Kubanische Zigarren – Añejados

Bei kubanischen Añejados reifen fertig gerollte Zigarren mehrere Jahre unter kontrollierten Bedingungen, bevor sie in den Handel kommen. Dadurch können Kraft, Würze und Aromen harmonischer zusammenspielen, ohne dass die Zigarre automatisch milder oder schwächer wird. Anders als bei Ediciones Limitadas reift hier nicht nur der Tabak vorab, sondern die fertige Zigarre in ihrer ursprünglichen Kiste. Kennzeichnungen und Herstellungsdatum machen die Reifezeit nachvollziehbar. Eine besonders exlusive Vertreterin dieser Art stellt die Trinidad Vintage 10 dar. Weiterlesen

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Kubanische Zigarren – Añejados

„Añejado“ bedeutet sinngemäß „gereift“ oder „gealtert“. Klingt zunächst nicht spektakulär – schließlich ist Reifung bei Premiumzigarren ohnehin ein großes Thema. Bei den kubanischen Añejados steckt dahinter aber ein klares Konzept: Die Zigarren werden zunächst vollständig gerollt und anschließend in Kuba unter kontrollierten Bedingungen mehrere Jahre gelagert. Erst danach kommen sie in den Handel.
 
Habanos führte dieses Konzept 2015 offiziell ein; die ersten Añejados waren die Romeo y Julieta Pirámides und die Montecristo Churchills. Beide hatten zu diesem Zeitpunkt bereits fünf bis acht Jahre Ruhe hinter sich. Was passiert in dieser Zeit? Deckblatt, Umblatt und Einlage haben nach dem Rollen zwar längst Bekanntschaft miteinander gemacht, aber sie sind aromatisch noch keine alte WG. Mit zunehmender Lagerzeit verbinden sich ihre Eigenschaften stärker. Ecken und Kanten können sich abschleifen, Aromen wirken oft runder, ruhiger und harmonischer miteinander. Habanos selbst beschreibt die Entwicklung als milder und verweist zudem auf holzige Nuancen, die durch die jahrelange Lagerung in den Zedernholzkisten entstehen können. Wichtig dabei: Reifung macht eine Zigarre nicht automatisch schwächer. Sie verändert vor allem die Art, wie Kraft, Würze und einzelne Aromen zusammenspielen.
 
Das Besondere an Añejados beginnt also nicht beim Feld, sondern nach dem Rollen. Genau hier liegt auch ein wichtiger Unterschied zu einer Edición Limitada. Für die kubanischen Limited Editions werden die verwendeten Tabake bereits vor der Verarbeitung mindestens zwei Jahre gelagert. Añejados dagegen reifen als fertige Zigarren. Man könnte sagen: Die eine bekommt besonders lange vorbereitete Zutaten, die andere nach dem Kochen noch mehrere Jahre Zeit, damit alles zusammenfindet. Damit machen Añejados einen besonders edlen Teil im ohnehin schicken Sortiment Kubas aus. Stellvertretend für diesen hochexklusiven Anspruch steht die Trinidad Vintage 10, die im eigenen Luxus-Humidor geliefert wird.
 
Auch die Kisten erzählen einen Teil der Geschichte. Die Añejados lagern in ihren ursprünglichen Kisten, die während der Reifezeit noch nicht mit der späteren Ausstattung versehen sind. Vor der Auslieferung werden die Zigarren kontrolliert und die Kisten entsprechend gekennzeichnet. Typisch sind der zusätzliche Añejados-Ring, ein Hinweis auf der Kiste und der Stempel „Revisado“. Außerdem lässt sich am Kistenboden das ursprüngliche Herstellungsdatum nachvollziehen. Das ist keine folkloristische Deko, sondern ziemlich praktisch: Bei einer Zigarre, deren wichtigstes Merkmal einige Jahre Nichtstun sind, möchte man schließlich wissen, ob sie dieses Pensum wirklich erfüllt hat.
 
Eine universelle Añejado-Note gibt es nicht. Dafür sind die Markenstile von Montecristo, Partagás, H. Upmann, Hoyo de Monterrey oder Romeo y Julieta zu unterschiedlich. Die Reifung legt sich nicht wie ein einheitlicher Filter über jede Zigarre. Vielmehr entwickelt sich der jeweilige Charakter weiter. Kräftige Würze kann gesetzter erscheinen, erdige oder holzige Töne können sich harmonischer einfügen, und bei feineren Blends kann die Reife zusätzliche Tiefe und Balance hervorbringen. Wer bei „alt“ automatisch „mild“ liest, liegt daher daneben.
 
Für wen sind kubanische Añejados besonders interessant? Vor allem für Aficionados, die den Charakter gereifter Habanos kennenlernen möchten, ohne eine Kiste zunächst selbst fünf, acht oder zehn Jahre einzulagern. Auch zum direkten Vergleich mit regulären Zigarren derselben Marke sind sie spannend. Wer dagegen gerade die lebhafte Würze, die jugendliche Direktheit oder gelegentlich auch etwas mehr Rauheit frischer Habanos schätzt, muss Añejados nicht automatisch „besser“ finden. Reifung ist kein Qualitätsregler mit den Stufen gut, besser, perfekt. Sie ist eher eine Entwicklung – und Geschmack bleibt dabei erfreulich eigensinnig.
 
Añejados sollte man Zeit geben. Das gilt zwar für jede gute Longfiller, hier aber erst recht: langsam rauchen, die Zigarre nicht unnötig heiß werden lassen und ruhig verfolgen, wie sich ihre Aromen im Verlauf verändern. Wer die Zigarren nach dem Kauf noch weiter lagern möchte, sollte auf möglichst konstante Bedingungen im Humidor achten. Nach jahrelanger Reife wäre es schließlich schade, auf den letzten Metern plötzlich experimentell zu werden.
 
Añejados sind damit eine ziemlich charmante kubanische Spezialität: bekannte Marken, teils ungewöhnliche Formate und vor allem eine Extraportion Zeit. Sie zeigen, was mit einer Habano passieren kann, wenn nach dem Rollen nicht sofort der Startschuss fällt, sondern erst einmal jahrelang Ruhe herrscht.
 
Für neugierige Kuba-Raucher ist das weniger ein Pflichtprogramm als eine Einladung zum Vergleich. Und genau darin liegt der Reiz: Man raucht nicht einfach „eine alte Zigarre“, sondern eine Zigarre, die Gelegenheit hatte, erwachsen zu werden – mit all den Eigenheiten, die sie schon vorher hatte.

Trusted Shops Award Habanos Specialist Davidoff Ambassador