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Kommentar: Der Tabak spricht

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Cornell & Diehl Tabak Dreams of Kadath
verifizierter Kauf

Beim ersten Schnuppern in die Dose hinein war ich ziemlich baff. Abgesehen davon, dass der fette und beinahe speckig ölig anmutende Plug-Quader auch schon ein optisches Vergnügen ist. Jedenfalls roch der Tabak auf den ersten Ruch - oder sagt man - auf den ersten Riech - exakt und zwar wirklich exakt so, wie Quitte, oder besser gesagt: wie eine Quitte, die man eben wegen ihres Wahnsinns-Aromas auf den Ofen oder die Heizung legt, damit sie dort langsam vor sich hin fault und auf diese Weise nach und nach ihren faulig ätherischen Duft in das spätherbstlich dämmrige Zimmer hinein verbreitet. Obwohl ich ein Aromatenskeptiker bin, nicht direkt ein Aromatenverächter, hatte dieser Quader damit von Anfang an meine volle Sympathie und meinen ganzen Respekt. Denn erstens war mir noch nie Quitte in dieser angefaulten fast schon alkoholisch anmutenden Präzision in einem Tabak begegnet und zweitens würde ich diesem bewussten und gewollten olfaktorischen Auftakt jede Menge Mut zusprechen. Denn angefaultes fast schon gäriges Quittenaroma ist nicht jedermanns Sache und weicht entschieden ab von allgemeiner Gefälligkeit. Wie dem auch sei, der Tabak fällt für mich mindestens ebenso exakt in einen jahreszeitlichen Stimmungs- und Genussraum, also in den ganz späten Oktober bis fast in den Dezember. Dabei widersetzt sich die bekanntlich ziemlich hartlaibige Quitte lange, sehr lange mit einer sonnengelben Farbe allen anstehenden Prozessen der Vergängnis. Beinahe trotzig und wiederständig hängt sie manchmal noch an ihrem Baum, wenn selbst die spätesten Birnen schon gefallen sind. Ihre kleine widerständige Sonne leuchtet lange sehr gelb durch finsternde Nebelabende, frühfröstelnde Matsch- und Regendüsternisse, und erst spät, sehr spät, beginnt sie ihre sehr vornehme, sehr stark duftende und allmähliche Passion der aristoktatischen Fäulnis und Verwesung. Man hatte eigentlich schon garnicht mehr damit gerechnet. Und genau diesen aromatisch sehr komplexen Prozess scheinen die Macher bei cornell und diel bewusst oder unbewusst im Konzept gehabt zu haben. Kein Obst fault schöner, keine Frucht verwest aromatischer und abwechslungsreicher als die Quitte. Aber natürlich ist Dreams of Kadath nicht platt "quitte-aromatisiert", Er bleibt von der Overtüre der ersten Flamme bis zur Finssage am Grund der Pfeife durchaus deutlich Tabak, und zwar ein durchaus kräftiger bis sehr kräftiger. Zwischendrin jedoch changiert der ganze Rauchvorgang oppulent in spätester Herbstwürzigkeit, da ist eine Art feuchtes Waldrosmarin oder ein Dämmerstundenoregano gemischt mit kokelnden Kartoffelfeuern ebenso möglich wie die Ahnung von allen möglichen Obstbränden, Birnen, Mirabellen dunklen Moosen, Torfen und Spirituosen ebenso enthalten wie die Anwesenheit von Hitze in der Kälte, Rauch im Herbst und Winter, also die Erinnerung an das Licht und die gelbe Strahligkeit der Qitte, die uns hier am Anfang ihren Duft präsentierte. Die Ätherik oder spirituosenhafte Esotherik, vermutlich durch den beigemischten Katerini-Orient, der Eindrücke passt sehr gut in die Rauhnächte, die nach Schnee und knackend harzigem Feuer gleichermaßen rufen. Und weil der Tabak ziemlich stark ist, ist sein bedächtiger Genuss nach einem fetten Weihnachtsessen auch nochmal ein Fest. Den Plug hab ich ziemlich untechnisch abgerissen und kleingerubbelt, eine halbe Stunde ablüften lassen, dann nicht allzu feste in die große Missouri-Meerschaumpfeife gestopft. Das Rauchverhalten war gut. Ob dieser Tabak gut zündet, gut durchbrennt u.s.w. ist mir sowieso ziemlich egal. Er gewinnt sogar durch gelegentliches Kaltwerden der Pfeife und dem Wiederentzünden, das eine gewisse "Süße der zweiten Flamme" nach sich zog. Der Tabak hat sowieso Langsamkeit und Zuwendung verdient. Da ich die namensgebende Geschichte der Literatur von Lovecraft nicht gelesen habe, bleibe ich bei meinem Erstaunen, wie sehr dieser Tabak die Schönheit der fruchtig ätherischen Fäulnis und Vergängnis in eine Sinfonie zu verwandeln weiß, die an Nase, Zunge und Gaumen sogleich die Wiederauferstehung zelebriert. Einzig bei der Raumnote, insbesondere für nebenstehende Nichtraucher oder unbeteiligte Zeitgenossen könnte es durchaus ambivalente Meinungen und Eindrücke geben. Insbesondere deshalb, weil die Symphonie der spätherbstlichen Fäulnis möglicherweise für Sekundär-Atmer eine andere Geschichte in einer sozusagen unzureichenden oder nur lückenhaften olfaktorischen Übersetzung erzählt. Aber das muss jeder mit seinen nahen Umstehenden selbst abgleichen.



