtet. 6. Raumnote: Das Rauchopfer hinterläßt eine Raumnote, die man als angenehm bis dezent bezeichnen kann. Sie trägt die warme Erdigkeit und Würze des Tabaks, begleitet von einer milden, holzig-würzigen Süße - jedoch ohne aggressiv zu wirken. Für ein Herrenzimmer oder eine Bibliothek könnte das durchaus vertretbar sein - ein Aroma, das nicht aufdringlich sondern kultiviert wirkt. 7. Vergleich & Einordnung: Der Royal Twist läßt sich gut im Kontext klassischer Virginia-Périque-Twists einordnen, wenn man ihn den beiden bekanntesten Referenzen gegenüberstellt: Dunhill’s De Luxe Navy Rolls erscheinen im Vergleich eleganter, feiner und nuancierter. Dort entfalten die Virginias ein klares, strahlendes Profil, die Périque-Note ist subtil, fast aristokratisch zurückhaltend. Der Royal Twist dagegen zeigt ein stärkeres, robusteres Grundgerüst: Kentucky bringt Trockenheit, Erdigkeit und würzige Stabilität, die den Blend kerniger erscheinen lassen. Die Süße ist durch die Saucierung ausgeprägter, die Virginias wirken dadurch wärmer, die Gesamtwirkung ist rustikaler. Bell’s Three Nuns (älteter Observanz) verfolgt einen anderen Ansatz: dunkler, würziger und kompakter, mit teils deutlich fruchtigen oder Périque-Noten, die dramatischer erscheinen. Der Royal Twist hingegen bleibt heller, ohne die tiefen, fast dramatischen Akzente, die Three Nuns prägen. Die Würze ist vorhanden, aber gemessen; das Profil freundlich und zugänglich. Zusammenfassend steht der Royal Twist zwischen diesen Polen: weniger filigran und elegant als Dunhill, weniger dunkel und würzig-markant als Three Nuns. Für einen „dyed in the wool“ Dunhill-Fan, der die De Luxe Navy Rolls wegen ihrer dezenten, eleganten und oft subtil süß-grasigen Aromatik schätzt, bietet Royal Twist eine interessante Variation: Ähnliche Grundstimmung, aber mit mehr Süße, Erde, Würze und Bodenständigkeit - eine ehrliche Alternative, die nicht versucht, Dunhill zu kopieren, sondern ihren eigenen Weg geht. 8. Eignung & Empfehlung: Ich halte Royal Twist für besonders geeignet für Pfeifenraucher, die traditionelle, handwerkliche Tabakbereitung schätzen; die ein Interesse an komplexen, nuancierten Mischungen haben, ohne synthetische Aromatisierung; die ruhige, meditative Rauchstunden bevorzugen - etwa am Abend, bei einem Buch, einem Waldspaziergang oder gediegenem Kamingespräch; die ein ausgewogenes, bodenständiges Profil bevorzugen und sich nicht an zarten, floralen oder stark aromatisierten Mischungen erfreuen. Weniger geeignet ist der Tabak für jene, die helle, zitrisch-süßliche VaPers oder stark aromatisierte Blends suchen. Wer eine sehr dunkle, latakiahaltige Mischung erwartet, wird den erwarteten Rauch und die entsprechende Intensität vermissen; dafür bietet Royal Twist - varietas delectat - eine andere Art Tiefe und Würze. 9. Fazit: Die limitierte Auflage von Mac Baren‘s Royal Twist ist eine respektvolle Rückbesinnung auf alte Tabaktraditionen - handgesponnen, aus hochwertigen Tabaken sorgfältig verarbeitet und mit einer süß-würzig-holzig-erdig-fruchtig-pfeffrigen Charaktertiefe, die sich über den gesamten Rauchverlauf entfaltet. Im Vergleich zu den archetypischen Dunhill De Luxe Navy Rolls steht Mac Baren‘s Royal Twist nicht als Imitation, sondern als eigenständige, handwerklich ehrliche Variation da: Rustikaler, süßer, erdiger, weniger aristokratisch-elegant - aber mit Substanz und Charakter. Kein nachgemachter Brite, sondern ein echter Däne ????????
