Do It Yourself: Tabakherstellung
- Ist der Anbau von Tabak in Deutschland erlaubt?
- Tabaksamen kaufen: Wo kann ich das Saatgut erwerben?
- Welche Tabaksorten kommen für den Eigenanbau in Betracht?
- Tabak anbauen im Garten oder auf dem Balkon
- Aussaat der Tabaksamen
- Auspflanzung der Tabakpflanze
- Ernte der Tabakpflanzen
- Weiterverarbeitung der Tabakpflanze
Sie möchten den Tabak für Ihre Zigarren selbst herstellen? Cigarworld zeigt Ihnen die wichtigsten Dinge, die es zu beachten gilt.
Ist der Anbau von Tabak in Deutschland erlaubt?
Die wichtigste Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist sicherlich die, ob der Anbau von Tabak in Deutschland überhaupt erlaubt ist. Und die Antwort ist erfreulicherweise: Ja.
Das Tabaksteuergesetz befreit die Herstellung von „Tabakwaren, die außerhalb eines zugelassenen Herstellungsbetriebes aus Kleinpflanzertabak hergestellt und weder zum Handel noch zur gewerblichen Verwendung bestimmt sind“ von der Tabaksteuer. Die Ernte des Tabaks darf also nicht kommerziell verwendet werden und ist nur für den Eigenbedarf bestimmt.
Die Anzahl von 100 Pflanzen sollte allerdings nicht überschritten werden. Diese Zahl wird allgemein als Richtwert genannt, wobei es in Deutschland seitens des Gesetzgebers keine genauen Angaben hierzu gibt, ab wann ein gewerblicher Anbau vermutet wird. Den durchschnittlichen Bedarf für einen Aficionado können bereits zwölf Pflanzen abdecken.
Tabaksamen kaufen: Wo kann ich das Saatgut erwerben?

Tabaksamen können Sie problemlos und legal im Internet oder natürlich bei Ihrem lokalen Gartenbau-Geschäft kaufen. Die Preise für Tabaksamen sind je nach Art des Tabaks und der Verfügbarkeit unterschiedlich. Sie liegen zwischen zwei und vier Euro für 500 Tabaksamen.
Welche Tabaksorten kommen für den Eigenanbau in Betracht?
Hier gibt es verschiedene Sorten für die Verwendung in Zigarren. Nachstehend sind ein paar aufgelistet, die auch für die Anpflanzung in heimischen Gefilden gut verwendet werden können.
Sandblätter der Pflanze
Die Sandblätter einer Pflanze eignen sich optimal, um den Tabak für den eigenen Bedarf herzustellen. Sie sind nikotinarm und reich an aromatischen Ölen und Harzen. Als Sandblätter bezeichnet man die unteren Blätter einer Pflanze, die bei Regen oder Wind direkt mit Sand in Kontakt kommen.
In der Regel werden die untersten Blätter einer Pflanze nur für die Einlage verwendet. Als Deckblätter eignen sie sich nicht, weil hierfür besondere optische Anforderungen erfüllt werden müssten. Die Sandblätter grenzen sich hiervon ab, weil darin hochwertige Aromastoffe enthalten sind. Deshalb ergibt sich für den passionierten Raucher ein besonderer Vorteil: Beim Rauchen entwickelt sich ein milder, aber aromatischer Rauchgenuss.
Adonis
Adonis ist eine Tabaksorte, die mit einem mild-würzigen Geschmack überzeugt. Sie zeichnet sich durch eine gute Blattqualität aus und erweist sich als resistent gegen Witterungsextreme und andere ungünstige Umweltfaktoren. Die Adonis-Pflanze gedeiht am besten in lockerem Boden. Optimal ist es, wenn die Aussaat nach dem Februar erfolgt und die Pflanzen danach kühl gehalten werden. Das Auspflanzen ist nach den Eisheiligen zu empfehlen.
Der Adonis-Tabak ist als Deckblatt für Zigarren geeignet. Er kann aber auch als Mischungsbestandteil für den Pfeifenfeinschnitt verwendet werden.
Havanna Z992
Havanna Z992 ist eine Havanna-Züchtung, die sich aufgrund der Kreuzung mit der Pflanze Adonis als sehr nikotinarm herausstellt. Als Variante des kubanischen Criollo-Tabaks zeichnet sich diese Sorte durch eine hohe Qualität aus, die aus ihrer Resistenz gegen mitteleuropäische Umwelteinflüsse und Witterungsbedingungen resultiert. Diese Sorte eignet sich als Tabak für Zigarren. Sie kann aber ebenso gut als Bestandteil der Mischung für den Pfeifenfeinschnitt verwendet werden.
