Stanwell Pfeifen

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Die Geschichte von Stanwell beginnt zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Und wie so oft ist es eine Geschichte, die beginnt, weil etwas nicht verfügbar ist, nämlich Bruyèreholz. Oder das fertige Produkt - die begehrten englischen Pfeifen. Dänemark war schon immer ein Land der Pfeifenraucher. Vor allem, weil der Gesetzgeber bei der Besteuerung von Tabakprodukten sorgfältig unterschied. Pfeifentabak hatte einen deutlich geringeren Steuersatz als Zigarettentabak oder Zigaretten, weshalb es ein Großteil der Bevölkerung vorzug, Pfeife zu rauchen. Es war einfach deutlich günstiger. Wenn in so einem Umfeld die Pfeifen knapp werden muss man erfinderisch werden, und der junge Poul Nielsen, damals Manager einer Fabrik für diverse Holzprodukte, griff kurzerhand auf Birkenholz zurück. In erster Linie, weil es fast unbegrenzt verfügbar war. Die "Kyringe" (der Name der Fabrik) Pfeifen orientierten sich an englischen Vorbildern und hatten in der Regel Billard, Bent oder Bulldog-Shapes.

Zur selben Zeit machte sich Sixten Ivarsson daran, das Reparieren von Pfeifen zu erlernen. Die Pfeifenreparatur war zu diesen Zeiten im Prinzip die einzige Möglichkeit, noch rauchen zu können, wenn die eigene Pfeife Schaden nahm. Eine neue Pfeife zu kaufen war fast aussichtslos oder sehr teuer. Also machte sich Sixten Ivarsson auf, um seine Pfeife in der Suhrs Pfeifenwerkstatt reparieren zu lassen. Unglücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt die Werkstatt wegen Krankheit des Pfeifenmachers lahmgelegt, aber der Betreiber bot ihm an, die Pfeife an den vorhandenen Maschinen selbst zu reparieren. Sixten machte dies so gut, das er fortan als Pfeifenreparateur arbeitete - und nicht mehr als Schuldeneintreiber.
 
Als es nach dem Krieg wieder möglich wurde, Bruyèreholz zu importieren, fing er an, auch Pfeifen selbst herzustellen. Und da die begehrten englischen Pfeifen noch immer nicht zuverlässig zu bekommen waren, griffen seine dänischen Landsleute das erste Mal auf einheimische Ware zurück, auch wenn sie viel teurer waren als die noch verbreiteten Pfeifen aus Birkenholz.
 
Und hier beginnt auch die Zusammenarbeit mit Stanwell, die sich als sehr, sehr fruchtbar erwies. Sixten Ivarsson zeigte Poul Nielsen, worauf es bei richtig guten Pfeifen aus Bruyèreholz ankam, und wandelte klassische Pfeifen ab. So bekamen die fortan angebotenen Modelle den typischen "dänischen Stil“, der Ende der 50er, Anfang der 60er auch in der Möbelindustrie internationale Popularität erlangte. Und weil seine dänischen Landsleute sich immer noch sehr nach englischen Pfeifen sehnten, benannte Poul Nielsen seine Pfeifen kurzerhand nach einem kleinen englischen Ort im County Surrey, nämlich Stanwell.
 
Von nun an ging es mit dem Geschäft steil bergauf, und auch der Export florierte. Um näher an der Werkstatt von Sixten Ivarsson zu sein, wurde die Manufaktur 1969 nach Borup verlegt. Neue Ideen wurden ausprobiert und umgesetzt, mitunter wurde auch improvisiert. So sind zum Beispiel Pfeifen mit Bambusholm der Überlegung geschuldet, was man mit Pfeifenköpfen machen kann, die während der Produktion am Pfeifenholm brechen. 
 
Der nun ebenfalls sehr erfolgreiche Sixten Ivarsson zog neue Pfeifenmacher an, und dieses Umfeld färbte auf Stanwell ab. So sind zahlreiche Pfeifenmodelle von anderen "Größen" wie Jess Choniwitsch, Tom Eltang, Anne Julie oder Poul Winslow designt. Diesen Weg hat Stanwell nie verlassen, es gab immer einen fruchtbaren Austausch mit dänischen Pfeifenmachern.
 
Zwischenzeitlich war Stanwell zu einer der größten Pfeifenhersteller der Welt angewachsen. Allein in Deutschland verkauften sich Mitte der 90er Jahre noch über 120.000 Stanwell Pfeifen jährlich. Wie gesagt, das war nur der deutsche Markt, aber dieser Markt war für Stanwell immer der wichtigste. Hier hatte sich Stanwell einen unglaublich guten Ruf erarbeitet. Für viele Pfeifenraucher war Stanwell das Synonym für das Pfeiferauchen schlechthin geworden - wahrscheinlich auch dem "Feuer, Pfeife, Stanwell"-Werbespot mit Loriot-Clips geschuldet, die damals im Fernsehen liefen. 
 
Wobei die Stanwell-Tabake ursprünglich ein deutsches Produkt der Brinkmann-Tabakfabrik in Bremen waren. Diese Tabake hatten mit den Pfeifen an sich nur den Namen gemein. Aber für den dänischen Tabakstil, und um ihm populär zu machen, war diese Namensgleichheit natürlich sehr hilfreich. Heute kommen die Stanwell Tabake natürlich aus Assens in Dänemark.
 
Seit der Schließung der Fabrik in Borup werden Stanwell-Pfeifen in Italien gefertigt. Die beliebten Klassiker gibt es aber nach wie vor. Und auch heute noch kann man jedem Pfeifenraucher empfehlen, eine Stanwell "Silke Brun" mit der Shapenummer 11 oder eine „Royal Guard“ im Shape 95 auszuprobieren.
 
Stanwell ist eine Marke, die mittlerweile zur Scandinavian Tobacco Group gehört, und die Stanwell Tabake sind noch immer die Quintessenz dänischer Rauchkultur. Tabake, die mild sind, gut schmecken und gut riechen.