Einleitung: Das Londoner Haus Robert Lewis zählt zu den ältesten Tabakhändlern Großbritanniens. Seit dem 18. Jahrhundert pflegt man dort Tabakmischungen, die für viele britische „Pipemen“ das Ideal des kultivierten, maßvollen Rauchens verkörpern. Die Wingfield Mixture steht ganz in dieser Linie: eine unaromatisierte, helltonige Virginia-Mischung mit sehr wenig Latakia und Black Cavendish. Benannt nach Major Walter Wingfield, einem viktorianischen „Sportsman“ und Erfinder des Lawn Tennis, ist sie eine Hommage an britische Haltung und Selbstdisziplin. Nach Übernahme der Marke Robert Lewis und deren Rezepten in den 1980ern wird der Tabak bei Kopp in Rellingen gemischt. 2. Optik & Schnitt: Die Mischung zeigt sich in einem hell- bis mittelbraunen, eher kurzfaserigen Ribbon Cut, sauber gearbeitet und homogen. Hellere Virginias dominieren, durchsetzt von wenigen dunklen Fasern des Latakia und Black Cavendish. Der Schnitt ist locker, die Feuchte der Probe eher auf der trockenen Seite. 3. Kaltaroma: Der Duft im Kaltzustand erinnert an Heu, Honig, helles Holz und getrocknete Zitrusschale. Eine feine, kaum wahrnehmbare Rauchigkeit legt sich über die Süße - mehr Ahnung als Präsenz, wie ein ferner Duft von Kaminholz. Alles wirkt natürlich und tabakecht. 4. Rauchverlauf: Anfang: Zu Beginn eröffnet Wingfield mit heller, klarer Süße, sanft fruchtigen Spitzen und einer leicht buttrigen Grundtextur. Der Rauch ist mild, aber nicht dünn - geschmeidig, fast cremig im Mundgefühl. Mitte: Im Mittelteil gewinnt die Mischung an Tiefe: die Süße weicht einer feinen getreidigen Note, begleitet von einer diskreten Holzwürze. Kein dramatischer Wandel, eher eine ruhige Balance im Verlauf der Füllung. Ende: Im letzten Drittel trocknet der Geschmack leicht aus, die Süße tritt zurück, und ein zarter, holzig-herber Nachklang beschließt das Rauchopfer. Das Gesamterlebnis ist harmonisch und ohne jede Schärfe - eher linear als komplex. 5. Abbrand & Technik: Technisch verhält sich die Wingfield Mixture geradezu vorbildlich: Sie brennt willig, aber nicht hastig, bleibt trocken im Zugkanal und verlangt nur seltenes Nachzünden. Wird sie gemächlich geraucht, entfaltet sie ein angenehm kühles Rauchverhalten. Die Asche ist hell und fein. 6. Raumnote: Die Raumnote ist zurückhaltend und klassisch - leicht süßlich, von natürlicher Virginia-Wärme getragen, mit einem Hauch Holz: dezent, kultiviert, unaufdringlich. 7. Vergleich & Einordnung: Im Vergleich zu anderen Virginia/Latakia-Mischungen nimmt Wingfield eine ungewöhnlich helle, milde Position ein: Wehde‘s Cremon aus Hamburg zeigt ein deutlich stärkeres Spiel zwischen Virginia-Süße und Latakia-Würze. Sein Rauch ist tiefer, dunkler, leicht weihrauchig bis harzig. Gegenüber dieser ernsthaften, würzigen Balance wirkt die Wingfield Mixture transparenter, heller und süßer. Trennt’s Abu Riha, eine Kieler Mischung mit prägnantem Latakia-Anteil, geht einen anderen Weg: erdig, rauchig, mit orientalischer Schärfe. Abu Riha ist ein Tabak von Körper und Nachdruck - Wingfield Mixture dagegen bleibt durchweg mild. Samuel Gawith‘s Commonwealth Mixture steht als Archetypus kräftiger englischer Virginia-Latakia-Blends. Deren dichtes, rauchiges Fundament kontrastiert die Leichtigkeit der Wingfield Mixture: Bildlich gesprochen ist Commonwealth romantische Symphonie - Wingfield ist klassisches Streichquartett. Beide haben ihre Berechtigung. So betrachtet, ist Robert Lewis’ Wingfield Mixture kein Konkurrent, sondern ein Gegengewicht: Der Tabak bietet die helle Seite britischer Tabakkultur - fein ziselierte Virginia-Dominanz statt Latakia- Wucht, Zurückhaltung statt Dramatik. 8. Empfehlung: Empfohlen für Liebhaber heller Virginias und subtiler, harmonischer Mischungen, die Reinheit dem Effekt vorziehen. Wer die Tiefe von Wehde’s Cremon, die Würze von Trennt’s Abu Riha oder die Fülle Samuel Gawith’s Commonwealth Mixture schätzt, findet in Robert Lewis’ Wingfield Mixture deren filigranere, diszipliniertere Schwester - einen Tabak von leiser Würde und zeitloser britischer Haltung. 9. Fazit: Robert Lewis’ Wingfield Mixture ist ein Tabak von klassischer Klarheit und solider Einfachheit. Seine Stärke liegt in Balance und Natürlichkeit. Für den Connoisseur ist die Wingfield Mixture kein „Show-Blend“, sondern ein ehrlicher, kultivierter Alltags-Tabak, geeignet für den Nachmittag oder frühen Abend, wenn man die Ruhe sucht, nicht den Reiz. Persönlich ist er mir ein bißchen zu mild und schlicht.