Havanna Dunkelrot
Havanna Dunkelrot wird weltweit zu den hochwertigsten Tabaksorten gezählt. Er ist für den Tabakanbau in Deutschland und anderen Ländern Europas optimal geeignet, weil er sich als widerstandsfähig gegenüber den Witterungsbedingungen zeigt, die hier vorherrschen. Auch Havanna Dunkelrot ist eine besondere Form des kubanischen Criollo, der sowohl als Einlagetabak als auch als Umblatt-Tabak verwendet werden kann.
Brasil- und Sumatra-Tabake
Sowohl Brasil- als auch Sumatra-Tabake eignen sich für den Anbau in Deutschland. Sie haben einen kräftigen und sanft-süßlichen Geschmack, der an Schokolade erinnert. Ein intensiver Geschmack bedeutet nicht zwingend einen hohen Nikotingehalt. Im Gegenteil: Brasil- und Sumatra-Tabake überzeugen durch die Möglichkeit, die Geschmacksintensität zu betonen.
Eine Zigarre mit Brasil- oder Sumatra-Tabak lässt sich hervorragend rauchen, da sich neben dem schokoladigen Aroma auch aromatische Stoffe von Äpfeln oder frischem Brot durchsetzen.
Tabak anbauen im Garten oder auf dem Balkon
Es ist beides möglich. Da die Tabakpflanze eine lichtkeimende Pflanze ist, benötigt sie für die Aufzucht die Einstrahlung von Sonnenlicht. Sie sollten die Tabakpflanze an einem warmen und hellen Ort stellen, jedoch nicht direkt dem Sonnenlicht aussetzen.
Der Tabak stellt an den Boden keine hohen Ansprüche. Die Tabakpflanze braucht zwar viel Wasser, jedoch darf im Boden keine Staunässe entstehen. Auch der Anbau in Töpfen auf dem Balkon ist möglich. Mischen Sie hierbei die Blumenerde mit Sand oder Gartenerde.
Aussaat der Tabaksamen
Tabaksamen sind in der Regel frostempfindlich. Deshalb empfiehlt sich die Aussaat des Tabaksamens im Frühjahr. Am besten geeignet sind die Monate April bis Juni. Im Vorfeld ist es möglich, eine Vorzucht in einem Gewächshaus zu betreiben. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie der Tabaksamen optimal ausgesät werden kann:
- Im März beginnt die Vorzucht der Setzlinge. Hierfür eignet sich ein Gewächshaus. Alternativ kann die Aufzucht in einem beheizten Aufzuchtkasten im Haus begonnen werden. Optimal ist ein Standort mit einer Temperatur zwischen 15 und 20 Grad.
- Bei der Aussaat ist es wichtig, dass der Samen nicht mit Erde bedeckt wird, da das Saatgut ausreichend Licht zum Keimen benötigt.
- Zur Unterstützung des Keimvorgangs wird das Saatgut regelmäßig mit Wasser besprüht.
- Nach etwa sechs bis zwölf Tagen zeigen sich erste Erfolge: Das Saatgut beginnt zu keimen. Sobald die Keimlinge eine Größe von einem Zentimeter erreicht haben, sollten sie einzeln in größere Töpfe umgepflanzt werden.
- Für ein gutes Wurzelwachstum empfiehlt es sich, Töpfe mit einem Durchmesser von 12-15 cm zu verwenden. Wenn die Tabakpflanzen eine Größe von fünf bis sechs Zentimetern erreicht haben, können sie an ihren endgültigen Standort umgepflanzt werden.
Auspflanzung der Tabakpflanze
Die Zeit für die Pflanzung ist in der Regel ab Mitte Mai (nach den Eisheiligen) bis Juni. Stellen Sie sicher, dass kein Bodenfrost mehr zu erwarten ist.
Im Garten sollten Sie die Pflanzen mit einem Reihenabstand von vierzig Zentimetern und einem Abstand zwischen den Pflanzen von sechzig Zentimetern pflanzen. Der Standort im Garten sollte nicht direkt der Sonne ausgesetzt sein, da sonst die Tabakblätter verbrennen. Dies möchten Sie ja nach der Ernte erst selbst durchführen. Weiterhin ist zu beachten, dass die Tabakpflanzen bis zu 1,80 m groß werden. Eine Auspflanzung unter einem Baum oder zu niedrigen Gebäuden ist daher nicht ratsam.
