Im Herzen der Insel am Loch Indaal liegt Islays älteste lizensierte Destillerie, gegründet 1779 von einem Farmer namens David Simson. Benannt wurde die Marke schlicht nach ihrer Heimat, der Inselhauptstadt Bowmore. Neben der schottischen Fahne hängt am Portal auch die japanische. Denn inzwischen gehört Bowmore zum Getränkeriesen Suntory Beam, doch der Qualität des altehrwürdigen Tropfens tut dies keinen Abbruch. Dass Japaner etwas von gutem Whisky verstehen, haben sie mit anderen Marken, Auchentoshan etwa, bereits bewiesen.
Bowmore Whisky: Mild, doch nicht zu mild
Nicht nur geographisch, auch was den Phenolgehalt betrifft, befindet sich Bowmore in Islays Mitte. Er ist nicht so torfig wie die Schwergewichte der Südküste, aber weniger mild als die Sorten aus dem Norden der Insel. Manche halten ihn gar für den idealen Einsteiger-Drink in die faszinierende Welt der Islay-Malts. Andere wiederum heben hervor, dass er besonders rauchig ist.
Torfeinsatz und nachhaltige Herstellungswege
Das mag an seiner Herstellungsweise liegen: Der Torf wird zunächst zu Briketts gepresst, was das Torfaroma beim Mälzen verstärkt. Gleichzeitig kann auf diese Weise der Verbrauch um drei Viertel gesenkt werden. Ressourceneffizienz wird bei Bowmore großgeschrieben. Und so ist sogar in einem ausgedienten Lagerhaus inzwischen ein Schwimmbad eingerichtet, das mit Abwärme der Brennerei beheizt wird.
Trotz solch hochmoderner Errungenschaften bleibt vieles bewusst handwerklich: Ein Teil der Gerste malt die Brennerei noch auf eigenen Mälzböden, der Torfrauch aus dem Kiln zieht durch die offene Darre und legt sich wie ein aromatischer Filter über das Malz.
Bowmore Geschmack: Maritimer Islay Single Malt mit sanftem Rauch
Bowmore steht im Islay-Kosmos genau dort, wo viele Genießer ihren Lieblingsplatz finden: zwischen kräftig getorften Klassikern und milden Malts. Der Single Malt gilt als mittelstark getorft und kombiniert sanften Rauch mit frischen Zitrusnoten, maritimer Salzigkeit und einer angenehmen Süße. Statt brachialem Lagerfeuer zeigt Bowmore eine elegante, fast urbane Interpretation von Rauch, die auch Neulingen den Einstieg in die Welt der Islay Whiskys leicht macht.
Vielleicht steckt der Westwind dahinter, denn keiner anderen Islay-Brennerei bläst die Seeluft derart in die Stube. Und davon bleibt der Whisky natürlich nicht unberührt: Salzige, saubere Luft bestimmt die Reifung, schlägt sich im Whisky nieder und verleiht ihm eine leichte Sole-Note.
Bei Fässern setzt die Destillerie setzt auf eine Mischung aus Bourbon- und Sherryholz, die dem Whisky Noten von Vanille, Honig, Schokolade und getrockneten Früchten mitgibt. Die Küstenlage steuert eine klare, leicht salzige Brise bei, sodass im Glas ein Bild entsteht, das an kandierte Orangenschalen am Strandfeuer erinnert. Das wirkt komplex, bleibt aber stets trinkfreudig und lädt eher zum zweiten Glas ein, als zu akademischen Diskussionen über Phenolgehalte.
Bowmore 12 und 18 Jahre: Charakter und aromatische Unterschiede
Die Brennerei konzentriert sich klar auf Single Malt, was dem Markenprofil als charakterstarker Islay Whisky spürbar zugutekommt. In der Kernrange finden sich Klassiker, die in vielen Bars quasi zum Pflichtinventar gehören.
- Bowmore 12 Jahre gilt als Herzstück der Marke und kombiniert elegante Torfigkeit mit Noten von Honig, Vanille, gereifter Frucht und einem Hauch Kakao, abgerundet von einem angenehm rauchigen Finish.
- Bowmore 18 Jahre zeigt die gereifte Seite der Brennerei mit tiefer Fruchtigkeit, Anklängen von tropischen Früchten, feinem Holz und einem sehr harmonisch eingebundenen Rauchschleier, der lange nachklingt.
Fazit zu Bowmore: Vielschichtiger Islay Whisky zwischen Rauch und Eleganz
Bowmore ist die ideale Adresse für alle, die Islay Whisky lieben, aber nicht bei jeder Flasche das Gefühl haben möchten, einen Torfziegel zu kauen. Die Brennerei verbindet seit Jahrhunderten Handwerk, Küstenklima und eine sehr eigenständige Aromensprache, die Rauch, Frucht, Salz und Süße in ein ausgewogenes Ganzes bringt. Wer den subtilen Humor im Glas sucht, findet ihn hier: Bowmore grinst eher verschmitzt, als laut zu lachen, bleibt aber lange im Gedächtnis.