1. Einleitung: Orlik Club Mixture entstammt jener dänischen Schule der Tabakveredelung, die nach dem 2. Weltkrieg den klassischen englischen Blends den Stachel nahm und aus Stärke Milde, aus Ernst Gelassenheit formte. Die Club Mixture vereinigt helle und goldene Virginias mit nussigem Burley und einem sanft gesüßten Cavendish (klassische dänische Zusammensetzung der Grundtabake). Etwas Vanille, Kaffee, ein Anflug von Karamell und die zarte Spur von Honig verleihen ihr jenen kultivierten Ton, der eher an klassische dänische Hygge denken läßt als an die Exaltiertheit moderner Tutti Frutti Aromabomben. 2. Optik & Schnitt: Es präsentiert sich ein Mixed Cut, mit goldenen und bräunlichen Schattierungen, durchzogen von dunklen Cavendish-Streifen. Die Feuchtigkeit ist tadellos, das Stopfen geht leicht von der Hand. 3. Kaltaroma: Der Dose entsteigt ein angenehmer Duft, der sogleich Wohlbefinden auslöst: Kaffee, Vanille, Karamell, Toffee, dazu der honigwarme Grundton reifer Virginias. Darunter klingt die Erdigkeit des Burley an, getragen von der cremigen Tiefe des Cavendish. Man könnte sagen: ein Duft wie aus einem altmodischen Konditorei-Café, in dem der warme Duft von Holz, Kaffee und Gebäck sich mischt. Hier ist nichts Lautes, nichts aufdringlich Parfümiertes. Die Aromatisierung tritt auf wie ein englischer Butler– stets zugegen, doch nie vordrängend. Schon im kalten Zustand verrät sich der Stil: Understatement, Maß und eine gewisse Gemütlichkeit - dänische Hygge in Perfektion. 4. Rauchverlauf: Anfang: Sanft und süß beginnt die Club Mixture ihren Reigen. Der Rauch ist mild, beinahe cremig, Kaffee und Vanille klar erkennbar, doch nicht aufdringlich. Die hellen Virginias bringen eine zarte, heuartige Süße ein, während die Burleys Tiefe und Nussigkeit verleihen. Die Aromatisierung überwiegt jedoch den Tabak. Mitte: Mit fortschreitender Glut tritt der Burley hervor, füllt den Raum mit warmen, nussigen Tönen, während der Cavendish dem Rauch eine fast samtige Struktur gibt. Der Virginia wirkt reifer, die Süße wandelt sich von Zucker zu Gebäck, die Aromatisierung tritt etwas zurück. Man spürt plötzlich, wie aus der anfangs liebreizenden Mischung ein ernsthafter, reifer Tabak wird. Ende: Hier nimmt sich die Süße stärker zurück, der Rauch wird trockener, leicht toastig, mit feinen Noten von herbem Kakao und Holz. Die Mischung bewahrt Haltung bis zum Schluß – nichts kippt, nichts beißt. Es ist, als zöge sie sich mit Anstand zurück, um in Stille auszuklingen. Der Nachgeschmack bleibt weich, warm, ein wenig wie Crème brulée. 5. Abbrand & Technik: Die Orlik Club Mixture brennt, wie ein Tabak brennen sollte: ruhig, gleichmäßig, kühl. Sie hinterläßt kaum Feuchtigkeit, ihre Asche ist hell und fein, das Nachzünden selten nötig. Selbst bei längerer Rast im Pfeifenkopf zündet sie willig neu. Bei hoher Kadenz wird der Tabak jedoch bissig und produziert reichlich Kondensat. 6. Raumnote: Diese Mischung zeigt sich durchaus gesellschaftsfähig. Die Raumnote ist eher angenehm: Vanille, Kaffee, Toffee, der Duft getrockneter Blätter. Sie schmeichelt dem Nichtraucher, ohne sich zu verstellen. 7. Vergleich & Einordnung: Unter den dänischen Klassikern steht die Club Mixture fest auf ihrem Platz: komplexer als Mac Baren Vanilla Cream, tabakechter als Stanwell Melange, vergleichbar etwa mit Larsen No 50, doch durch die Kaffeenote eigenständig anders. Sie trägt das Erbe jener Ära, in der Tabakmischung noch Kunsthandwerk war, kein Produktdesign. 8. Fazit: Orlik’s Club Mixture ist ein Tabak wie ein alter Freund: verläßlich, wohlerzogen, frei von extrovertierter Eitelkeit, getreu den dänischen/hanseatischen Tugenden. Sie verlangt keine Aufmerksamkeit, doch sie verdient sie. In einer Zeit, da viele Mischungen unter Einsatz der gesamten Lebensmittelchemie um Lautstärke ringen, bleibt sie ein Muster der Zurückhaltung - ein Relikt jener vergangenen Kultur, in der Qualität selbstverständlich war.