Beim Tabakanbau verpflanzt man diesen in etwa 40 cm große Töpfe mit einem Erdgemisch aus drei Teilen Komposterde und einem Teil Sand. Während der Wachstumszeit sollten Sie folgende Ratschläge beherzigen:
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Regelmäßig gießen, wobei darauf zu achten ist, dass keine Staunässe entsteht.
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Die Blüten rechtzeitig abschneiden, da die Pflanze sonst nicht die gesamte Kraft in die Bildung der Blätter stecken kann.
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Den Boden regelmäßig durchhacken, um eine gute Belüftung zu gewährleisten.
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Die Pflanzen müssen geköpft und gegeizt werden.
Beim Köpfen werden die Blütenstände mit einigen darunter sitzenden Blättern ausgebrochen oder abgeschnitten, damit die Blätter zu einer stärkeren Entwicklung angeregt werden. Schon wenige Tage nach dem Köpfen bildet die Pflanze an den obersten Blattansätzen Seitentriebe aus, die „Geize“ genannt werden – sie müssen ebenfalls entfernt oder „gegeizt“ werden. Generell gilt: Je mehr der Tabakpflanze abgeschnitten wird, desto höher ist die Qualität des Tabaks, aber desto geringer die Quantität der Blätter.

Ernte der Tabakpflanzen
Ab Ende Juli ist die Ernte der Tabakblätter bereits möglich. Sie können als Richtwert auch sechzig Tage nach dem Auspflanzen zugrunde legen.
Vor der Ernte muss man sich Gedanken machen, wofür man die Tabakblätter verwenden will. Zigarrentabak wird tief geköpft, die Blütenstände also unmittelbar nach ihrem Aufbrechen entfernt. Dabei werden etwa 10-15 cm unterhalb des untersten Blütenzweiges die Blütenstände entfernt.
Damit der Tabak für Zigarren auch den typischen alkalischen Rauch besitzt, darf der Tabak im besten Fall keinen Zucker enthalten. Deshalb wird der Tabak, der für die Ein- und Umlage bestimmt ist, in einem vorreifen Zustand geerntet. Wenn dieser noch tiefgrün ist und sich gerade eben heller verfärbt.
Zigarrendeckblätter müssen dünn, elastisch und geschmeidig sein und dürfen nur schwer reißen. Als Deckblätter eignen sich nur Blätter, die möglichst im Schatten gereift sind, also Sand- und teilweise Mittelgut. Sie gehen jedoch schnell von einem Reifezustand in den anderen über. In der ersten Erntehälfte muss daher regelmäßig der Bestand angeschaut werden, um die für die Deckblattherstellung geeigneten Blätter genau im richtigen Vorreife-Zustand zu ernten.
Die reifen Blätter werden von unten nach oben geerntet, ungefähr drei bis vier Blätter pro Pflanze. Die Erntezeit beträgt in der Regel sechs bis acht Wochen. Abschließend wird der Tabak dorthin gebracht, wo er trocknen soll und nachher auch verarbeitet werden kann.
Weiterverarbeitung der Tabakpflanze
Für die Tabakherstellung muss die Tabakpflanze weiterverarbeitet werden. Abhängig von dem eigenen Konsum sind hierbei unterschiedliche Schritte erforderlich. Überdies ist es wichtig, die unterschiedlichen Bearbeitungstechniken zu kennen. Denn nur so ist es möglich, einen optimalen Tabak für Zigarren, Pfeifentabak, Stopftabak oder Drehtabak selbst herzustellen.
Tabakherstellung für Zigarren
Bei der Herstellung von Zigarrentabak sollten folgende Aspekte beachtet werden:
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Sobald der Tabak die richtige Höhe erreicht, kann er zur Pflanze weiterverarbeitet werden. Hierzu gibt man den Samen in eine Schale und versorgt ihn mit ausreichend Wasser.
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Nach etwa sechs Wochen kann jede Pflanze an ihren eigenen Platz angebunden werden. Hierfür bietet es sich an, ein Freibeet anzulegen, das sich in einem halbschattigen Bereich befindet. Wichtig ist es, den Tabak vor Sonneneinstrahlung, Regen oder frostigen Einflüssen zu schützen. Es empfiehlt sich daher, das gesamte Beet mit einem Tuch zu überdecken.
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Nach vier bis sechs Monaten können die Tabakblätter geerntet werden. Dies sollte in jedem Fall geschehen, bevor die Pflanze blüht. Bei der Ernte des Tabaks geht man von unten nach oben vor.
