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Helmut Schmidt - Schnupfen statt Rauchen


Dieser Mann galt vielen als ein medizinisches Wunder. Ein Extremsportler einer ganz speziellen Disziplin, die in der heutigen Zeit – so sportversessen und gemüseverliebt wie kaum eine zweite – auszusterben droht. Nicht zuletzt deshalb, weil ihre Leistungsträger ungezählte Male am Tag die Gesundheit herausfordern, um ihrer größten Leidenschaft zu frönen: dem Rauchen. Helmut Schmidt war kein Kettenraucher. Denn selbst eine Kette kennt einen Anfang und ein Ende. Helmut Schmidt dagegen nicht. Dieser Mann liebte sein Laster, und das über 80 Jahre lang – das ist mehr als die Lebenserwartung eines Durchschnittsdeutschen. Am liebsten natürlich Zigaretten. Und wo das nicht ging, da zog er sich seinen geliebten Schnupftabak durch die Nasenhöhlen.

Ist Rauchen Körperverletzung?

Helmut Schmidt kam nicht ganz freiwillig zum Schnupftabak. Während seiner Abgeordnetenzeit im Deutschen Bundestag herrschte – und herrscht immer noch – ein striktes Rauchverbot. Schmidt war nicht gerade bekannt dafür, seine Leidenschaft für Tabak irgendetwas anderem unterzuordnen. Legendär sind seine Raucheskapaden bei öffentlichen Auftritten, wenn Gäste und Prominenz sich des Rauchens enthielten, weil ein Verbot es so vorschrieb, während er und seine Frau Loki sich munter quarzend unters Volk mischten. Anders die strengen Sitten im Plenarsaal, an die sich Schmidt nur widerwillig gewöhnen konnte und sich statt dessen aufs Schnupfen besann – einer ebenso eleganten wie historisch alten Form des Tabakkonsums. Dass der Bundeskanzler sich seinen Tabakkonsum so einschränken ließ, ist eigentlich gar nicht seine Art. Von Menschen, die seine Leidenschaft teilten, aber auch von nicht rauchenden liberal denkenden Menschen, die die Nase voll hatten von Verordnungen, Gängeleien und Drangsalierungen, bekam er zumindest unausgesprochene Zustimmung, weil er sich einfach nicht dem herrschenden Zeitgeist anpassen wollte. „Der letzte Raucher“ ist der Titel eines Buches über ihn, das ihn geradezu als Fels in der Brandung beschreibt. Ein Helmut Schmidt ließ sich von niemandem das Rauchen verbieten, selbst eine Anzeige gegen ihn und seine Frau wegen „Körperverletzung“ ließ ihn persönlich kalt – hatten beide doch beim Neujahrspunsch 2008 in der Komödie Winterhuder Fährhaus ostentativ inmitten aller Gäste ihrer Leidenschaft gefrönt. Dreimal in seinen Leben habe die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, glaubte sich Schmidt zu erinnern: 1944 wegen Witzen über Nazis, Anfang der 60er in der Spiegel-Affäre wegen Beihilfe zum Landesverrat – und zuletzt aufgrund pikierter Neujahrsgäste.

Schwarz-Braun ist die Nasenlust

Mit den Azteken und Inkas hat das Tabakschnupfen begonnen, es wird mit Helmut Schmidt sicherlich nicht enden. Denn der Schnupftabak verzeichnet gerade heute Wachstumsraten, die vor Jahren nicht vorstellbar waren. Das hat nicht allein mit dem gestiegenen Abwehrverhalten großer Teile der Bevölkerung und der Politik gegenüber Rauchern zu tun. Ein weiterer, vielleicht sogar der entscheidende Grund ist derjenige, dass Schnupfen eine mit Fug und Recht gesünder zu nennende Alternative zum üblichen Rauchvergnügen ist. So lange und so viel schon über Tabak medizinisch geforscht wird, es ist noch immer niemandem gelungen, ernsthaft nachzuweisen, dass Schnupftabak Krebs – und sei es auch nur Nasenkrebs – verursacht. Oberarzt Önder Götkas von der HNO-Abteilung der Charité in Berlin gibt deshalb offen zu, dass es immer noch nicht gelungen sei, den Nasentabak zu „überführen“. Helmut Schmidt würden diese wissenschaftlichen Erkenntnisse erfreuen. Vielleicht hätten sie ihn in seinen letzten Lebensjahren sogar dazu verleitet, sich regelmäßiger der schwarz-braunen Lust hinzugeben und auf seine geliebten Rauchwaren zu verzichten. Seinen leidenden Mitmenschen wäre es jedenfalls zu gönnen gewesen…


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