1. Einleitung: Der Bloemfontein Navy Cut von Tabac Benden ist eine kultivierte Reverenz an jene alte Schule britischer Virginia-Flakes, die einst den Maßstab für Qualität setzten. Sein Name - Bloemfontein - ruft nicht nur geographische Ferne auf, sondern auch die Erinnerung an eine Ära, in der Tabake noch nach Abenteuer, Seewind und Eichenholz rochen. Der Flake greift das maritime Erbe der „Navy Cuts“ auf und übersetzt es in ein modernes, handwerklich präzises Gewand: kein Nachbau, sondern eine stilbewußte Fortführung einer überlieferten Tradition. 2. Optik & Schnitt: Der Flake liegt in ordentlichen, fein gepreßten Scheiben vor, farblich changierend zwischen hellem Gold und tiefem Kastanienbraun. Die Struktur ist homogen, das Schnittbild akkurat - ohne grobe Adern, ohne Bruch. Der Tabak wirkt solide und klassisch. 3. Kaltaroma: Beim Öffnen der Dose entfaltet der Flake ein warmes, vielschichtiges Aroma. Dominant sind Heu, Brotkruste und Malz, doch darüber legt sich eine zarte, pflaumig-süßliche Note, die ein behutsames Casing vermuten läßt. Diese subtile Fruchtigkeit erinnert an getrocknete Pflaumen, Honig und etwas Karamell - nie künstlich, sondern natürlich und den Grundtabal ergänzend. Der Duft besitzt jene ehrliche Wärme, die Virginia-Tabaken mit natürlicher Reife eigen ist. 4. Rauchverlauf: Anfang: Der Flake tritt weich und süß an. Die anfängliche Virginiasüße erinnert an holländisches Honigbrot, helles Getreide und frisches Heu. Die pflaumig-karamellige Saucierung unterstützt diese erste Phase dezent - sie rundet ab, statt sich aufzudrängen. Der Rauch ist cremig, mild und ausgeglichen. Mitte: Mit zunehmender Glut gewinnt der Flake an Tiefe. Die Süße bleibt präsent, verschiebt sich jedoch von hell nach dunkel: Brotkruste, Malz, ein Hauch von Trockenfrucht. Das zart-pflaumige Element bleibt erkennbar, wird aber trockener und würziger. Eine sanfte Wärme breitet sich aus, die an karamellisierten Zucker und helles Holz erinnert. Der Flake bleibt dabei ruhig und souverän, ohne Biß, ohne Schärfe. Ende: Im letzten Drittel treten nussige, leicht erdige Töne hervor, begleitet von einer feinen, trockenen Süße. Die Fruchtigkeit verflüchtigt sich, zurück bleibt ein getreidiger Abgang - angenehm und rund. Der Flake klingt so aus, wie er begann: unaufgeregt und klassisch. 5. Abbrand & Technik: Technisch zeigt sich der Flake vorbildlich. Er läßt sich gut entzünden, hält die Glut zuverlässig und brennt gleichmäßig ab. Selbst bei etwas höherer Kadenz bleibt er kühl und wird nicht bissig. Kondensat entsteht wenig, die Asche ist hell und fein. Die Kombination aus Feuchtigkeit und Schnitt ist mustergültig - man merkt, daß hier mit Bedacht gearbeitet wurde. 6. Raumnote: Die Raumnote ist dezent, warm und natürlich: Heu, frisch gebackenes Brot, eine Spur von Pflaume und ein Anklang von Zucker. Sie erinnert an Herbstluft nach der Ernte - zurückhaltend, kultiviert und angenehm altmodisch. Es ist der Duft eines echten Pfeifentabaks, nicht eines Parfüms. 7. Vergleich & Einordnung: Im Charakter steht der Bloemfontein in direkter Linie zu den großen Klassikern wie Capstan Blue oder Richmond Navy Cut. Er ist dabei weniger maritim und kräftig als diese, dafür ausgewogener und samtiger in der Süße. Die pflaumige Saucierung verleiht ihm eine zusätzliche Tiefe, die ihn von rein naturbelassenen Virginias unterscheidet, ohne ihre Tugenden zu verwässern. Der Flake ist ein Ausdruck kultivierter Zurückhaltung - eher Offiziersmesse als Zwischendeck. 8. Fazit: Tabac Benden’s Bloemfontein Navy Cut ist ein moderner Virginia-Flake mit traditioneller Seele. Er verbindet natürliche Süße mit einem feinen, pflaumigen Unterton und einer bemerkenswerten Balance. Sein Verhalten in der Pfeife ist mustergültig, sein Geschmack klassisch britisch, sein Wesen unaufdringlich und doch voll Charakter. Ein Tabak für den ruhigen Moment - kultiviert, ehrlich, traditionsbewußt. Wer die alte Kunst der Navy-Cuts schätzt und einen Flake sucht, der die Geschichte nicht nachahmt, sondern fortschreibt, findet im Bloemfontein Navy Cut einen würdigen Begleiter.

