El Titan de Bronze

Ein Titan braucht offenbar nicht viel Platz: Seit 1995 steht El Titan de Bronze in Miamis Little Havana für Zigarren aus einer familiären Manufaktur. Sandy Cobas beginnt mit einem Roller im Spirituosenladen. Heute fertigen erfahrene Torcedores hier in sorgfältiger Handarbeit. Die Redemption verbindet Tabake aus Ecuador und Nicaragua zu einem mittelkräftigen Blend mit Zedernholz, Toast, Gewürzen und feiner Süße. Weiterlesen

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Ein Titan braucht offenbar nicht viel Platz. An der Calle Ocho in Miamis Viertel Little Havana genügt ihm eine überschaubare Zigarrenmanufaktur: El Titan de Bronze. Der Name klingt gewaltig, der Betrieb bleibt familiär. Und mittendrin steht Sandy Cobas, die sich ihren Platz in der Zigarrenwelt mit Entschlossenheit erkämpt hat.

Die Geschichte beginnt 1995 in Miami. Sandy Cobas betreibt einen Spirituosenladen, dessen Kundschaft während des amerikanischen Zigarrenbooms zunehmend nach guten Zigarren fragt. Nur lassen sich die begehrten Stücke kaum beschaffen. Cobas stammt aus einer kubanischen Familie, eine Tabakdynastie steht allerdings nicht hinter ihr. Dafür besitzt sie Unternehmergeist. Sie organisiert einen Zigarrenroller und lässt direkt im Geschäft produzieren.

El Titan de Bronze verweist auf Antonio Maceo, einen bedeutenden Kämpfer für die Unabhängigkeit Kubas, dessen Beiname „der bronzene Titan“ lautet. Cobas gefällt die Kraft, die darin steckt. Wer einen kleinen Betrieb durch eine von großen Namen geprägte Branche führt, kann davon schließlich einiges gebrauchen.

Der Ruf der Werkstatt reicht dabei weit über die eigene Marke hinaus. Auch für Namen wie La Palina, Warped und Padilla entstehen hier Zigarren. Solche Auftragsarbeiten machen El Titan de Bronze zu einer Adresse, die man möglicherweise schon im Humidor hat, ohne es zu wissen. Auf der Bauchbinde steht schließlich nicht immer der Name der Menschen, die hinter dem Produkt stehen.

In der Fertigung in Miami setzt El Titan de Bronze auf erfahrene Torcedores, darunter sogenannte Level-9-Roller mit Erfahrung aus bekannten kubanischen Fabriken. Sie verarbeiten die Einlage nach der Entubado-Methode: Die Blätter werden zu kleinen Röhrchen geformt und anschließend zum Wickel zusammengefügt. Die dabei entstehenden Luftwege unterstützen den Zug. Den Kopf schließt eine dreifache Kappe ab. Auch die Kontrolle gehört zum täglichen Ablauf; ein weiterer erfahrener Roller oder Blender prüft die Tagesproduktion. Das erklärt, weshalb hier kleine Mengen und sorgfältige Handarbeit den Takt bestimmen.

Wie sich diese Arbeit geschmacklich zeigt, lässt sich an der Redemption nachvollziehen. Ihr sonnengereiftes Habano-Deckblatt stammt aus Ecuador, Umblatt und Einlage kommen aus Nicaragua. Die Herkunft der Tabake unterscheidet sich also vom Fertigungsort der Zigarre. „Made in Miami“ bezeichnet hier das Handwerk, nicht den Acker. Die Mischung bietet einen mittelkräftigen Charakter, bei dem Zedernholz, Toast und Gewürze auf eine feine Süße treffen. Wer würzige Zigarren schätzt, aber keine möglichst hohe Stärke sucht, findet darin einen interessanten Ansatzpunkt.

El Titan de Bronze verbindet eine ungewöhnlich bodenständige Gründungsgeschichte mit anspruchsvollem Zigarrenhandwerk. Besonders reizvoll ist die Marke für alle, die sich neben Tabak und Format auch für die Menschen dahinter interessieren. Die Redemption bietet dafür einen gut greifbaren Einstieg: mittelkräftig, würzig und mit nachvollziehbarer Herkunft. Eine Reise nach Little Havana braucht es zum Kennenlernen nicht. Ein wenig Zeit sollte man allerdings mitbringen. Der Titan mag klein wohnen, zwischen zwei Termine passt er nur bedingt.

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