Dunhill - unübertroffen


Dunhill Pipes – made in England, oder etwa nicht?

Eingang zu Dunhill in LondonLassen Sie uns zu Beginn mit einem Mythos aufräumen. Es kursiert die – doch ein wenig abwegige – Theorie, die Manufaktur von Alfred Dunhill's The White Spot existiere gar nicht. Anhänger dieser „Verschwörungserzählung“ unterstellen, dass die Pfeifen von Dunhill Pipes anderswo hergestellt werden, je nach Textvariante kann das Frankreich oder Italien, Polen oder Albanien, China oder Spanien sein. Auf dem Mond könnte es natürlich auch geschehen, doch von dieser Version haben selbst wir noch nicht gehört.

Dennoch gehen wir bei Cigarworld natürlich unserem Bildungsauftrag nach und überprüfen die Sache persönlich. Wir waren bei Dunhill vor Ort, nicht in China oder Polen, sondern tatsächlich in London, und das Personal bei Dunhill bestand nicht aus Schauspielern, sondern die Herrschaften fertigten echte Pfeifen.

Ein Münchner in London

Geführt wird diese very britische Institution allerdings von einem Deutschen. Kalmon Hener stammt gebürtig aus München, und das Deutsche lässt sich in seinem Akzent nicht verleugnen. Äußerlich geht der gepflegte Herr im Glencheck-Sakko aber durchaus als Engländer durch. Er ist zudem sehr bedacht darauf, dass die Angestellten von Dunhill Pipes die Teepausen einhalten, folgt also ganz und gar der Landessitte.

Kalmon Hener kennt sich hervorragend aus und ist selbst begeisterter Sammler. Und als Bayer auf der Insel ist er eine wichtige Konstante. Denn ansonsten gestalten sich die Beziehungen zwischen Königreich und Kontinent gerade schwierig – wir alle kennen ja das leidige Thema Brexit. Die Ware kommt nun nicht mehr direkt zu uns, sondern nimmt den Umweg über ein Lager in Frankreich, wo die mühsame Zollbürokratie abgewickelt wird. Das ist umständlich – und kostet Zeit. Leider ist die Spontaneität auf der Strecke geblieben; mal eben auf die Schnelle in London Pfeifen bestellen wie zu EU-Zeiten, das funktioniert nicht mehr.

The White Spot: Traditionsbewusst wie eh und je

Die Werkstatt bei Dunhill in LondonKommen wir lieber zu einem erfreulichen Thema: den Pfeifen. Denn die sind bei Dunhill bekanntlich Weltklasse, made with the highest british attention. Stil kennt kein Alter, und das gilt auch für die Maschinen in der Manufaktur, die so wunderbar altmodisch wirkt. Vieles ist hier gut und gerne vierzig Jahre oder älter, doch das soll keineswegs heißen, dass es bei Dunhill rückständig zuginge. Im Gegenteil, die Londoner setzen fast ausschließlich auf traditionelle Handarbeit in der Holzbearbeitung.

Bei der Auswahl ihrer Rohstoffe sind sie allerdings äußerst wählerisch. Wie man es von einem Luxusgüterkonzern erwartet, kommen nur die besten Hölzer zum Einsatz. Und das macht Dunhill seit längerem bereits zu schaffen, denn gutes Bruyere ist knapp.

Ein beeindruckendes Sortiment

Angesichts dieser Knappheit überrascht es, wie breit das Sortiment ist. Gewisse Moden kehren ebenfalls in regelmäßigen Abständen wieder. Aktuell verlangen die Kunden vermehrt nach kleineren Modellen, vor allem wenn sie sandgestrahlt sind. Mittlerweile kann Dunhill die Nachfrage nach Pfeifen mit einer 9mm-Filterbohrung auch nicht mehr ignorieren, allerdings bieten die Engländer hier weit weniger Shapes an, was mit der Konstruktion zusammenhängt. Gut zwei Drittel der Pfeifen bei Dunhill sind gerade, nur ein Drittel gebogen. Das ist außergewöhnlich; bei den meisten Wettbewerbern dürfte es sich genau umgekehrt verhalten.

Fertigung von Pfeifen bei Dunhill in LondonBei Dunhill wird im Übrigen nicht nur unter eigenem Namen gefertigt. Hier entstehen auch die Pfeifen von Charatan sowie die von Parker, die zwar nicht an das Niveau der Muttermarke heranreichen, jedoch ebenfalls erstklassige Ware bieten.

Ein Blick ins Archiv

Für uns Pfeifenfreunde ist der Begriff Legende nicht zu hoch gegriffen, wenn wir von Dunhill sprechen. Es verhält sich da ähnlich wie mit den berühmten eidgenössischen Uhren oder dem Luxusauto mit der berühmten Emily auf dem Kühler. Und so ist der Gang ins Archiv auch eine Reise in über ein Jahrhundert Pfeifenkultur. Von den Limited Editions wird stets das erstproduzierte Exemplar einbehalten, und sogar historische Pfeifen von besonderem Wert kauft Dunhill an, um die eigene „Vita“ zu dokumentieren. Wünschen wir dieser Firma ein weiteres Jahrhundert!


Pfeifenlexikon