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Anschließend wird der Tabak auf Schnüren aufgefädelt und zum Trocknen aufgehängt. Hier empfiehlt es sich, einen dünnen Faden zu verwenden, der durch den Hauptstängel des Tabakblattes gestochen wird.
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Die Tabakblätter sollten an einem Ort hängen, der schattig, luftig und auch etwas feucht ist. Wichtig ist, dass sich die Blätter nicht berühren dürfen.
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Sobald der Tabak seine typische bräune Färbung hat, kann er in eine Fermentationsbox gegeben werden.
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Beim Fermentieren sollten alle Tabakblätter, die sich in demselben Zustand befinden, zusammen fermentiert werden.
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Stark beschädigte Blätter müssen nicht so lange fermentiert werden. Hier reicht es aus, wenn die Blätter sich für ungefähr drei Wochen in der Box befinden.
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Nach dem Fermentierungsvorgang können aus dem Tabak Zigarren gerollt werden.
Tabakherstellung für Pfeifentabak
Die Herstellung von Pfeifentabak erfordert eine Sonderbehandlung, die in den folgenden Schritten vorgestellt wird:
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Pfeifentabak wird in der Regel sehr dick geschnitten. Denn nur so kann sich das Aroma des Tabaks in der Pfeife optimal entwickeln.
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Dem Cutten kommt bei der Herstellung des Pfeifentabaks deshalb eine besondere Bedeutung zu. Die Schnittbreite liegt bei 1,5 bis 3,5 Millimetern, wobei eine Schnittbreite von 2,5 Millimetern am geläufigsten ist.
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Einige Pfeifentabake werden in Form eines sogenannten Tabakkuchens gepresst. Der Pressvorgang lässt sich nur unter starker Hitze ausführen und dauert mindestens 12 Stunden. Je gepresster der Tabakkuchen ist, desto kräftiger kann sich später das Aroma entwickeln.
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Einen zusätzlichen Pluspunkt erreicht man mit der Flavourisierung. Hier werden naturbelassene Aromastoffe mittels einer Flavourtrommel auf den Tabak aufgebracht. Als Auswahl für die Flavourisierung ist neben Weinbrand und Rum beispielsweise auch Whiskey denkbar.
Tabakherstellung für Stopftabak
Im Vergleich mit dem Pfeifentabak sind die Tabakfasern beim Stopftabak recht kurz. Die Schnittbreite beträgt hier nicht mehr als 1,0 Millimeter. Die Herstellung des Tabaks erfolgt in den folgenden Schritten:
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Bei der Herstellung des Stopftabaks kommt es auf den Druck an. Dabei spielt die Expansion eine entscheidende Rolle.
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Die beste Expansionsstufe wird dadurch erreicht, dass man hochflüchtigen Tabakstoff in die Tabakzellen gibt und diesen anschließend wieder entfernt. Hochflüchtig zeigt sich ein Stoff, der leicht verdampft oder bei Raumtemperatur in der Form von Gas auftritt.
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Damit der Stickstoff entweichen kann, wird der Tabak mit Dampf behandelt und durch hohen Druck schockgefrostet. Der Erfolg zeigt sich daran, dass sich die Tabakzellen aufblähen.
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Für den Expansionsvorgang lassen sich unterschiedliche Verfahren anwenden. Bei der Verwendung von Wasserdampf wird der Tabak anschließend stark erhitzt. Alternativ kann der Tabak mit organischen Lösungsmitteln oder mit flüssigem Kohlendioxid behandelt werden.
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Nach dem erfolgreichen Expansionsvorgang erhält der Tabak seine typische Farbe. Überdies zeigt er sich voluminös, grob und bröselig. Zum Befüllen einer Filtertüte wird nur sehr wenig Stopftabak benötigt.
Tabakherstellung für Drehtabak
Auch bei der Herstellung des Tabaks für Drehtabak ist die Schnittbreite entscheidend. Hier gilt es, die folgenden Punkte zu beachten:
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Die Schnittbreite beträgt maximal 0,3 bis 0,65 Millimeter. Aus diesem Grund lässt sich der Drehtabak auch als Feinschnitttabak bezeichnen.
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Drehtabak ist auch in fertigen Zigarren enthalten.
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Eine Besonderheit zeigt sich, wenn es um das Mischen des Tabaks geht. Denn hier gibt es mit der niederländischen Mischung und dem amerikanischen Blend mindestens zwei Möglichkeiten, mit denen sich das Aroma für den Drehtabak optimieren lässt.
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