Berggreen – Freehand Pfeifen

Berggreen – Freehand Pfeifen

Ib Berggreen verbindet jahrzehntelange Erfahrung aus Möbelbau, LEGO-Design und Produktentwicklung mit dänischer Pfeifenkunst. In seiner Kopenhagener Werkstatt entstehen jährlich rund 150 handgefertigte Einzelstücke aus Bruyère, teils mit Bambus oder Mooreiche. Klare Proportionen, ruhige Linien und gezielte Asymmetrien prägen seine Freehands. Glatte oder sandgestrahlte Oberflächen betonen Maserung, Haptik und den Gebrauchswert jeder Pfeife. Weiterlesen

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Berggreen – Freehand Pfeifen

Vom Kunststoffstein zum Bruyèreblock ist es gedanklich gar nicht so weit, wie es zunächst klingt. In beiden Fällen kommt es darauf an, aus einem überschaubaren Material etwas zu bauen, das funktioniert, gut in der Hand liegt und auch nach dem hundertsten Blick noch stimmig wirkt. Ib Berggreen bringt dafür einen ungewöhnlich gut gefüllten Werkzeugkasten mit: Er arbeitete rund zwei Jahrzehnte als Designer bei LEGO, führte später ein eigenes Unternehmen für Industrie- und Produktdesign und widmet sich heute hauptberuflich dem Pfeifenbau in Kopenhagen. Zuvor war er als Möbeltischler tätig. Kurz gesagt: Der Mann hat Holz, Formen und Gebrauchstauglichkeit nicht erst gestern kennengelernt.

Ib Berggreen Pfeifen im dänischen Design

Berggreen gehört nicht zu jenen Pfeifenmachern, die eine klassische Billiard ansehen und sofort den Drang verspüren, ihr Flügel, Antennen und einen kleinen Spoiler zu verpassen. Seine Pfeifen wirken meist ruhig, klar und ausgewogen. Trotzdem sind sie keineswegs brav. Er selbst beschreibt seine Arbeit als Verbindung aus klassischem und neuem nordischem Design: reduzierte Linien, saubere Proportionen und eine Ästhetik, die nicht laut um Aufmerksamkeit bittet. Gleichzeitig experimentiert er mit markanten Übergängen, asymmetrischen Köpfen und modernen Freehand-Formen. Das erinnert ein wenig an skandinavische Möbel: Man versteht sofort, wozu das Stück da ist, entdeckt aber beim näheren Hinsehen erstaunlich viele Feinheiten.

Einflüsse von Tom Eltang und S. Bang

Handwerklich steht er in engem Austausch mit Tom Eltang und den Pfeifenmachern von S. Bang, zwei Schwergewichten der dänischen Pfeifenszene. Von Eltang erhielt er grundlegende Hinweise, den Rest besorgten Übung und Beharrlichkeit. Gerade diese Mischung ist spannend: Berggreen übernimmt nicht einfach die Handschrift bekannter Kollegen, sondern verbindet sie mit seiner eigenen Erfahrung als Produktdesigner. So entstehen Pfeifen, die nicht nur von der Seite fotogen aussehen, sondern als Gebrauchsgegenstände gedacht sind – mit Blick auf Balance, Haptik und die Beziehung zwischen Kopf, Holm und Mundstück.

Bruyère, Bambus und vielseitige Oberflächen

Sein Repertoire an Formen und Oberflächen ist reich. Glatte Modelle lassen Flammung und Birdseye sprechen, während sandgestrahlte Modelle die Struktur des Bruyèreholzes kräftiger hervortreten lassen. Hinzu kommen Akzente aus Bambus oder Mooreiche, die nicht wie nachträglich angeklebter Schmuck wirken, sondern den Verlauf der Pfeife mitbestimmen. Ein Bambussegment streckt den Holm, eine scharfe Kante gibt einem rundlichen Kopf Haltung, ein leicht versetztes Mundstück bringt Spannung in eine sonst ruhige Silhouette.

Handgefertigte Einzelpfeifen aus Kopenhagen

Berggreens Stücke sind handgefertigte Einzelpfeifen und keine Serienmodelle, bei denen lediglich die Beize wechselt. Ungefähr 150 Exemplare verlassen pro Jahr seine Kopenhagener Werkstatt. Sie sind, bei aller Finesse, bodenständige Rauchgeräte. Daher eignen sie sich vor allem für Raucher, die dänisches Design schätzen, aber keine Skulptur suchen, die zufällig auch Tabak aufnehmen kann. Eine Berggreen darf Charakter zeigen und bleibt dennoch benutzbar. Beim Auswählen lohnt es sich, weniger auf große Namen und stärker auf das konkrete Stück zu achten: Wie schwer ist die Pfeife? Passt die Kopfhöhe zur bevorzugten Rauchdauer? Liegt der Holm angenehm zwischen den Fingern? Soll die Oberfläche glatt und lebhaft gemasert sein oder lieber sandgestrahlt und griffig? Gerade bei Freehands entscheidet nicht irgendeine Modellnummer, sondern die persönliche Begegnung.

Ib Berggreen und dänische Pfeifenkunst

Ib Berggreen steht damit für eine angenehm unaufgeregte Form dänischer Pfeifenkunst. Seine Biografie liefert zwar eine schöne Geschichte – Tischler, LEGO-Designer, Unternehmer, Pfeifenmacher –, doch entscheidend ist, was daraus im Holz entsteht. Seine besten Arbeiten verbinden klare Konstruktion mit einer beabsichtigten Unregelmäßigkeit, die sie lebendig macht. Sie sind präzise, ohne steril zu wirken, eigenständig, ohne sich wichtig zu machen, und gelegentlich verspielt, ohne gleich auf dem Tisch herumzutanzen. Wer eine Berggreen Pfeife betrachtet, sieht deshalb nicht bloß eine weitere Freehand. Man sieht einen Designer, der gelernt hat, dass ein guter Entwurf nicht erklären muss, wie clever er ist.

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