Ein Gin mit Tabakextrakt? Das klingt zunächst, als hätte jemand beim Zigarrenabend einen aberwitzigen Einfall gehabt. Sir Chill beweist allerdings, dass aus dieser ungewöhnlichen Bekanntschaft eine ausgesprochen interessante Spirituose entstehen kann.
Die Geschichte von Sir Chill beginnt in Wevelgem, einer kleinen Gemeinde in Westflandern. Hier leben Bart Notenbaert und Jurgen Demeulemeester, zwei Belgier, die eine gemeinsame Leidenschaft verbindet: hochwertige Zigarren. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigen sie sich mit Tabak und bereisen die Welt, um seine unterschiedlichen Herkunftsregionen kennenzulernen. Irgendwann stellt sich ihnen eine interessante Frage: Warum sollte man die faszinierenden Aromen der Tabakpflanze eigentlich nur beim Rauchen erleben? Schließlich lässt sich mit ihnen möglicherweise auch eine Spirituose kreieren. Ein Gin beispielsweise.
Aus dieser Idee entsteht Sir Chill. Fortan verfolgen die beiden Aficionados ein ehrgeiziges Ziel. Sie möchten Tabakaromen mit ausgewählten Zutaten aus aller Welt verbinden und dadurch einen Gin entwickeln, der geschmacklich eigene Wege beschreitet. Unterstützung erhalten sie von erfahrenen Fachleuten, die ihre Kenntnisse über Aromen und Spirituosen einbringen. Zwei Jahre nimmt die Entwicklung in Anspruch. Es wird experimentiert, kombiniert, verworfen und neu abgestimmt. Schließlich steht die Rezeptur fest.
Die Zutaten erzählen von den Reisen ihrer Schöpfer. Das Tabakaroma stammt aus der Dominikanischen Republik, Vanille kommt aus Asien, Nüsse aus Afrika und Mandarinen aus Südamerika. So treffen unterschiedliche Genusskulturen aufeinander, deren Verbindung überraschend harmonisch ausfällt. Auch äußerlich bleibt Sir Chill seiner Herkunft treu. Die kantige, rechteckige Flasche erinnert an eine Zigarrenkiste und wird in Belgien von Hand veredelt. Schließlich soll schon die Verpackung erkennen lassen, woher die Inspiration stammt. Man könnte sagen: Sir Chill ist ein Gin, der seine Leidenschaft für Zigarren mit bemerkenswerter Offenheit zur Schau stellt.
Was macht Sir Chill so außergewöhnlich? Es ist vor allem die Verwendung eines Extrakts der Tabakpflanze, der dem belgischen Gin seine charakteristische Aromatik verleiht. Allerdings bedeutet Tabakaroma keineswegs, dass die Spirituose wie Zigarrenrauch schmeckt. Die Rezeptur setzt vielmehr auf die feinen, pflanzlichen Duft- und Geschmacksnoten des Tabaks, die sich mit weiteren Botanicals verbinden. Wacholder bildet die vertraute Grundlage, während Mandarine, Mandel und Vanille für eine eigenständige geschmackliche Ausrichtung sorgen.
Damit gehört Sir Chill zu jenen modernen Gins, bei denen sich der Wacholder nicht ständig in den Vordergrund drängt. Die Mandarine bringt eine lebhafte, fruchtige Frische ins Spiel, während Vanille und Mandel für weichere, süßlich-nussige Akzente sorgen. Das Tabakaroma ergänzt diese Kombination um eine feinherbe, würzige Komponente. Die verschiedenen Eindrücke stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern greifen ineinander. Genau darin liegt der Reiz dieser ungewöhnlichen Rezeptur.
Eine weitere Besonderheit ist das Zedernholzstäbchen, das den Gin begleitet. Es dient zum Umrühren und gibt dabei eine dezente Holznote an das Getränk ab – eine nette Anspielung auf die Zigarrenkultur. Wer das Stäbchen im Gin Tonic verwendet, ergänzt die fruchtigen und würzigen Aromen um einen zusätzlichen Akzent. Und natürlich macht es optisch einiges her.
Der Sir Chill Gin Original besitzt einen Alkoholgehalt von 37,5 Prozent und zählt zur Kategorie der New Western Dry Gins. Seine Rezeptur verbindet Wacholder mit Mandarine, Mandel, Bourbon-Vanille und dem charakteristischen Tabakextrakt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf einem ausgewogenen Zusammenspiel von fruchtigen, würzigen und weicheren Aromen. Gerade für Genießer, die sich bislang vor allem mit klassischen London Dry Gins beschäftigen, eröffnet der Sir Chill Original eine interessante Alternative. Die vertraute Wacholdernote ist weiterhin vorhanden, überlässt den übrigen Zutaten jedoch reichlich Raum. Ein Gin mit eigenem Kopf, gewissermaßen.
Sir Chill zeigt, wie viel Experimentierfreude in der Gin-Welt steckt, wenn sich zwei Zigarrenliebhaber nicht an die üblichen Grenzen halten. Tabak, Mandarine, Vanille und Mandel erscheinen zunächst wie eine recht eigenwillige Gesellschaft, entwickeln gemeinsam jedoch einen überraschend schlüssigen Charakter.
Und zur Zigarre? Auch hier lohnt sich ein Versuch. Vor allem mildere, cremige Zigarren können interessante Begleiter sein, da sie der besonderen Aromatik des Gins genügend Raum lassen. Eine universelle Paarung gibt es freilich nicht. Aber gerade das Experimentieren gehört schließlich zum Vergnügen. Bart Notenbaert und Jurgen Demeulemeester machen es vor.