1. Einleitung: Dunhill’s (seit 2018 Peterson’s) Nightcap ist nicht lediglich irgendein Tabak, sondern eine veritable Institution. Er trägt jenen ehrwürdigen Charakter, den man mit dem Namen Dunhill verbindet: das Bewußtsein, daß Rauchgenuß nicht dem flüchtigen Zeitgeist verpflichtet ist, sondern in einer jahrzehntelangen, beinahe unverrückbaren Tradition steht. Seit seiner Einführung im mittleren 20. Jahrhundert gilt Nightcap als die Krönung des Abends - ein Tabak, der nicht von Leichtigkeit lebt, sondern von Gravität und innerer Ruhe. Wie alle Dunhill Tabake wurde er ursprünglich bei Dunhill in London selbst gemischt, dann (um 1980) bei Murray in Irland, später (um 2000) bei Orlik in Dänemark. Die rezente Peterson- Version von Orlik entspricht dem Rezept letzter Hand der bei Orlik bis 2018 unter Dunhill Label produzierten Tabakmischung. Die der Rezension zugrunde liegende Mischung stammt von Orlik (etwa 2017). 2. Optik & Schnitt: In der Dose liegen die Stränge des Tabaks sauber in korrekt gefaltetes Papier gefaßt: ein eher dunkles Gewebe mit helleren Einsprengseln aus Virginia, Orient, Latakia und einem Hauch Périque. Der Schnitt ist klassisch im Ribbon Cut gehalten, sehr sauber, wie es sich für eine englische Mischung dieser Provenienz ziemt. 3. Kaltaroma: Der Duft aus dem Gefäß kündigt an, was den Raucher erwartet: ein kräftiger Hauch von Rauch und Teer, fast wie ein Feuer im Kamin, getragen von der unterschwelligen Süße des Virginias. Dazu mischt sich dezent die trockene, herb-ätherische Würze des Orients und eine kaum merkliche, pfeffrige Fruchtigkeit, die man dem Périque zuschreibt. 4. Rauchverlauf: Anfang: Beim Entzünden entfaltet sich der Nightcap mit sofortiger Präsenz. Kein zögerliches Erwachen, sondern ein kräftiger, cremiger Rauch, der sogleich den Raum erfüllt: eindeutige Dominanz des Latakia, satt und umhüllend, doch gebändigt von der süßen Wärme des Virginias. Mitte: Das Zusammenspiel gewinnt an Tiefe. Der Orient tritt hervor, verleiht dem Ganzen eine edle ätherische Trockenheit, fast etwas säuerlich, wie eine feine Spannung im Gefüge. Der Périque wirkt nur als Gewürz - pfeffrig, fruchtig, niemals aufdringlich. Ende: Im Finale sinkt der Tabak gleichsam in die Nacht herab. Erdige, bitterschokoladige Anklänge bestimmen das Bild, die Süße tritt zurück, es bleibt ein gewichtiger, beinahe kontemplativer Nachhall. Dunhill’s Nightcap ist kein leichter Gefährte. Er besitzt Substanz und Stärke, sowohl aromatisch als auch im Nikotingehalt. Man raucht ihn nicht nebenher, sondern in Ruhe, nach getaner Arbeit, wenn die lauten Stimmen des Tages verstummen. 5. Abbrand & Technik: Der Tabak kommt m.E. optimal konditioniert aus der vakuumierten Dose. Er läßt sich, dank des dunhilltypischen, sauberen Ribbon Cuts, sehr leicht stopfen und nimmt die Flamme willig an. Nachzündungen sind bei ruhigem Rauchen gelegentlich nötig. Zungenbiß tritt nur bei sehr hastigem Rauchen auf. 6. Raumnote: Der Duft im Raum ist von jener weihevollen Herbheit, die dem Latakia eigen ist: rauchig, würzig, harzig. Für den Latakia-Fan ein willkommener Wohlgeruch, für den tabakaversen Außenstehenden eher unerträglich. 7. Fazit: Dunhill’s Nightcap ist die späte Stunde in Tabakform. Er ist nicht verspielt, nicht gefällig, sondern ernst, schwer, getragen. Wer ihn raucht, sucht keine Zerstreuung, sondern kontemplative Einkehr. Er ist ein würdevoller Schlußpunkt, ein Tabak, der den Tag abrundet wie der tiefe Klang eines letzten Akkordes. In einer Zeit, da vieles beliebig erscheint, bleibt Dunhill’sNightcap ein Rocher de Bronze: ein Ausdruck britischer Tabaktradition, der dem Connoisseur noch immer das schenkt, was man seit Generationen in ihm sucht - Ruhe, Tiefe und Gelassenheit.