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Robert McConnell Heritage Barking Road 50g
verifizierter Kauf

Der anschlagende Hund auf der bellenden Straße. Very british ist schon der Witz im Namen dieses Tabaks, eine kleine Doppeldeutigkeit. Barking Road für "Bellende Straße". Aber dann gibt es dieses Barking tatsächlich und die Straße auch. Sie ist eine eher pragmatische und alltägliche Take-Away-Magistrale von den East India-Docks nach Barking. Eher eine windige und geschäftige und "bellende" Gegend. Und der Tabak allerdings "bellt" tatsächlich auch ein bisschen. Ein heftiger Wachmacher und von vorne bis hinten straight präsent, rauchig, röstig, würzig und nikotinabel. Wenn es nicht so verboten wäre, könnte man geschmacklich die alten, mittlerweile verschwundenen und ehemals filterlosen Gitane-Zigaretten im gilblichen Mais-Papier (Gitane mais)assoziieren. Also man riecht und schmeckt gefeuerte Öfen, und der rauhe Wind der Barkingroad trägt das Salz des Ärmelkanals, das Schweröl der nahen Häfen und die Aromen in die Nase, auf die Zunge und den Gaumen. Irgendwo wird mit heißem Teer ein Schlagloch geflickt. An einer anderen Stelle räuchern fette Fische im Ofen. Oder jemand wärmt sich die klammen Finger über einer brennenden Tonne. Dabei ist es erst 6 Uhr Morgens. Gerade gab es Bohnen mit geräuchertem Speck. Und doch wirkt die Tabakmischung nicht wie aus irgendwelchen Resten zusammengekehrt, sondern als eine gut abgestimm Komposition. Kein Bare-Knuckle-Tabak. Eine Faust schon, aber im Handschuh, wahlweise Winter-oder Box- oder Arbeitshandschuh. Die Virginias halten die manchmal durchscheinende Brutalität elegant. Nach meinem Dafürhalten passt ein schwarzer Kaffee mit viel Zucker gut zu diesem Tabak. Und ganz sicher entfaltet er in unspektakulären aber industriell verträumten Vorstadt-Gegenden bei kaltem Wetter am frühen Morgen unter einer alten flackernden Leuchtreklame seine authentische und charaktervolle Persönlichkeit am Besten. Ein Stimmungstabak der morgenstädtischen Rumpeligkeit , der aber auch ein kleines inneres Memo als Nuance offenbart. Wieder liegt es wohl an den Virginias, die subtil und ganz unten Drunter ein Hauch von Stille oder eine Spiegelscherbe von Ländlichkeit und der Möglichkeit von Idylle bereithalten. Ein ganz feiner Dunst, der sagt: Es gibt da noch ein Jenseits des Lärms und der Geschäftigkeit und der Wettbüros.



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