Bei Peru denken viele Menschen an Machu Picchu, Alpakas und Wanderwege, die den Oberschenkeln einiges abverlangen. Weniger an Zigarren. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick auf das südamerikanische Land, besonders auf die Marke Inca. Ihre handgerollten Zigarren bestehen vollständig aus peruanischen Tabaken. Vom Deckblatt über das Umblatt bis zur Einlage bleibt hier alles im Land. „Puro aus Peru“ – das klingt schon so, als müsse jemand diese Idee unbedingt verwirklichen.
Dieser Jemand heißt Mitchell Orchant und kommt ausgerechnet aus Großbritannien. Der Zigarrenhändler und Mitbegründer von C.Gars gehört zu den profilierten Kennern kubanischer Zigarren. Für seine überwiegend an Habanos orientierte Kundschaft sucht er eine preislich zugängliche Alternative mit eigenem Geschmack. Sein Blick fällt auf Peru. Gemeinsam mit Gennaro Lettieri, dem Inhaber der Tabacalera del Oriente, beginnt er 2012 die Zusammenarbeit hinter Inca Secret Blend. Die Marke startet zunächst auf dem britischen Markt, erreicht 2015 die USA und findet im August 2019 ihren Weg nach Deutschland. Eine ziemlich internationale Karriere für eine Zigarre, die beim Tabak konsequent heimatverbunden bleibt.
Das handwerkliche Zentrum liegt in Tarapoto, wo Lettieri die Tabacalera del Oriente betreibt. Die Stadt gehört zum tropisch geprägten Nordosten Perus; die Umgebung mit ihren Tälern und dem Einfluss des Huallaga-Flusses bietet günstige Voraussetzungen für den Tabakanbau. Hier entstehen die Zigarren in Handarbeit. Bei den Longfillern bilden ganze Tabakblätter die Einlage. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile: Ein Deckblatt muss andere Aufgaben erfüllen als die Tabake im Inneren, auch wenn alle denselben Landesnamen im Pass tragen. Die Herkunft allein ersetzt schließlich noch keine gelungene Mischung.
Orchant und Lettieri nehmen sich für ihren Blend rund zwei Jahre Zeit. Lettieris eigene Plantagen schaffen dafür eine wichtige Grundlage, denn eine dauerhaft angebotene Serie benötigt verlässlich verfügbaren Tabak. Auch optisch pflegt Inca den Bezug zur namensgebenden Kultur: Die aufwendig gestalteten Kisten der klassischen Formate erinnern an Stufenpyramiden, dazu kommen dekorative Bauchbinden. Auf dem Tisch wirken diese Schachteln fast wie kleine Ausstellungsstücke. Nur mit dem Unterschied, dass hier niemand „Bitte nicht berühren“ ruft.
Eine besondere Rolle spielt die Tabaksorte Pelo de Oro, deren Name übersetzt „goldenes Haar“ bedeutet. Sie gehört zu den anspruchsvollen Kandidaten im Anbau und ist wegen ihrer Anfälligkeit nur bei vergleichsweise wenigen Produzenten zu finden. Lettieri zählt zu denjenigen, die sich dieser Herausforderung stellen. Inca verwendet Pelo de Oro als Bestandteil der Mischung. Das macht die Marke auch für erfahrene Zigarrenraucher interessant, die sich für Tabaksorten und deren Verarbeitung begeistern. Hinter der auffälligen Verpackung steckt also durchaus ein Thema für längere Fachgespräche.
Geschmacklich lässt sich die Inca sanft bis mittelkräftig einordnen. Im Vordergrund stehen natürliche Süße und ein cremiger Eindruck, ergänzt durch Kräuternoten und gelegentliche pfeffrige Akzente. Das klingt zugänglich, ohne geschmackliche Belanglosigkeit zu versprechen. Interessant ist die Verbindung aus weicher Textur und feiner Würze. Solche Aromabeschreibungen bieten allerdings Orientierung und keine verbindliche Einkaufsliste für den Gaumen. Niemand muss beim dritten Zug sämtliche Kräuter im Küchenschrank wiedererkennen.
Für neugierige Raucher liegt der Reiz von Inca in der außergerwöhnlichen Herkunft. Wer bereits viele Zigarren aus Kuba, Nicaragua oder der Dominikanischen Republik kennt, kann hier eine weitere Tabaktradition kennenlernen. Die mildere bis mittlere Einordnung macht die reguläre Reihe außerdem für Menschen interessant, die aromatische Abwechslung suchen, ohne besonders kräftige Mischungen zu bevorzugen. Für die erste Begegnung erscheint die handliche Roca plausibel; Liebhaber großer Durchmesser können zwischen der längeren Imperio und der gedrungenen Gordito wählen. Den Ausschlag darf dabei ruhig das eigene Formatgefühl geben. Für eine Reise durch Perus Tabakaromen braucht schließlich niemand Wanderschuhe.