1. Einleitung: Mit Shamkat erhebt Tabac Benden einen ehrwürdigen Anspruch: die Wiederbelebung einer nahezu vergessenen deutschen Pfeifentradition. Wie in einem alten Epos - und tatsächlich stammt der Name Shamkat (auch Shamhat geschrieben) aus dem Gilgamesch-Epos - zitiert diese Mischung das Erbe der Orient-Krüll-Blends, die bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg im deutschsprachigen Raum sowohl bei Zigaretten, als auch bei Pfeifentabak vorherrschend waren. In der Geschichte der deutschen Tabakmischkunst hat sich seitdem vieles verschoben: Mit dem zunehmenden Einfluß von traditionellen englischen, leicht aromatisierten dänischen und synthetisch übermäßig aromatisierten amerikanischen Blends gerieten die zart-würzigen, ungesüßten Orientblätter im deutschen Markt zunehmend in den Hintergrund. Tabac Benden begibt sich mit Shamkat bewußt auf einen Wiederentdeckungszug - ein mutiges Projekt, getragen von historischem Bewußtsein und Qualitätsanspruch. Die Entscheidung, die Fertigung bei Dan Tobacco Manufacturing (DTM) in Lauenburg zu realisieren, ist dabei kein Zufall: Die Manufaktur in der alten Mälzerei ist eine Bastion handwerklicher Tabakherstellung, in der Rohtabak lange reift, pressen noch händisch betrieben werden und die Tradition sorgfältiger Mischkunst lebendig gehalten wird. 2. Optik & Schnitt: Beim Öffnen der 50-g-Dose von Shamkat fällt zunächst der locker geschnittene Loose Cut ins Auge. Die Blätter präsentieren sich in einem dezenten Spektrum: Hell- bis olivbraun gefärbte Orient-Tabaksorten, durchzogen von mittelbraunen, reifen Virginias. Die Struktur wirkt ausgeglichen: nicht zu fein geschnitten, sodaß das Material beim Stopfen der Pfeife seine Eigenart behält, aber auch nicht so grob, daß es unhandlich würde. 3. Kaltaroma: Aus der liebevoll orientalisch gestalteten Dose entfaltet sich ein rassig-würziger Orientduft. Man erkennt eine kräuterig-florale Orientnote, die nicht flach oder oberflächlich ist. Laut den Entwicklern wurde ein libanesischer Orienttabak ausgewählt, der Körper, Struktur und Aroma mitbringt, anders als die „filigranen, subtilen“ Blätter, die man heute häufig findet. Begleitend dazu liegt eine warme, süßliche Virginiakomponente in der Nase, aber sie wirkt nie dominant oder überladen. Diese Virginiasüße balanciert wunderbar die würzige Tiefe des Orients. 4. Rauchverlauf: Anfang: Beim Entzünden überrascht Shamkat durch eine elegante Leichtigkeit. Der Orient dominiert sofort mit einer dezenten Würze, ganz leicht erdig, mit einem Hauch von Nüssen und - deutlicher - trockenen Kräutern und Blumen, ohne dabei bitter zu wirken. Die Virginias spielen eine dezente Süße aus, die dem ersten Eindruck eine samtige Leichtigkeit verleiht. Mitte: In der Mitte der Pfeifenfüllung entwickelt sich das Profil weiter in Richtung einer ausgewogenen Harmonie. Der Orient bleibt präsent, aber der Virginia zeigt zunehmend seine natürliche, honigartige Süße und es kommen feine grasige oder strohige Untertöne durch. Gleichzeitig bleibt die ätherische Würze stabil, es entsteht eine würzige, fein nuancierte Komplexität. Ende: Zum Schluß verhält sich die Mischung zurückhaltend. Die Würze wird weicher, zugleich wird die Virginiasüße etwas trockener. Es entsteht ein sauberes, ruhiges Finish, ohne aschig zu werden oder unangenehme Spitzen. Der Tabak verklingt in einer Balance zwischen trockener Süße und würziger Wärme. 5. Abbrand & Technik: Der Abbrand von Shamkat ist vorbildlich - was man von einer sorgfältig komponierten, naturbelassenen Mischung erwarten darf, die bei DTM in Handarbeit gefertigt wird. Der Tabak entzündet sich leicht und gleichmäßig, die Glut bleibt stabil. Die Technik erfordert keine außergewöhnlichen Manöver: Ein normales Stopfen nach der bewährten Drittelmethode reicht, gelegentliches Nachzünden genügt bei moderatem Tempo. Die Feuchtigkeit der Blätter wirkt gut ausbalanciert - weder zu trocken, noch zu feucht. Zungenbiß und Bitterkeit treten nicht einmal bei forcierter Kadenz auf. 6. Raumnote: Im Raum hinterläßt Shamkat eine dezent würzige, kultivierte Raumnote. Der Duft ist präsent, aber niemals aufdringlich: Er erinnert an eine leichte orientalische Gewürzmischung, durchzogen von dem süßlich-kräftigen Hauch von Virginia. Für das Rauchen in Gesellschaft ist dieser Tabak daher gut geeignet - er belästigt nicht, sondern bereichert die Atmosphäre mit kultiviertem Charakter. 