Wer über Zigarillos aus Spanien spricht, landet zwangsläufig bei den Kanarischen Inseln. Denn dort sitzt ein guter Teil der Tradition, dort wurde die karibische Tabakkultur weitergedacht, und dort hat sich über Jahrzehnte eine eigene Handschrift entwickelt. „Kanarischer Tabak“ meint dabei nicht zwingend Tabak, der auch auf den Inseln gewachsen ist, sondern vor allem ein Produkt, das dort hergestellt wird. Gerade diese Mischung aus spanischem Markt, atlantischer Lage und kanarisch geprägter Fertigungsgeschichte macht den Reiz aus. Teneriffa bildet bis heute das Tabakzentrum Spaniens.
Das erklärt auch, warum spanische Zigarillos oft anders wahrgenommen werden als viele standardisierte Kleinformate aus anderen Ländern. Scheinbar mühelos gelingt Spaniern das, was man die Quadratur des Kreis nennen könnte: der perfekte Kompromiss zwischen schneller Rauchpause und echtem Tabakgenuss.
Dass der Staat den Markt streng rahmt, gehört ebenfalls dazu: Der Comisionado para el Mercado de Tabacos überwacht den Markt und die Preise werden amtlich veröffentlicht. Parallel veröffentlicht das Finanzministerium Jahr für Jahr eigene Marktübersichten für Kategorien wie Cigarrillos und Cigarros – ein Hinweis darauf, wie fein das Sortiment dort administrativ und wirtschaftlich unterschieden wird.
Gerade im kleinen Format zeigt sich dabei eine typisch spanische Stärke: Zigarillos müssen nicht groß auftreten, um interessant zu sein. Viele spanische Vertreter setzen weniger auf Wucht als auf Direktheit. Sie wollen nicht die ganze Aufmerksamkeit eines Abends, sondern zehn oder fünfzehn Minuten, in denen der Tabak präsent ist, ohne sich aufzudrängen.
Spannend ist an spanischen Zigarillos auch, dass sie sich nicht sauber in die üblichen Schubladen pressen lassen. Sie sind weder bloß „günstige kleine Zigarren“ noch einfach das gehobenere Gegenstück zur Zigarette. Gute Vertreter aus Spanien funktionieren eher als eigene Kategorie: tabakiger als eine Zigarette, unkomplizierter als eine klassische Zigarre, aber oft mit genug Charakter, damit der Unterschied sofort spürbar ist. Genau deshalb haben sie bis heute ihre Anhängerschaft.
Ein gutes Beispiel dafür ist El Guajiro. Die Marke hat ihre Wurzeln in Santa Cruz de Tenerife; Tabacos El Guajiro S.A. wurde dort 1935 gegründet und arbeitete zunächst handwerklich, bevor ab den frühen 1960er-Jahren die Industrialisierung stärker Einzug hielt.
Am Ende sind Zigarillos aus Spanien vor allem dann interessant, wenn man sie als eigenständige Kategorie versteht: Tabak mit kanarischem Hintergrund, spanischer Marktgeschichte und einem oft erstaunlich ehrlichen Auftritt. Genau darin liegt ihre Stärke. Sie wollen nicht größer wirken, als sie sind. Sie wollen als kleines Format überzeugen – und das gelingt den besseren spanischen Zigarillos erstaunlich oft.