7. Vergleich & Einordnung: Um Shamkat angemessen zu verorten, ist ein Vergleich mit klassischen Dunhill-Mischungen aufschlußreich. Dunhill-Blends sind für ihre meisterhafte Balance und Tiefe berühmt – insbesondere solche mit Orient-Charakter wie z. B. Dunhill’s My Mixture 965, Durbar oder London Mixture. Allerdings enthält Shamkat keinen Latakia. Im direkten Vergleich zeigt Shamkat eine teilweise ähnliche Würzigkeit wie ein klassischer, orientbetonter Dunhill-Blend, aber mit eigenständiger Handschrift: Der libanesische Orient im Shamkat ist körperreicher und präsenter als manche Dunhill-Orientblätter, denen gelegentlich eine gewisse Sanftheit attestiert wird. Gleichzeitig ist der Virginia m.E. bei Tabac Benden‘s Komposition weniger süßlich-fruchtig als bei manchen Dunhill Mixturen, sondern eher trocken und strukturiert. Wo Dunhill oft auf perfekt polierte Harmonie und einen sehr gepflegten Rauchstil setzt, wirkt Shamkat eher „handwerklich verwurzelt“: Es ist eine Mischung, die zuerst historisch inspiriert, aber dann leidenschaftlich neu interpretiert wurde. In der deutschen Tradition orientiert, aber eher als Bewahrung des Feuers, als als Anbetung der Asche. Mich erinnert der Shamkat etwas an Preston‘s Presbyterian Mixture - ohne den dortigen, ohnehin sehr geringen Latakiaanteil. 8. Eignung & Empfehlung: Tabac Benden’s Shamkat ist insbesondere für den erfahrenen und historisch interessierten Pfeifenraucher bestimmt, der Freude an naturnahen, unaromatisierten Mischungen hat und ein Faible für Orient-Tabake besitzt. Sein Profil ist nicht übermächtig, sondern intelligent ausbalanciert - ideal für ruhige Momente, bewußtes Rauchen und Besinnung. Weniger geeignet ist Shamkat wohl für Freunde sehr süßer Aromaten oder für Raucher, die eine kräftige, stark rauchig-harzige Mischung suchen - hier fehlen intensive Zusatzaromen oder sehr dunkle Komponenten wie Latakia, Périque oder Dark Fired Kentucky. Wer jedoch die Wiederentdeckung traditioneller deutscher Pfeifen-Kultur schätzt, dem sei dieser Blend wärmstens empfohlen. Auch für Sammler ist Shamkat eine spannende neue Ergänzung. 9. Fazit: Tabac Benden’s Shamkat ist ein authentisches, sorgfältig komponiertes Revival einer klassischen deutschen Orienttradition - eingebettet in moderne Handwerkskunst. Sein ausgewogener Loose Cut, sein würzig-feiner Aromaverlauf und sein kultivierter Abbrand spiegeln die Sorgfalt und das Engagement von DTM in Lauenburg wider. Der Blend zeichnet sich durch stilistische Tiefe aus: Der libanesische Orient-Tabak liefert kernige Würze, die von einer dezenten Virginiasüße sanft getragen wird, ohne je klischeehaft süß zu wirken. Shamkat ist keine nostalgische Kopie, sondern eine lebendige Neuinterpretation. Für den Kenner, der den feinen, unaromatisierten, aber dennoch charaktervollen Rauch sucht, ist Shamkat ein echter Gewinn. Er lädt ein zum langsamen Genießen, zu meditativem Rauchen – und steht gleichzeitig in der Tradition großer Tabakklassiker, ohne ihnen sklavisch zu folgen. Eine märchenhaft kultivierte Wiedergeburt, wie sie nur selten gelingt.

1. Einleitung: Orlik Golden Sliced gehört zu jenen schlichten, verläßlichen Klassikern, die in der langen Linie europäischer Tabakkultur still, doch beständig ihren Platz behaupten. Orlik selbst - eine Marke mit Wurzeln in London und heute Teil der dänischen Tabakindustrie (STG) - steht für handwerkliche Traditionspflege in modernenem Gewand; Golden Sliced ist ein Flaggschiff des Virginia-Périque-Konzeptes mit einer leichten Würze, wie sie sich über Jahrzehnte in Raucherkreisen bewährt hat. Der Flake verkörpert hier die skandinavische Interpretation der klassischen britischen Schule. Seine Rezeptur ist ebenso schlicht wie raffiniert – helle Virginias, ein sehr diskreter Anteil Périque, und eine subtile, zitrusfruchtige Saucierung, die den natürlichen Charakter hebt, aber nie überlagert. Optik & Schnitt: Die hellgoldenen, dünn geschnittenen Flakes schimmern zwischen Strohgelb und bernsteinfarbenem Rot und zeigen die Homogenität feiner Virginias. In ihrer Textur sind sie geschmeidig, leicht ölig, mit der typischen Elastizität eines behutsam gepreßten Navy Cuts. Die Optik verrät bereits, daß hier kein rustikaler Blend, sondern ein präzise abgestimmter Virginia-Tabak vorliegt. 3. Kaltaroma: Der Duft aus der Dose ist charakteristisch: ein sonniger, süß-fruchtiger Virginia-Ton mit frischem Heu, getrockneten Aprikosen und einem Hauch von Zitruszeste. Darunter liegt jedoch der Anklang einer dunkleren, fermentierten Tiefe, die man mit geübtem Gaumen dem Périque zuschreiben kann - sehr fein, leicht pfeffrig, beinahe feigenartig. Hinzu kommt eine dezente Saucierung, vermutlich auf Basis von Zitrusöl oder Orangenschale, die - klassisch dänisch - nicht maskiert, sondern akzentuiert. Sie hebt die natürliche Süße der Virginias hervor, ohne in das vulgär Aromatisierte beispielweise eines DTM BiBo abzurutschen. Das Resultat ist eine Duftkomposition von zurückhaltender, klassischer Eleganz. 4. Rauchverlauf: Anfang: Die ersten Züge sind hell und süßlich, mit einer fast limonigen Frische. Die Virginias präsentieren sich zu Beginn fruchtig und zart karamellisiert. Die Saucierung tritt hier am deutlichsten hervor – ein Hauch von kandierter Orange, der sich im Verlauf verflüchtigt und den natürlichen Aromen Raum läßt. Mitte: Im weiteren Verlauf kommt der Périque sehr dezent zum Tragen: Er zeigt sich nicht laut oder scharf, sondern als sehr feine, pfeffrig-dunkle Unternote, die das Profil abrundet. Sie bringt Tiefe, spendet eine Idee von Dörrobst - Feige, Pflaume - und verleiht der Komposition jene würzige Spannung, die den Golden Sliced über den Status eines reinen Virginia-Tabaks erhebt. Die Saucierung tritt nun weiter zurück; sie hat ihre Aufgabe erfüllt, die helle Süße zu initialisieren, und überläßt den natürlichen Fermentationstönen das Feld. Ende: Gegen Ende der Füllung dominiert der gereifte Virginia - trocken, sauber, mit einem leicht toastigen Charakter. Der Périque hält noch dezent stand, trägt aber nicht zur Schwere bei. Der Tabak endet klar und ohne Bitterkeit, mit einem Anklang von Honig und Brotkruste. Ein Abgang, der fast englisch anmutet in seinem zurückgenommenen Auftreten. 5. Abbrand & Technik: Golden Sliced brennt vorbildlich gleichmäßig. Die Flakes lassen sich wahlweise gefaltet oder aufgerieben stopfen; beide Varianten zeigen ein verläßliches Zug- und Abbrandverhalten. Die Feuchtigkeit ist meist optimal ab Werk, so daß in der Regel kein Antrocknen nötig ist. Er verlangt etwas Aufmerksamkeit, da er bei erhöhter Kadenz schnell „bissig“ wird. 6. Raumnote: In der Raumnote entfaltet sich ein zurückhaltend süßer, beinahe honigartiger Duft. Der Périque tritt hier kaum bis gar nicht hervor, wohl aber die zitrushelle Virginia-Note, begleitet von einer sanften, angenehmen Frische. Im häuslichen Umfeld bleibt der Eindruck gepflegt und nicht aufdringlich - dänische Hygge par excellence. 7. Einordnung & Vergleich: Unter den hellen Virginia-Flakes nimmt Orlik Golden Sliced eine besondere Stellung ein. Während etwa Capstan Gold Flake noch etwas weicher und malziger erscheint, bringt Golden Sliced durch seinen Périque-Hauch mehr Struktur und Spannung ins Spiel. Der Einfluß der dänischen Schule zeigt sich in der zurückhaltenden Saucierung, die die natürliche Süße betont, ohne künstlich zu wirken – weit entfernt von den synthetisch aromatisierten Mixturen moderner Provenienz. Der in US-Foren mit querulatorischer Vehemenz geführte Diskurs, ob tatsächlich Périque enthalten sei, ist seit Jahren lebendig - frühere Herstellerangaben erwähnen Burley, spätere bestätigen den Périque. Doch im Rauchbild ist die Wahrheit zu schmecken: jene subtile Würze und die figuralen Fruchttöne können kaum anders erklärt werden. Sie sind das stille Rückgrat dieses Blends. Möglicherweise erklärt sich die Diskrepanz in den Herstellerangaben durch den Umstand, daß Périque letztlich auch nur ein Burley, wenngleich ein ganz Besonderer, ist. Ähnliche Mißverständnisse sind ja auch bei Orient und Latakia (Letzterer wird häufig unter Orient subsummiert) bekannt. 8. Fazit: Orlik‘s Golden Sliced ist ein Musterbeispiel dänischer Tabakkultur nach britischem Vorbild: maßvoll, edel, elegant. Sein Geheimnis liegt in der Balance zwischen natürlicher Virginia-Süße, leiser Périque-Würze und einer leichten, abrundenden Zitrus-Saucierung. Er ist weder fordernd noch banal, weder altmodisch noch modern - er steht einfach fest in der Tradition. Für den Connoisseur bietet er ein Lehrstück in harmonischer Abstimmung, für den Einsteiger eine kultivierte Einladung in die Welt der echten Flakes. Ein Tabak, der die Vergangenheit ehrt, ohne sie zu imitieren - und dessen noble Schlichtheit ihn zu einem zeitlosen Begleiter macht.